Leistungsbereich
Karotis - Rekonstruktion
Einleitung
Jährlich erleiden etwa 200.000 Menschen in Deutschland einen
Schlaganfall. Von diesen werden etwa 30.000 Schlaganfälle durch eine
Stenose der extrakraniellen Arteria carotis interna verursacht. Das
Risiko für einen karotisbedingten Schlaganfall ist hierbei vom
Stenosegrad abhängig und beträgt für > 50%-ige Stenosen 1 bis 2% pro
Jahr und für > 80%-ige Stenosen ca. 3% pro Jahr.
Im nachfolgend dargestellten Leistungsbereich "Karotis-Rekonstruktion"
werden Patienten betrachtet, die sich einer operativen Entfernung
atherosklerotischer Plaques aus der Arteria carotis interna
(Karotis-Thrombendarterektomie bzw. Karotis-TEA) unterzogen haben.
In internationalen prospektiv-randomisierten Multicenter-Studien (ACAS
1995; NASCET 1998, 2002; ECST 1998; ACST 2004) konnte gezeigt werden,
dass die operierten Patienten in den nächsten 2 bis 8 Jahren wesentlich
seltener einen Schlaganfall erleiden als medikamentös behandelte
Patienten mit Karotisstenosen.
Auf der Grundlage der genannten Studien hat die American Heart
Association eine Leitlinie zur Karotis-TEA erstellt (Biller et al.
1998), die festlegt, für welche Patientenkollektive eine Indikation zur
Karotis-TEA besteht, und welche Komplikationsraten nicht überschritten
werden dürfen, damit der Patient von der Operation profitiert. Die
Empfehlungen dieser Leitlinie entsprechen dem höchsten Level der
evidenzbasierten Medizin (Evidenzgrad I, Empfehlungsgrad A nach den
Kriterien der American Heart Association) und sind in das
Auswertungskonzept des Leistungsbereichs Karotis-Rekonstruktion
übernommen worden.
Für den Vergleich der Ergebnisse der Bundesauswertung ist die
unterschiedliche Definition des Stenosegrades der Arteria carotis
interna in Europa und Nordamerika zu berücksichtigen. Während der
Stenosegrad in Europa als das Verhältnis vom Querdurchmesser des
geringsten noch durchflossenen Abschnitts zum geschätzten
ursprünglichen Gefäßdurchmesser beschrieben wird ("lokaler
Stenosegrad", ECST-Kriterien), ist in Nordamerika der geringste
Gefäßdurchmesser innerhalb der Stenose im Verhältnis zum
Gefäßdurchmesser oberhalb der Stenose gemeint ("distaler Stenosegrad",
NASCET-Kriterien). Eine 50%-ige Stenose nach den NASCET-Kriterien
entspricht somit einer 70%-igen Stenose gemäß der Definition der ECST.
Alle Angaben zum Stenosegrad erfolgen in der Bundesauswertung
einheitlich nach der NASCET-Definition. Sofern die teilnehmenden
Krankenhäuser den Grad der Stenose gemäß den Kriterien der ECST oder
der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
dokumentiert hatten, wurde auf die NASCET-Kriterien umgerechnet.