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Warum Risikoadjustierung?

Im internen Qualitätsmanagement eines Krankenhauses wird angestrebt, die bestmögliche Qualität für seine Patienten zu erreichen. Die Erreichbarkeit von Qualitätszielen ist jedoch teilweise beeinflusst durch Merkmale der Patienten oder des Patientenmix (z. B. Gesundheitszustand, Vorerkrankungen, Alter), welche neben Struktur- und Prozesselementen das Behandlungsergebnis beeinflussen. Um den Qualitätsvergleich fair zu gestalten, müssen jene Patienteneigenschaften (Risikoprofil) berücksichtigt werden, die Auswirkungen auf die Ergebnisqualität haben.

Ein rein deskriptiver Vergleich zwischen teilnehmenden Krankenhäusern ohne Berücksichtigung der Einflussfaktoren würde zu Fehlschlüssen führen: Krankenhäuser können sich beträchtlich hinsichtlich der Zusammensetzung ihrer Patientenpopulationen („Patientenmix“) unterscheiden. Krankenhäuser mit Niedrigrisiko-Patienten würden besser bewertet als solche mit Hochrisiko-Patienten. Insbesondere die Ergebnisindikatoren, die im BQS-Verfahren über 50% aller Qualitätsindikatoren repräsentieren, erfordern daher eine Adjustierung für die Risikosituation der Patienten. 

Qualitätsindikatoren können für sehr unterschiedliche Anwendungen in der Bewertung der Qualität der Leistungserbringung im Gesundheitswesen eingesetzt werden. Die Anforderungen an die Risikoadjustierung variieren zwischen den Anwendungsfeldern.

Wie werden BQS-Qualitätsindikatoren risikoadjustiert?

Die Methode zur Risikoadjustierung wird gemeinsam durch die BQS-Fachgruppen und die BQS ausgewählt, entwickelt, validiert und in den BQS-Bundesauswertungen eingesetzt. Die erforderliche Methode der  Risikoadjustierung ist abhängig

  • vom erforderlichen Umfang der Risikoadjustierung, der sich aus der Kenntnis der Einflussfaktoren und ihres Einflusses auf den Qualitätsindikator ergibt,
  • dem noch akzeptablen Umfang der Dokumentation
  • und der Verfügbarkeit der für eine Risikoadjustierung erforderlichen Daten

In welchem Umfang sind BQS-Qualitätsindikatoren adjustiert?

Im Verfahrensjahres 2005 waren 77% der Qualitätsindikatoren risikoadjustiert bzw. ein Verfahren zur Risikoadjustierung nicht erforderlich. Damit besteht externe Vergleichbarkeit für den Großteil der Qualitätsindikatoren.

Die Methode der Risiskoadjustierung der Qualitätsindikatoren kann auf www.bqs-qualitaetsindikatoren.de nachgeschlagen werden.

Wo liegen die Grenzen der Risikoadjustierung?

  • Schwankungen in den Ergebnissen zwischen Krankenhäusern oder eines Krankenhauses im Zeitverlauf sind nicht allein durch Patientenrisiken, Patientenmix und Behandlungsqualität zu erklären, sondern zu einem unterschiedlich großen Anteil auch zufällig bedingt. Diese zufällige Variation sowohl für den einzelnen Patienten als auch für das Krankenhaus kann nicht durch Risikoadjustierung kontrolliert werden.
  • Nicht alle Risiken können in der Risikoadjustierung berücksichtigt werden. Die Risikoadjustierung muß  sich sich auf die wichtigsten Faktoren beschränken, die mit vertretbarem Aufwand erhoben werden können.
  • Verfahren der Risikoadjustierung (z.B. Stratifizierungen und risikostandardisierte Fallkonstellation) können dazu führen, dass zwar homogene (gut vergleichbare) Kollektive betrachtet werden, die Fallzahl in der betrachteten Grundgesamtheit aber stark eingeschränkt wird. Die durch diemRisiskoadjusteirung erzielte erhöhte Spezifität des Qualitätsindikators wird mit einer eingeschränkten Sensitivität bezahlt. Tatsächliche Qualitätsmängel werden möglicherweise nicht mehr erkannt. Da das Verfahren des Strukturierten Dialogs es erlaubt, eine eingeschränkte Spezifität durch die Analyse im Strukturierten Dialog aufzufangen, wird in Leistungsbereichen mit kleinen Fallzahlen teilweise bewusst auf eine Risikoadjustierung verzichtet.

Alternative Methoden der Risikoadjustierung

  • Durch eine geeignete Festlegung der Referenzbereiche können ebenfalls Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Dies ist letztlich eine indirekte Form der Risikoadjustierung. Dadurch kann insbesondere bei seltenen Einflussfaktoren eine angemessene Berücksichtigung erfolgen, ohne dass die Erfassung des Einflussfaktors in der Dokumentation erforderlich ist.
  • Seit dem Verfahrensjahr 2004 erfolgt die Auslösung der QS-Dokumentation über den QS-Filter. Es werden nur bestimmte medizinische Leistungen und bestimmte Diagnosen in die Dokumentation und damit in die Qualitätsdarstellung einbezogen. Besondere Risiken, die Qualitätskennzahlen einzelner Krankenhäuser stark verfälschen würden, werden über Ausschlussprozeduren und -diagnosen aus der Qualitätsdarstellung ausgeschlossen. Die QS-Filter-Kriterien für jeden Leistungsbereich definieren eine risikostandardisierte Fallkonstellation.