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11.12.2002 BQS-News

Podiumsdiskussion: Klinikgröße und früh-neonatale Sterberate kontrovers diskutiert

"Vorstellungen über zukünftige Strukturen und Kooperationsmodelle für Frauen- und Kinderkliniken" - unter dieser Überschrift stand das diesjährige Rundtischgespräch auf der Münchener Konferenz. Als Einstieg in die Diskussion diente ein kontrovers beurteilter Beitrag von Dr. Günter Heller, jetzt WIdO-Institut in Bonn, zum Thema Klinikgröße und früh-neonatale Sterberate.

Diese Veröffentlichung von Heller wurde kürzlich von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung aufgegriffen und hatte diese Diskussion neu angefacht. Der Zusammenhang zwischen der Geburtenanzahl der Einrichtungen und der früh-neonatalen Sterberate wurde analysiert. In München wurden dazu von Dr. Nicholas Lack, Bayerische Arbeitsgemeinschaft Qualitätssicherung (BAQ), Analysen mit bayerischen Daten gezeigt, die jedoch diese Aussagen weder bestätigen noch widerlegen konnten. Prof. Klaus Vetter, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe stellte heraus, daß die Anwesenheit qualifizierten Personals rund um die Uhr entscheidend ist. Eine solche Voraussetzung kann von einer Reihe kleiner Häuser und Abteilungen nicht gewährleistet werden.

Vor dem Hintergrund dieser Kontroverse erörterten die Teilnehmer die Frage, inwieweit die Rückschlüsse aus den Ergebnissen der Qualitätssicherung sowohl Leistungsanbietern wie auch Patienten nutzen. Nach Ansicht von Theo Riegel, Vorsitzender des Bundeskuratoriums Qualitätssicherung, sollen die Ergebnisse der Qualitätssicherung zu mehr Transparenz führen. Patienten sollen in der Lage sein, zukünftig Qualitätsaspekte bei der Auswahl des Krankenhauses mitberücksichtigen zu können. Die Ergebnisse der Qualitätssicherung benötigen jedoch die sorgfältige fachliche Bewertung. Ein plakatives Ranking wie jüngst in den Zeitschriften Ökotest und Focus wird dieser anspruchsvollen Aufgabe ganz sicher nicht gerecht, so Björn Misselwitz, Leiter der Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen.

Dr. Volker Mohr, Geschäftsführer der BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung, machte darauf aufmerksam, daß die Fixierung auf den Faktor der hohen Fallzahlen das Problem nicht angemessen beschreibt und lediglich einen Scheinzusammenhang erweckt. Vielmehr müssen diejenigen Faktoren aufgeklärt werden, die mit der Fallzahl assoziiert sind, wie beispielsweise Kooperationsformen mit anderen Kliniken oder dem niedergelassenen Bereich oder das Fachpersonal einer Einrichtung. Qualität läßt sich durch Vertrauen auf die hohe Fallzahl allein ganz sicher nicht gewährleisten.

Prof. Frank Pohlandt, Neonatologe aus Ulm, stellte die Ergebnisse in einen fachlichen Kontext. Eine wichtige Stellgröße für Qualität in Medizin und Pflege ist die Präsenz von Fachpersonal. Dazu gehört eine Struktur, in der immer und rund um die Uhr eine sofortige qualifizierte kinderärztliche Versorgung möglich ist. Nicht die Größe einer Klinik, sondern die 24-Stunden-Präsenz eines Facharztes für Neonatologie ist für einen Strukturvergleich sinnvoll.

Am Ende der Veranstaltung stand die Erkenntnis, daß mit Hilfe der Qualitätssicherung Unterschiede in der Versorgung sichtbar gemacht werden können. Diese Unterschiede bieten Anlaß für einen fachlichen Diskurs über mögliche Ursachen und die darauf aufbauenden Verbesserungsmaßnahmen. Eindimensionale Erklärungen, die lediglich einen einzelnen Strukturparameter bei ber Bewertung der Ergebnisse herausstellen, greifen zu kurz.

Alle Teilnehmer betonten die positiven Impulse, die auch in diesem Jahr wieder von der Münchener Konferenz ausgingen.

Kontakt: Felix Höfele, Tel.: 02 11 / 28 07 29 -0, felix.hoefele@bqs-online.de