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Schlaganfälle oder Todesfälle nach Karotis-TEA: 
Risikoadjustierung mit dem Karotis-Score I (alle Schlaganfälle oder Tod) 
und dem Karotis-Score II (schwere Schlaganfälle oder  Tod) auf Grundlage
der BQS-Bundesdaten 2006
Joachim Kötting, BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH, Düsseldorf
 
Aktualisierung der Karotis-Scores I und II anhand der BQS-Bundesdaten 2006
 
Die bisher verwendeten Karotis-Scores I und II wurden auf Basis der BQS-Bundesdaten 2004 
berechnet (BQS-Qualitätsreport 2005). Im Laufe der Zeit haben sich jedoch die bundesweit 
beobachteten Raten von „Schlaganfällen oder  Todesfällen“ und die aus den Modellen bundesweit 
erwarteten Raten verändert. Die Daten weisen auch auf veränderte Einflüsse einzelner 
Risikofaktoren hin. Um bei geänderten Realitäten weiterhin eine zuverlässige Risikoadjustierungs-
methode zur Verfügung zu stellen, wurde eine Anpassung der beiden Risiko-Scores notwendig.
 
Konkret hat eine Überprüfung des Karotis-Score I ergeben, dass bei insgesamt wenig geänderten 
Gesamtrisiken im Patientenmix sich niedrigere Gesamtraten von perioperativen Schlaganfällen 
oder Todesfällen ergaben (3,16% im Erfassungsjahr 2004, 2,86% im Erfassungsjahr 2005 und 
2,77% im Erfassungsjahr 2006). Gleichzeitig konnte ein sich vermindernder Einfluss für Patienten 
mit höherem Alter festgestellt werden (Veränderung des relativen Risikos für Patienten > 80 Jahre 
von 1,60 im Jahr 2004 auf 1,31 im Jahr 2006). 
 
Daher wurden die Einflüsse der Risikofaktoren für die beiden Karotis-Scores überprüft und die 
jeweiligen Gewichtungen anhand der aktuellen BQS-Bundesdaten 2006 neu berechnet. Somit 
bleibt ein aktuell fairer Vergleich bei leichter interpretierbaren Ergebnissen gewährleistet.
 
1. Einleitung
Nach einer Karotis-Thrombendarterektomie (Karotis-TEA) wird eine niedrige Rate an 
Schlaganfällen oder Todesfällen als wichtiger Qualitätsindikator betrachtet. Die Rate eines
Krankenhauses hängt dabei nicht allein von der Qualität der erbrachten Leistung ab, sondern 
wird durch patientenbezogene Risikofaktoren, wie Vorerkrankungen, unterschiedliche 
Schweregrade der Grunderkrankung und auch krankheitsunabhängige Merkmale wie z. B. 
das Alter beeinflusst. Das Ergebnis eines Krankenhauses hängt also auch davon ab, 
welches Risikoprofil die Patienten eines Krankenhauses haben. Ein Krankenhaus, in dem 
sehr häufig Hoch-Risiko-Patienten behandelt werden, lässt in der Regel eine höhere Rate an 
Schlaganfällen oder Todesfällen nach einer durchgeführten Karotis-TEA erwarten als ein 
Krankenhaus mit wenigen Hoch-Risiko-Patienten. Ein schlechteres Ergebnis muss in solchen 
Fällen nicht automatisch eine schlechtere Qualität der Versorgung bedeuten. Erst eine 
angemessene Berücksichtigung unterschiedlicher Risiken im Patientenmix sorgt für einen
fairen Vergleich. Hierzu werden risikoadjustierte Qualitätsdarstellungen genutzt. Um einen 
möglichen gemeinsamen Einfluss mehrerer Risikofaktoren zu erkennen und zu gewichten, 
können multiple logistische Regressionsmodelle eingesetzt werden, deren Ergebnisse in 
einem weiteren Schritt zur Berechnung risikoadjustierter Raten genutzt werden können. 
Bekannte Beispiele nach herzchirurgischen Eingriffen sind die seit 1996 regelmäßig vom 
New York State Department of Health (1996 bis 2004) herausgegebenen Cardiac Surgery 
Reports oder der im europäischen Raum weit verbreitete additive oder logistische 
EuroSCORE (Roques et al. 1999, Michel et al. 2003). Für den Leistungsbereich „isolierte 
Koronarchirurgie“ wird von der BQS zudem seit dem Erfassungsjahr 2004 mit dem
KCH-SCORE ein, wie seit 2005 auch für die Karotis-TEA, eigens entwickeltes 
Risikoadjustierungsverfahren auf der Grundlage aktueller Daten eingesetzt.
2. Logistische KAROTIS (Karotis-Rekonstruktion)-Scores
Entwicklung und Interpretation der Modelle
Für einen möglichst fairen Krankenhausvergleich, bei differenzierter Sichtweise auf 
unterschiedliche Patientenrisiken, initiierte die BQS-Fachgruppe Gefäßchirurgie die 
Entwicklung zweier Modelle zur Betrachtung risikoadjustierter Raten.
Im ersten Modell (KAROTIS-Score I) wird dabei eine möglichst niedrige Rate an allen 
„perioperativen Schlaganfällen oder Tod“ im Krankenhaus nach einer Karotis-TEA als 
Qualitätsziel betrachtet. Im zweiten Modell (KAROTIS-Score II) werden "schwere 
Schlaganfälle oder Tod" im Krankenhaus für einen Krankenhausvergleich herangezogen.
Das Ereignis „Perioperativer Schlaganfall oder Tod“ ist dabei definiert als: [neurologisches
Defizit bis zur Entlassung = 2 („Perioperativer Schlaganfall“) ODER Entlassungsgrund = 7 
(„Tod“)]. Ein "Schwerer Schlaganfall oder Tod" liegt hier vor, falls gilt: [Schweregrad des 
neurologischen Defizit bis zur Entlassung >= 4  („Rankin 4“ ODER „Rankin 5“ ODER
„Rankin 6“) ODER Entlassungsgrund = 7  („Tod“)].
Bei der Aktualisierung der beiden Modelle wurde jetzt auf den Datenpool der 
BQS-Bundesauswertung 2006 zurückgegriffen. Als Grundgesamtheit wurden alle 25.570 
Patienten aus 519 Krankenhäusern betrachtet, für die Datensätze zur operativen Entfernung
gefäßverengender Plaques im BQS-Bundesdatenpool 2006 vorlagen. Potentielle 
Risikofaktoren für Schlaganfälle oder Todesfälle nach einer Karotis-TEA, die aus den 
Datenfeldern des Datensatzes Karotis-Rekonstruktion gebildet werden konnten, wurden 
durch die Fachkompetenz der BQS-Fachgruppe Gefäßchirurgie sowie mittels Leitlinien- und 
Literaturstudium ermittelt (Eckstein H.-H. 2004, MRC Asymptomatic Carotid Surgery Trial 
(ACST) Collaborative Group 2004, Rothwell PM et al. 2003, Biller J et al. 1998). So wurden 
die folgenden 10 möglichen Risikofaktoren auf ihren Einfluss auf Schlaganfälle oder 
Todesfälle nach einer Karotis-TEA näher untersucht: 
Indikationsgruppen, ASA-Klassifikation, präoperativer Schweregrad der Behinderung, 
ipsilaterale Stenose >= 75% (NASCET), kontralaterale Stenose >= 75% (NASCET), Alter, 
Geschlecht, exulzerierende Plaques, Rezidiveingriff und zu operierende Seite: links.
Unter Verwendung von multiplen logistischen Regressionsmodellen lassen sich dann nicht 
nur Aussagen darüber treffen, ob bestimmte Faktoren überhaupt einen Einfluss auf einen 
bestimmten binären Zustand (hier lebendig und ohne Schlaganfall einerseits und Tod oder
Schlaganfall andererseits) eines Patienten ausüben, auch lässt sich der simultane Einfluss 
dieser Risikofaktoren auf eine Erkrankungs- oder Versterbenswahrscheinlichkeit quantifizieren.
Dazu wurde als erstes eine Variablenselektion nach mathematisch-statistischen
Gesichtspunkten durchgeführt, bei der zum Signifikanzniveau 5% statistisch nicht signifikante 
Variablen aus der Modellbildung entfernt werden konnten. So wurde sowohl für 
„Perioperative Schlaganfälle oder Tod“ als auch für „Schwere Schlaganfälle oder Tod“ bei
gleichzeitiger Berücksichtigung der im Modell verbliebenen Risikofaktoren kein signifikanter 
Einfluss für die folgenden Variablen nachgewiesen: Geschlecht, Rezidiveingriff, ipsilateraler 
Stenosegrad >= 75% (NASCET) und die zu operierende Seite. Exulzerierende Plaques zeigten
nur im Modell für "Schwere Schlaganfälle oder Tod" keinen zusätzlichen signifikanten Einfluss.
Die in Tabelle 1 definierten Variablen konnten dagegen als Risikofaktoren mit signifikantem 
gemeinsamen Einfluss auf Schlaganfall oder Tod identifiziert werden. Diese werden in einem
Risikoadjustierungsmodell gemeinsam berücksichtigt: Indikationsgruppe, ASA-Klassifikation, 
präoperativer Schweregrad der Behinderung, kontralateraler Stenosegrad >= 75% (NASCET) 
und Alter. Exulzerierende Plaques nur im Modell für "Perioperative Schlaganfälle oder Tod".
Das tatsächlich der gemeinsame Einfluss aller Variablen gemessen wird, zeigt sich auch am
Ausscheiden des Rezidiveingriffs als gesondertem Einflussfaktor. Denn dieser wird auch 
schon innerhalb der Karotischirurgie unter besonderen Bedingungen (Indikationsgruppe C) in
den Modellen mit berücksichtigt. Die Nicht-Signifikanz bedeutet hier, dass ein darüber hinaus 
gehender Einfluss nicht vorliegt. 
Zur Überprüfung der Modellgültigkeit wurde die Hosmer-Lemeshow Goodness-of-Fit- 
Teststatistik verwendet. Dazu werden die für jeden Patienten aus dem Modell  
vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten zu versterben aufsteigend sortiert und in zehn gleich 
große Gruppen aufgeteilt. Ob die vorhergesagte Anzahl von Schlaganfällen oder Tod in den
zehn Gruppen mit der tatsächlich zu beobachtenden Anzahl in den Gruppen übereinstimmt, 
wird schließlich mittels eines c²-Test überprüft.
Ein Wert von 0,873 beim Modell „Perioperative Schlaganfälle oder Tod“ bzw. von 0,731 beim 
Modell „Schwere Schlaganfälle oder Tod“ für den Hosmer-Lemeshow Goodness-of-Fit-Test
lässt dabei keine signifikanten Unterschiede erkennen. Das bedeutet, dass die neu 
entwickelten Risikoadjustierungsmodelle die Wahrscheinlichkeit, nach einer Karotis-TEA 
einen Schlaganfall oder Tod bzw. einen schweren Schlaganfall oder Tod zu erleiden, gut 
vorhersagen. Die Werte der ROC-Kurve, die die Diskriminierungsfähigkeit zwischen richtigen
und falschen Vorhersagen beschreiben sollen, können mit 0,714 für „Perioperative 
Schlaganfälle oder Tod“ sowie mit 0,752 für „Schwere Schlaganfälle oder Tod“ für die 
berechneten Modelle ebenfalls als gut bezeichnet werden.
Risikofaktor Definition laut BQS-Datensatz Karotis-Rekonstruktion
Alter (in Jahren)   Aufnahmejahr - Geburtsjahr  
       
Indikationsgruppe (zwei Risikoklassen)     a) Indikationsgruppe B -              
    symptomatische Karotisstenose, elektiv:  
    [symptomatische Karotisläsion (elektiv): (Amaurosis
    fugax ipsilateral ODER Ipsilateral Hemisphären TIA
    ODER Apoplex mit Rankin 0 bis 5 ODER Sonstige)
    ODER Zeitraum letztes Ereignis bis zur  
    Operation: <= 180 Tage]  
    UND Ausschluss der Karotischirurgie unter  
    besonderen Bedingungen (Indikationsgruppe C)  
       
    b) Indikationsgruppe C - Karotischirurgie unter  
    besonderen Bedingungen:  
    symptomatische Karotisläsion (Notfall):  
    (Crescendo-TIA ODER akuter/progredienter Apoplex
    ODER Sonstige)  
    ODER Aneurysma: ja ODER symptomatisches  
    Coiling: ja  
    ODER Mehretagenläsion: ja ODER Rezidiveingriff: ja
    ODER Simultaneingriff: (aorto-coronarer Bypass  
    ODER periphere arterielle Rekonstruktion ODER  
    Aortenrekonstruktion ODER Sonstige)  
    ODER [symptomatische Karotisläsion (elektiv):  
    <> LEER UND Zeitraum letztes Ereignis bis zur  
    Operation: <= 180 Tage UND exulzerierende  
    Plaques: ja UND ipsilateraler  
        Stenosegrad < 50% (NASCET)]  
Einstufung nach ASA-Klassifikation       a) Patient mit schwerer Allgemeinerkrankung und  
(zwei Risikoklassen)   Leistungseinschränkung  
    b) Patient mit inaktivierender Allgemeinerkrankung,  
    ständige Lebensbedrohung  
      ODER moribunder Patient  
bei „Perioperative Schlaganfälle oder Tod“:     a) Rankin 1: Apoplex mit funktionell irrelevantem  
Schweregrad der Behinderung (fünf Risikoklassen) neurologischen Defizit  
    b) Rankin 2: leichter Apoplex mit funktionell gering-  
bei „Schwere Schlaganfälle oder Tod“:   gradigem Defizit und/oder leichter Aphasie  
Schweregrad der Behinderung (drei Risikoklassen; c) Rankin 3: mittelschwerer Apoplex mit deutlichem  
a) Rankin 1 und b) Rankin 2 entfallen als   Defizit mit erhaltener Gehfähigkeit und/oder  
Risikofaktoren)   mittelschwerer Aphasie  
    d) Rankin 4: schwerer Apoplex, Gehen nur mit Hilfe  
    möglich und/oder komplette Aphasie  
    e) Rankin 5: invalidisierender Apoplex:  
    Patient ist bettlägerig bzw. rollstuhlpflichtig  
nur bei „Perioperative Schlaganfälle oder Tod“:   exulzerierende Plaques: ja    
exulzerierende Plaques                  
kontralateraler Stenosegrad           >= 75% (NASCET)  
                                                     
Tabelle 1: Risikofaktoren mit statistisch signifikantem Einfluss auf 
„Perioperative Schlaganfälle oder Tod“ bzw. „Schwere Schlaganfälle oder Tod“
                  Regressions-
koeffizient