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Interpretationshilfe für Patienten

(Stand: 21.06.2007)

Qualitätsindikator

Übersäuerung des kindlichen Blutes nach der Geburt

BQS-Qualitätsindikator

Azidose bei reifen Einlingen mit NabelarterienpH-Bestimmung

Versorgungsbereich:
Geburtshilfe

Indikatortyp:
Ergebnisindikator

BQS-Leistungsbereich:
Geburtshilfe

Art des Referenzbereichs:
Toleranzbereich

Informationen zum Versorgungsbereich: Link.

Begriffserläuterungen finden Sie im Glossar.

    

Qualitätsziel
Bei normal entwickelten Neugeborenen soll nur selten eine Übersäuerung des Blutes auftreten.

Warum kann das Erreichen dieses Ziels als gute Qualität angesehen werden?
Eine Übersäuerung des Blutes kann ein Hinweis auf eine Mangelversorgung mit Sauerstoff sein.

Der Säuerungsgrad des Blutes muss innerhalb relativ enger Grenzen stabil bleiben, das Blut darf nicht zu sauer oder zu wenig sauer sein. Dieser Bereich wird erreicht, wenn Säuren und Basen (Laugen) im Blut in einem gesunden Verhältnis zueinander vorhanden sind. Sollte der Säureanteil im Blut höher sein als der Anteil an Basen (Laugen), kommt es zu einer Übersäuerung (Azidose).

Der sogenannte pH-Wert ist eine Messgröße für den Säuerungsgrad des Blutes. Der pH-Wert des Blutes bezeichnet das Verhältnis von Säuren und Basen im Blut und lässt sich mittels einer Blutuntersuchung feststellen.

Der ph-Wert darf nur geringfügig schwanken, sonst kommt es zu Störungen des gesamten Stoffwechsels und der Atmung. Ein Ergebnis zwischen 7,35 und 7,45 bedeutet, dass Säure- und Basenanteile in einem gesunden Verhältnis im Blut vorhanden sind. Neugeborene weisen unmittelbar nach der Geburt in der Regel einen leicht erniedrigten pH um 7,2 bis 7,3 auf.

Nach der Geburt wird untersucht, ob bei dem Neugeborenen der pH-Wert des Blutes im gesunden Bereich liegt oder ob dessen Blut auf eine Übersäuerung (Azidose) des kindlichen Organismus hinweist.

Das für die Untersuchung benötigte Blut wird aus einem Blutgefäß in der Nabelschnur (Nabelschnurarterie) entnommen und der pH-Wert dann im Rahmen einer Laboruntersuchung gemessen. Das Messergebnis wird Nabelarterien-pH-Wert genannt.

Diese Untersuchung ist vor allem deshalb bedeutsam, weil eine Azidose bei Neugeborenen auf einen während der Geburt erlittenen Sauerstoffmangel hinweisen kann. Wenn es im Verlauf der Geburt Anzeichen gibt, dass ein Sauerstoffmangel beim Kind vorliegen könnte – dies kann beispielsweise durch die Wehen- und Herztonmessung (CTG = Cardiotokogramm) festgestellt werden – sollte die Geburt möglichst rasch beendet werden, um das Kind nicht zu gefährden.

Ein Messergebnis eines pH von weniger als 7,00 wird als bedenklich eingestuft. Ein pH-Wert unterhalb von 7,00 bedeutet ein gesteigertes Risiko für dauerhafte Schädigungen und erhöhte Sterblichkeit des Kindes. Allerdings kommt es bei einem nur für kurze Zeit bestehenden niedrigen pH-Wert nicht zwangsläufig zu bleibenden Schädigungen des Kindes.

Der Indikator bezieht sich auf „reife Einlinge“. Eine Schwangerschaft dauert bei normalem Verlauf 280 Tage (40 Wochen), - gerechnet ab Beginn der letzten erfolgten Regelblutung. Ein Kind, das voll ausgetragen wurde, wird in der medizinischen Fachsprache als „reifer Einling“ bezeichnet. Bei diesen Kindern ist ein sehr niedriger pH-Wert sehr ungewöhnlich und sollte idealerweise nicht auftreten. Hingegen ist bei Frühgeborenen ein niedriger pH-Wert häufiger als bei reif geborenen Kindern ein niedriger pH-Wert unvermeidbar.

Ziel jedes Krankenhauses muss sein, durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass nur bei möglichst wenigen neugeborenen Kindern eine Azidose, d.h. einem Nabelarterien-pH-Wert von weniger als 7,00 nach der Geburt, auftritt.


Wichtiger Hinweis

Dieser Indikator wurde nach methodischer Prüfung von der BQS nicht uneingeschränkt für die öffentliche Berichterstattung empfohlen.

Der Grund für diese Einschränkung liegt darin, dass der Indikator nur eingeschränkt „risikoadjustiert“ ist. Das heißt, dass bei Kindern mit bestimmten Risikofaktoren häufiger Übersäuerungen des Blutes auftreten können, ohne dass der Geburtshelfer dieses auch bei optimaler Leitung der Geburt beeinflussen kann.

Zu diesen Faktoren gehören z. B. Wachstumsverzögerungen, Nabelschnurkomplikationen oder das Vorliegen von Krankheiten wie beispielsweise Infektionen.

Ein auffälliges Ergebnis bei diesem Indikator kann also auch dadurch bedingt sein, dass in manchen Krankenhäusern häufiger Kinder mit besonderen Risikofaktoren behandelt werden.

Die BQS wird diesen Indikator methodisch weiterentwickeln. Es ist geplant, zukünftig die nicht beeinflussbaren Risikofaktoren für die Berechnung des Indikatorergebnisses zu berücksichtigen, d.h. für den Indikator eine bessere Form der Risikoadjustierung zu entwickeln.


Wie werden die Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator ermittelt?
Damit ermittelt werden kann, ob das Qualitätsziel erreicht wird, dokumentiert das Krankenhaus zu jeder Geburt, wie hoch der gemessene Nabelarterien-pH-Wert lag.

Aus diesen Angaben wird eine Kennzahl berechnet, deren Ergebnis in Prozent angegeben wird. Sie gibt an, bei wie vielen reif geborenen Kindern ein Nabelarterien-pH unter 7,00 festgestellt worden ist

Wie kann man die Versorgungsqualität bewerten?
Für diesen Qualitätsindikator kann keine medizinisch-pflegerisch begründbare Grenze für eine tatsächlich erreichbare gute Qualität festgelegt werden. Als Orientierungshilfe zur Bewertung der Krankenhausergebnisse kann das durchschnittliche Ergebnis in Deutschland (Gesamtrate) herangezogen werden (siehe: Wie sind die Ergebnisse in Deutschland?).

Da es für diesen Indikator keine klar belegbare Grenze für gute Qualität gibt, wird der Referenzbereich genutzt, um die auffälligsten Ergebnisse zu prüfen. Nicht jedes auffällige Ergebnis bedeutet automatisch schlechte Qualität. Daher werden diese Ergebnisse im Strukturierten Dialog gemeinsam durch eine Gruppe von Fachexperten und das Krankenhaus analysiert. Dabei wird geprüft, ob in einem Krankenhaus mit auffälligen Ergebnissen möglicherweise Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.

Wie sind die Ergebnisse in Deutschland?
Welche Versorgungsqualität für dieses Qualitätsziel erwartet werden kann, zeigt das Ergebnis, das 2006 in Deutschland erreicht wurde: Es betrug 0,18%.

Damit lag 2006 bei 1 bis 2 von 1.000 im Krankenhaus reif geborenen Kindern eine Übersäuerung des Blutes mit einem pH-Wert unter 7,00 vor.

Wie sind die Krankenhausergebnisse einzuschätzen?
Krankenhäuser mit einer Rate von weniger als 0,18%liegen besser als der Durchschnitt. Krankenhäuser mit einer Rate von mehr als 0,3% haben ein auffälliges Ergebnis.

Aus auffälligen Ergebnissen kann nicht automatisch auf schlechte Qualität geschlossen werden. Daher werden diese Ergebnisse im Strukturierten Dialog gemeinsam durch eine Gruppe von Fachexperten und das Krankenhaus analysiert. Dabei wird geprüft, ob in einem Krankenhaus mit auffälligen Ergebnissen Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.

Autoren:
BQS gGmbH, BQS Fachgruppe Perinatalmedizin, Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

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