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Interpretationshilfe für Patienten

(Stand: 21.06.2007)

Qualitätsindikator

Durchführung festgelegter Untersuchungen vor der Entlassung

BQS-Qualitätsindikator

Bestimmung der klinischen Stabilitätskriterien

Versorgungsbereich:
Lungenentzündung

Indikatortyp:
Prozessindikator

BQS-Leistungsbereich:
Ambulant erworbene Pneumonie

Art des Referenzbereichs:
Zielbereich

Informationen zum Versorgungsbereich: Link.

Begriffserläuterungen finden Sie im Glossar.

    

Qualitätsziel
Bei Patient(inn)en mit einer Lungenentzündung sollen vor der Entlassung aus dem Krankenhaus möglichst häufig festgelegte Untersuchungen durchgeführt werden, um die Stabilität des Gesundheitszustandes bewerten zu können.

Warum kann das Erreichen dieses Ziels als gute Qualität angesehen werden?
Patienten, die wegen einer ambulant erworbenen Lungenentzündung zur Behandlung in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, sollen erst dann wieder aus der stationären Behandlung in die häusliche Umgebung entlassen werden, wenn sich ihr Gesundheitszustand ausreichend stabilisiert hat. Die Genesung soll so weit fortgeschritten sein, dass eine erneute Verschlechterung mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann. Dieses Stadium der Gesundung wird als „klinisch stabil“ bezeichnet.

Um feststellen zu können, ob ein Patient dieses stabile Stadium erreicht hat, wird sein Gesundheitszustand vor der Entlassung auf sieben Merkmale hin – die sogenannten klinischen Stabilitätskriterien – untersucht. Sie können schnell und ohne großen Aufwand festgestellt werden. Als Anzeichen für eine klinische Stabilität gelten:

  • Puls: Höchstens 100 Herzschläge pro Minute.
  • Blutdruck: Der systolische Blutdruck (der zuerst genannte Wert des Blutdrucks) sollte mindestens 90 mm Hg (Quecksilbersäule) betragen.
  • Atmung: Die Anzahl der Atemzüge (Atemfrequenz) soll höchstens 24 Atemzüge in der Minute betragen.
  • Sauerstoffsättigung: Der Sauerstoffgehalt des Blutes sollte mindestens 90 Prozent betragen.
  • Körpertemperatur: höchstens 37,2 °C.
  • Nahrungsaufnahme: Die Fähigkeit zur Nahrungsaufnahme muss gegeben sein.
  • Wahrnehmung: Die Umwelt soll bewusst und klar wahrgenommen werden und eine Orientierung hinsichtlich Zeit, Ort, Person und Situation vorhanden sein, sofern nicht bereits vor der Pneumonie-Erkrankung eine Desorientierung (z. B. durch eine Alzheimer-Erkrankung) vorgelegen hat.

Wie werden die Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator ermittelt?
Damit ermittelt werden kann, ob das Qualitätsziel erreicht wird, dokumentiert das Krankenhaus für alle Patienten mit ambulant erworbener Lungenentzündung, die in die häusliche Umgebung entlassen werden, ob vor deren Entlassung die erforderlichen Untersuchungen zur Feststellung des 'klinisch-stabilen' Gesundheitszustandes erfolgt sind.

Aus diesen Angaben wird eine Kennzahl berechnet, deren Ergebnis in Prozent angegeben wird. Sie gibt an, bei wie vielen Patient(inn)en mit ambulant erworbener Lungenentzündung, vor der Entlassung aus dem Krankenhaus alle 7 klinischen Stabilitätskriterien untersucht wurden.

Wie kann man die Versorgungsqualität bewerten?
Für diesen Qualitätsindikator lag der Referenzbereich im Jahre 2006 bei 100%. Dieser Referenzbereich beschreibt gute Qualität, die nachweislich erreichbar ist.

Wie sind die Ergebnisse in Deutschland?
Welche Versorgungsqualität für dieses Qualitätsziel erwartet werden kann, zeigt das Ergebnis, das 2006 in Deutschland erreicht wurde: Es betrug 51,84%.

Damit wurden im Jahr 2006 in Deutschland bei ca. 52 von 100 Patienten die erforderlichen klinischen Stabilitätskriterien überprüft, bevor diese Patienten aus dem Krankenhaus entlassen wurden.

Wie sind die Krankenhausergebnisse einzuschätzen?
Krankenhäuser mit 100% haben das Qualitätsziel erreicht. Krankenhäuser mit mehr als 51,84% liegen über dem Durchschnitt.

Bei der Interpretation von Ergebnissen sollte berücksichtigt werden, dass in besonderen Einzelfällen durchaus begründet auf die Durchführung der Untersuchungen verzichtet werden kann. Daher sind Ergebnisse, die nahe bei 100% liegen, in der Regel als nicht kritisch anzusehen.

Aus Ergebnissen von Krankenhäusern, die das Qualitätsziel nicht erreichen, kann nicht automatisch auf schlechte Qualität geschlossen werden. Daher werden diese Ergebnisse im Strukturierten Dialog gemeinsam durch eine Gruppe von Fachexperten und das Krankenhaus analysiert. Dabei wird geprüft, ob in einem Krankenhaus mit auffälligen Ergebnissen Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.

Autoren:
BQS gGmbH, BQS Fachgruppe Pneumonie, Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

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