Beeinflussbarkeit der Indikatorausprägung
Dieses Kriterium ist eine wichtige Voraussetzung für
Qualitätsverbesserungen durch den Einsatz von Qualitätsindikatoren und
gilt auch in der Literatur als ein zentrales Kriterium. Wenn der
bewertete Aspekt in der praktischen Versorgungssituation nicht
veränderbar ist, so kann er keinen Nutzen im Sinne einer
Qualitätsverbesserung bringen. Damit hängen die beiden Gütekriterium
Nutzen und Beeinflussbarkeit der Indikatorausprägung eng zusammen.
Das Gütekriterium Beeinflussbarkeit der
Indikatorausprägung unterscheidet sich grundsätzlich von der
Indikatorevidenz für Ergebnisindikatoren. Bei der Indikatorevidenz für
Ergebnisindikatoren werden wissenschaftliche Belege dafür angeführt,
dass das gemessene Ergebnis von Leistungserbringern grundsätzlich
beeinflusst werden kann (Zusammenhang zwischen Outcome und
Prozess/Struktur). Bei der Beeinflussbarkeit der Indikatorausprägung
wird evaluiert, ob der bewertete Leistungserbringer unter den gegebenen
Versorgungsstrukturen das Versorgungsergebnis über Prozesssteuerung
tatsächlich beeinflussen kann.
Beispiele für positive und negative Beeinflussbarkeit:
- Ein
Qualitätsindikator „Anzahl der Vorsorgeuntersuchungen in der
Schwangerschaft“ ist für den Geburtshelfer schwer beeinflussbar, da
diese Untersuchungen in der Verantwortung anderer Ärzte durchgeführt
werden.
- Hingegen ist ein Indikator „Angabe des Sicherheitsabstands
bei Brustkrebsoperation durch den Pathologen“ durch den Operateur
durchaus beeinflussbar, da der Pathologe in einem Vertragsverhältnis
zum Operateur steht und die Angabe zum Sicherheitsabstand eine
unverzichtbare Information für die sachgerechte Durchführung der
Operation ist.
Definition
Qualitätsindikatoren müssen sich auf Versorgungsaspekte beziehen, bei denen die Ausprägung des Indikators durch die bewerteten Akteure tatsächlich beeinflussbar ist.
Kernaussage
Folgende Aussage wird bewertet: „Der Qualitätsindikator bezieht sich auf einen Versorgungsaspekt, der von den bewerteten Akteuren beeinflusst werden kann.“
Informationsgrundlage für die Bewertung
Die Bewertung der Kernaussage erfolgt auf der Basis der empirischen Erfahrungen der bewertenden Experten. In Einzelfällen kann möglicherweise eine zusätzliche Recherche erforderlich sein (z. B. zur tatsächlichen Verfügbarkeit bestimmter Behandlungsmethoden in einem bestimmten Setting).
Bewertungsprozess
Nachdem alle Bewerter die Informationsgrundlagen zur Kenntnis genommen und verstanden haben, bewerten sie die Kernaussage.
Eine detaillierte Prozessbeschreibung finden Sie hier.
Bewertungsstufen
1 = trifft nicht zu
2 = trifft eher nicht zu
3 = trifft eher zu
4 = trifft zu
Enthaltung