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Glossar


Begriff
Erläuterung

AWMF

Die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ist der Zusammenschluss der medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. Eine wichtige Aufgabe, die die AWMF übernommen hat, ist die Koordination der Erstellung deutscher Leitlinien.

Die AWMF im Internet: http://www.awmf.org

Benchmarking


Siehe Krankenhausvergleich

Dokumentation


Die Krankengeschichte eines Patienten und alle Maßnahmen zur Untersuchung und Behandlung im Krankenhaus müssen schriftlich festgehalten werden. Während und nach der Behandlung eines Patienten im Krankenhaus dokumentieren Ärzte und Pflegepersonal daher die durchgeführten Untersuchungen (Diagnostik) und Behandlungen (Therapie) sowie deren Ergebnisse in der Krankenakte.

Ein weiterer Teil der Dokumentation ist die Dokumentation für die externe Qualitätssicherung. Diese erfolgt entweder gleichzeitig mit der normalen Behandlungsdokumentation oder mit Abschluss der Behandlung aus den bereits in der Krankenakte dokumentierten Angaben. Hier werden die für die Messung der Qualitätsindikatoren notwendigen Daten möglichst vollständig und einheitlich erfasst, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten.

Ergebnisindikator


Ein Ergebnisindikator misst die Qualität des Behandlungsergebnisses. Er zeigt, wie oft ein gewünschtes, manchmal auch ein unerwünschtes Behandlungsergebnis, festgestellt wird.

Gesamtergebnis


In der BQS-Bundesauswertung werden Gesamtergebnisse für alle deutschen Krankenhäuser dargestellt. Das Gesamtergebnis eines Qualitätsindikators wird aus den Daten aller Patienten berechnet, die im jeweiligen Jahr in deutschen Krankenhäusern behandelt wurden.

Kennzahl


In den Auswertungen der BQS werden zur Information der Krankenhäuser außer den Ergebnissen der Qualitätsindikatoren auch andere Ergebnisse dargestellt, beispielsweise wie viele Patienten behandelt worden sind oder wie alt diese Patienten im Durchschnitt waren. Die Ergebnisse dieser Auswertungen werden Kennzahlen genannt.

Von diesen „einfachen“ Kennzahlen werden die sogenannten Qualitätskennzahlen unterschieden.

Krankenhausvergleich


Im BQS-Verfahren werden die Ergebnisse der Krankenhäuser in Säulendiagrammen (Benchmarkdiagramme) dargestellt. Jede Säule steht für ein Krankenhaus. Die Säulendiagramme zeigen die Verteilung der Ergebnisse der Krankenhäuser. Den Säulen ist allerdings kein Krankenhausname zugeordnet. Dieser Krankenhausvergleich ermöglicht den beteiligten Krankenhäusern, ihre eigenen Leistungen im Vergleich zu anderen Krankenhäusern zu bewerten und eigene Stärken und Verbesserungspotentiale zu erkennen.

Ein Vergleich von Krankenhäusern ist jedoch für ausgewählte Qualitätsindikatoren, über die im Qualitätsbericht der Krankenhäuser ab Herbst 2007 veröffentlichten Ergebnisse möglich.

Leistungsbereich


Für die Qualitätsmessung werden bestimmte medizinisch-pflegerische Leistungen so zusammengefasst, dass vergleichbare Gruppen entstehen. Diese Gruppen werden Leistungsbereiche genannt. Es handelt sich dabei also sozusagen um „Beobachtungseinheiten“.

Dies sind entweder bestimmte Behandlungsverfahren (z. B. Gallenblasenentfernungen) oder Erkrankungen (z. B. Lungenentzündungen).
Eine spezielle, im Krankenhaus installierte Software, zeigt an, ob eine Behandlung oder Erkrankung in einen von der BQS festgelegten Leistungsbereich fällt und für die Qualitätsmessung dokumentiert werden muss.

Leitlinie


Leitlinien beschreiben die „beste Praxis“ für die Behandlung einer Erkrankung. Aktuelle Leitlinien berücksichtigen den Stand des medizinischen Wissens aus wissenschaftlicher Forschung und klinischer Erfahrung. Sie dienen als Handlungs- und Entscheidungsempfehlungen, von der in begründeten Fällen allerdings abgewichen werden kann oder sogar muss.

Definition der AWMF aus dem Jahr 2000: „Leitlinien sind systematisch entwickelte Darstellungen und Empfehlungen mit dem Zweck, Ärzte und Patienten bei der Entscheidung über zweckdienliche Maßnahmen der Krankenversorgung (Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge) unter spezifischen klinischen Umständen zu unterstützen.“

Eine Sammlung von Leitlinien finden Sie unter folgendem Link: http://www.leitlinien.de

Perzentil-
Referenzbereich


Ein Perzentil ist ein sogenannter Verteilungskennwert. Mit ihm können Daten in Gruppen eingeteilt werden. Z. B. teilt das 10%-Perzentil Ergebnisse in zwei Gruppen: einmal die Gruppe, in der die niedrigsten 10% der Ergebnisse liegen und zweitens die Gruppe der restlichen 90% der Ergebnisse.

Perzentil-Referenzbereiche werden genutzt, wenn für eine Qualitätskennzahl eine erreichbar gute Qualität in Form eines festen (fixen) Referenzbereichs nicht eindeutig definiert werden kann.

Am Beispiel bedeutet dies, dass von insgesamt 200 Krankenhäusern bei Festlegung das 10%-Perzentil als Referenzbereich die 20 Krankenhäuser mit den schlechtesten Ergebnissen einer näheren Analyse unterzogen werden. Mit dieser Methode lassen sich mögliche Qualitätsprobleme effektiv bearbeiten und Verbesserungen erzielen. Als unauffällig gelten die restlichen 90% der Krankenhäuser.

Bei der Bestimmung des Perzentils werden die Ergebnisse von Einrichtungen mit weniger als 20 Fällen nicht berücksichtigt, da dies aus statistischen Gründen nicht sinnvoll ist.

Prozessindikator


Ein Prozessindikator zeigt für wichtige Schritte bei der Behandlung (Prozesse), ob und wie häufig diese Schritte eingesetzt worden sind.
Für einen guten Prozessindikator muss nachgewiesen sein, dass die Durchführung dieses Schrittes zu einem besseren Behandlungsergebnis führt.

Beispiel: Es ist wissenschaftlich belegt, dass bei der Behandlung der Lungenentzündung die Sterblichkeit niedriger ist, wenn frühzeitig ein Antibiotikum gegeben wird. Der BQS-Qualitätsindikator misst daher, wie oft bei der Behandlung der Lungenentzündung innerhalb der ersten 8 Stunden Antibiotika verabreicht werden.

Qualitätsindikator


Qualitätsindikatoren sind Anzeiger für gute Qualität in Medizin und Pflege. Eine andere Bezeichnung für Qualitätsindikator ist klinische Messgröße. Sie zeigen für wichtige Behandlungsschritte, ob und wie häufig diese eingesetzt worden sind (Prozessindikatoren ) und für Behandlungsergebnisse, ob und wie häufig erwünschte oder unerwünschte Ergebnisse eingetreten sind (Ergebnisindikatoren ).

Qualitätsindikatoren beziehen sich daher nur immer auf bestimmte Schritte oder Teilergebnisse der Behandlung. Deshalb ist es wichtig zu wissen, dass die Qualität einer Behandlung nicht nur mit einem einzigen Qualitätsindikator gemessen werden kann, sondern dass dazu mehrere, aufeinander abgestimmte Qualitätsindikatoren verwendet werden müssen.

Um verwertbare Aussagen zu liefern, muss ein Qualitätsindikator bestimmte methodische Eigenschaften erfüllen: er muss wichtige Aussagen zur Behandlung liefern, er muss genau und zuverlässig messen, und er muss praktisch gut einsetzbar sein.

Qualitätskennzahl


Zu einem Qualitätsindikator können eine oder mehrere Qualitätskennzahlen gehören. Dadurch kann der von dem Qualitätsindikator beobachtete Behandlungsschritt oder das beobachtete Ergebnis unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet werden. Beispielsweise stehen für einen Qualitätsindikator, der Wundentzündungen nach einer Operation betrachtet, mehrere Qualitätskennzahlen zur Verfügung. Eine der Kennzahlen zeigt, wie viele Wundinfektionen bei allen behandelten Patienten aufgetreten sind. Eine weitere Kennzahl zeigt, wie viele Wundinfektionen bei Patienten mit besonders hohem Risiko, eine solche Entzündung zu entwickeln, aufgetreten sind.

Qualitätsziel


Zu jedem Qualitätsindikator gehört ein Qualitätsziel, das genau beschreibt, was für diesen Indikator gute Qualität ausmacht. Das Qualitätsziel ist immer so formuliert, dass es den Leitsatz „Gute Qualität ist, wenn..“ ergänzt.

Rate


Eine Rate beschreibt einen Anteil und wird in Prozent angegeben: Eine Wundinfektionsrate von 2% bedeutet z. B., dass es bei 2 von 100 Patienten es zu einer Infektion der Operationswunde gekommen ist.

Referenzbereich


Der Referenzbereich unterscheidet auffällige von unauffälligen Krankenhausergebnissen. Ergebnisse außerhalb des Referenzbereichs sind auffällig und sollten im Strukturieren Dialog analysiert werden.

Es gibt zwei Arten von Referenzbereichen: Zielbereiche und Auffälligkeitsbereiche. Weitere Erklärungen finden Sie unter diesem LINK .

Risikoadjustierung

Ein einfacher Vergleich zwischen Krankenhäusern, der nicht berücksichtigt, ob in allen Krankenhäusern Patienten mit vergleichbarer Krankheitsschwere behandelt werden (Vergleichbarkeit), kann zu Fehlschlüssen führen. Beispiel: Die Sterblichkeit neugeborener Kinder kann in einem Krankenhaus, das besonders viele Risikoschwangerschaften und Frühgeborene behandelt, höher sein als in einem Krankenhaus, das überwiegend „normale“ Entbindungen ohne besondere Risiken durchführt. Diese höhere Sterblichkeitsrate ist aber nicht notwendigerweise auf eine schlechtere Behandlungsqualität zurückzuführen, sondern auf das unterschiedliche „Risiko“ der behandelten Patienten.

Um einen fairen Vergleich sicherzustellen, setzt man daher geeignete Methoden der Risikoadjustierung ein: Es können z. B. die Unterschiede zwischen den einzelnen Patienten durch statistische Rechenmodelle berücksichtigt werden. Ein anderes Verfahren der Risikoadjustierung ist, Patienten mit einem bestimmten Risiko aus der Messung auszuschließen. Dadurch wird eine einheitlich Patientengruppe gebildet, aus der die Ergebnisse berechnet werden.

Die verschiedenen Risikoadjustierungsmethoden unterscheiden sich sehr stark in ihrem Aufwand und ihrer Aussagekraft. Welche Methode für welchen Qualitätsindikator angemessen ist, entscheiden die Experten der BQS zusammen mit den BQS-Fachgruppen.

Spannweite


Die Spannweite der Krankenhausergebnisse gibt den niedrigsten und höchsten Wert der Krankenhausergebnisse für einen Qualitätsindikator an. Die Spannweite ist ein Maß dafür, wie stark sich die Ergebnisse zwischen den Einrichtungen unterscheiden. Große Spannweiten weisen auf eine große Unterschiede (Variabilität) in der Qualität der Versorgung hin.

Beispiel:
Wenn also beim Qualitätsindikator „Wundinfektionen“ das Krankenhaus mit dem besten Ergebnis eine Rate von 0% erreicht und das Krankenhaus mit dem schlechtesten Ergebnis einen Wert von 5%, liegt die Spanweite bei 0 bis 5%.

Strukturierter Dialog


Der Strukturierte Dialog ist das Herzstück des BQS-Verfahrens. Qualitätsindikatoren geben Hinweise, ob gute Qualität erreicht wurde. Aus dem Ergebnis einer einzigen Zahl kann aber kein „gerichtsfestes Urteil“ zur Qualität eines Krankenhauses abgeleitet werden. Daher ist es wichtig, dass auffällige Ergebnisse – also solche, die den Referenzbereich nicht erreichen oder die deutlich unter dem Durchschnitt liegen – genauer untersucht werden.

Diese Untersuchung erfolgt durch neutrale Fachexperten in einem Verfahren, das „Strukturierter Dialog“ genannt wird.

In diesem Verfahren wird geklärt, ob die auffälligen Ergebnisse dadurch zustande gekommen sind, dass Qualitätsanforderungen nicht eingehalten worden sind, oder ob andere Gründe vorlagen. Solche Gründe können sein, dass das Krankenhaus die Behandlungen zwar korrekt durchgeführt hat, aber die Daten der Qualitätssicherung falsch eingegeben hat. Auch kann die Untersuchung im Strukturierten Dialog zeigen, dass in einem Jahr zwar eine auffällig hohe Zahl von Komplikationen aufgetreten ist, die sich aber in bei genauer Analyse als unvermeidbar erwiesen haben. Es ist wichtig zu wissen, dass Komplikationsstatistiken keine „Pannenstatistiken“ sind, da nicht jede Komplikation vermeidbar ist.

Wenn im Strukturierten Dialog festgestellt wird, dass die Qualität der Behandlung verbessert werden kann, wird dies als „qualitative Auffälligkeit“ bezeichnet und mit dem Krankenhaus werden Zielvereinbarungen getroffen, was zukünftig verändert werden muss.

Vergleichbarkeit
von Ergebnissen


Jeder Mensch ist anders und auch Patienten sind nicht gleich. Abhängig von Begleiterkrankungen, Alter und anderen Faktoren haben sie ein unterschiedliches Risiko, dass bei einer Behandlung im Krankenhaus z. B. Komplikationen auftreten. Ein Krankenhaus, das z. B. auf komplizierte Fälle spezialisiert ist, kann trotz hoher Behandlungsqualität schlechtere Ergebnisse aufweisen als ein Krankenhaus, in dem leichtere Fälle behandelt werden.

Diese Patientenfaktoren werden bei Berechnung der Qualitätsindikatoren durch die sogenannte Risikoadjustierung bestmöglich berücksichtigt. Allerdings kann auch die beste Risikoadjustierung nicht jeden denkbaren Einzelfall erfassen.
Daher zeigen also insbesondere Ergebnisse, die nahe beieinander liegen, nicht unbedingt Unterschiede in der Qualität an. Dies kann bei der Bildung von Rangfolgen (also zum Beispiel „Bestenlisten“) zu Fehleinschätzungen führen.

Beispiel:
In einem Krankenhaus wurde bei Herzoperationen eine Sterblichkeit von 2,4% festgestellt, in einem anderen Krankenhaus eine Sterblichkeit von 2,6%. In einer Rangliste könnten diese Krankenhäuser um mehrere Plätze auseinander liegen, ohne dass tatsächlich ein Qualitätsunterschied besteht.