Sensitivität
Das Gütekriterium Sensitivität zeigt Wechselwirkungen mit vielen
anderen Gütekriterien der Kategorie Wissenschaftlichkeit. Bei
mangelhafter Validität, Risikoadjustierung oder Reliabilität kann z. B.
eine hohe Sensitivität nicht erwartet werden. Andererseits werden
Voraussetzungen zu einer hohen Sensitivität durch das Erfüllen der
anderen Gütekriterien geschaffen. Eine Optimierung der Sensitivität
muss u. U. durch eine geringere Spezifität erkauft werden.
Die Bedeutung dieses Gütekriteriums ist abhängig vobn seiner
Anwendung: Für das interne Qualitätsmanagement und für die öffentliche
Berichterstattung kann eine hohe Sensitivität wichtig sein, um
möglichst viele Probleme zu erkennen.
Ein Bias kann entstehen im Falle einer
Personenübereinstimmung zwischen den Bewertern im Strukturierten Dialog
und den Qualitätsindikatoren-Entwicklern.
Die
Sensitivität ist nur im Zusammenhang mit einem Referenzbereich
anwendbar, da ein Referenzbereich per Definitionem Voraussetzung für
ein auffälliges Ergebnis ist.
Definition
Die Sensitivität bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, dass bestehende Qualitätsprobleme zu dem bewerteten Versorgungsbereich tatsächlich erkannt werden. Eine hohe Rate von richtig erkannten Qualitätsproblemen entspricht einer hohen Sensitivität.
Kernaussage
Folgende Aussage wird bewertet: "Der Indikator ist ausreichend sensitiv.“
Informationsgrundlage für die Bewertung
Als Informationsgrundlage für dieses Gütekriterium kann ein formalisierter und einheitlicher Strukturierter Dialog heran gezogen werden. Zur Bewertung der Sensitivität ist ein Vergleich mit einem Goldstandard erforderlich. Ein Goldstandard zur Messung von Qualität und zur Identifikation von Qualitätsproblemen steht allerdings national und international nicht zur Verfügung. Ersatzweise kann der formalisierte und einheitliche Strukturierte Dialog bei auffälligen und unauffälligen Einrichtungen als Surrogat eingesetzt werden. Hierfür ist es erforderlich, dass nicht nur aufgrund des Qualitätsindikators und seines Referenzbereichs auffälliger Einrichtungen bewertet wird, sondern eine repräsentative Stichprobe. Der Strukturierte Dialog sollte hierfür – so weit wie möglich – verblindet durchgeführt werden bzgl. der Auffälligkeit bzw. Unauffälligkeit der Einrichtung. Die Sensitivität wird dann geschätzt durch den Anteil der im Qualitätsindikator aufgefallenen Leistungserbringer (Richtigpositive) an allen Leistungserbringern mit im Strukturierten Dialog erkannten Qualitätsproblemen für den betreffenden Versorgungsaspekt.
Die Informationsbasis sollte die geschätzte Prävalenz des Qualitätsproblems und die prädiktiven Werte umfassen.
Bewertungsprozess
Der Bewertung liegt eine Schätzung der Sensitivität zugrunde. Erfahrungen zur Bewertung der Sensitivität von Qualitätsindikatoren liegen für QUALIFY noch nicht vor und werden auch in der Literatur nicht beschrieben.
Bewertungsstufen
1 = trifft nicht zu
2 = trifft eher nicht zu
3 = trifft eher zu
4 = trifft zu
Enthaltung