Leistungsbereich
MammachirurgieEinleitung
Die Erkrankung Brustkrebs hat in den vergangenen Jahren national und
international eine hohe gesundheitspolitische Bedeutung erlangt.
Infolgedessen haben sich auch in Deutschland neue Versorgungsstrukturen
und -konzepte entwickelt: Ein flächendeckendes Mammographie-Screening
für Frauen von 50 bis 69 Jahren wird in eigenständigen
Organisationseinheiten derzeit schrittweise ausgebaut,
Disease-Management-Programme (DMP) sind in einigen Regionen
Deutschlands bereits implementiert und erste Brustzentren sind
zertifiziert. Die so angestrebte Schwerpunktbildung hat eine höhere
medizinische Versorgungsqualität der betroffenen Frauen zum Ziel.
Die Auswirkungen dieser Eingriffe in das Versorgungssystem werden in
Bezug auf die Versorgungsqualität jedoch nur punktuell wissenschaftlich
überprüft. Fehlentwicklungen mit negativen Folgen für gesunde und
erkrankte Menschen und letztlich auch für die ökonomische Situation im
Gesundheitswesen sind nicht auszuschließen. Um diese zu vermeiden,
empfiehlt die Ständige Kongresskommission Deutscher Kongress für
Versorgungsforschung eine langfristige und verstärkte Förderung der
Gesundheitsversorgungsforschung (Memorandum zur Versorgungsforschung in
Deutschland 2004).
Die gesellschaftliche Dimension der Erkrankung Brustkrebs wird aus
folgenden Angaben ersichtlich: Es handelt sich um ein schwerwiegendes
Krankheitsbild mit ca. 47.500 Neuerkrankungen pro Jahr
(Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland
2004) und mit potenziell lebensbedrohlichem Charakter. Neue
diagnostische und therapeutische Verfahren haben sich in den
vergangenen Jahren etabliert: Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (Entfernung
des Wächterlymphknotens), primäre (neoadjuvante) Chemotherapie, neue
rekonstruktive Verfahren zur Wiederherstellung der Brustform und -größe
haben u. a. das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten erweitert. Die
Behandlung ist häufig langwierig und wird auf der Basis individueller
Parameter festgelegt. Für viele Betroffene gibt es Therapieoptionen mit
vergleichbaren Überlebensraten, so dass in diesen Situationen der
Erhalt der Lebensqualität ein vorrangiges Ziel ist. Konkret bedeutet
dies, dass die Betroffene in den Entscheidungsprozess maßgeblich auf
der Basis umfassender und verständlicher Informationen einzubinden ist.
Der Leitfaden „Patientenrechte in Deutschland“ des Bundesministeriums
für Gesundheit und Soziale Sicherung greift explizit dieses Thema auf.
Außer der Information zu Behandlungsalternativen ist für die Patientin
von Bedeutung, welche Leistungserbringer welche Therapien in welcher
Qualität erbringen. Diese Forderung nach Transparenz im
Leistungsgeschehen ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt eingeschränkt
durch unterschiedliche Verfahren der Qualitätsbewertung: Qualität wird
in den neuen Versorgungsstrukturen DMP und zertifizierte Brustzentren
unterschiedlich definiert. Bundesweit einheitlich und flächendeckend
implementiert ist allerdings die externe vergleichende
Qualitätssicherung nach §137 SGB V für den stationären Bereich. Die von
der BQS eingesetzten Qualitätsindikatoren als indirektes Maß für
Versorgungsqualität basieren auf hochwertigen Leitlinien
(Stufe-3-Leitlinie „Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland“ (Schulz
& Albert 2003); Stufe-3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und
Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau“ (Deutsche Krebsgesellschaft und
beteiligte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften 2004) und
unterstützen damit deren Implementierung in der Praxis, sind wie diese
interdisziplinär ausgerichtet und mit einem angemessenen
Dokumentationsaufwand verbunden.