Leistungsbereich
Ambulant erworbene Pneumonie
Einleitung
Die Pneumonie ist eine mikrobiell bedingte Entzündung des
Lungenparenchyms mit Beteiligung der Alveolen und des Interstitiums
(Classen et al. 2003), die zur Akkumulation von Entzündungszellen und
von Sekret in den Alveolen und somit zu einer Störung des Gasaustauschs
führt (Welte et al. 2003). Klinische Symptome sind: Husten, Auswurf,
Atemabhängige Schmerzen und Tachypnoe als Atemwegssymptome sowie Fieber
und allgemeine Schwäche (Lorenz 2004). Weitere Befunde sind
pathologische Atemgeräusche und Veränderungen im Röntgenbild der Lunge.
Eine schwere Pneumonie ist gekennzeichnet durch folgende
Charakteristika: Verwirrtheit, hoher Serum-Harnstoff bzw. Serum-Harnstoff-Stickstoff (> 7 mmol/l),
hohe Atemfrequenz (> 30 pro Minute), arterielle Hypotonie
(systolischer Blutdruck < 90 mmHg, diastolischer Blutdruck < 60
mmHg), Hypoxämie (SaO2 < 92%, PaO2 > 60 mmHg), multilobulärer
Befall, internistische Vorerkrankung und höheres Lebensalter. Die
schwere Pneumonie ist mit einer hohen Letalität und der
notwendigen Behandlung auf der Intensivstation verbunden (Lorenz 2004).
Pneumonien werden folgendermaßen klassifiziert:
- Ambulant erworbene Pneumonie (englisch: Community Acquired
Pneumonia, abgekürzt CAP): Eine häuslich erworbene Pneumonie bei
Patienten ohne Immundefizienz. Hierunter fallen auch Pneumonien, die
innerhalb der ersten beiden Tage des stationären Aufenthaltes
diagnostiziert werden (Lorenz 2004). Die Letalität beträgt je nach
Schweregrad 0,5 bis 30% (Classen et al. 2003).
- Nosokomiale Pneumonie: Im Krankenhaus (bzw. einer stationären
Rehabilitations- oder stationären Pflegeeinrichtung) entstandene
Pneumonie: Auftreten frühestens 72 Stunden nach einer Aufnahme in einem
Krankenhaus manifestiert. Die Letalität beträgt je nach Schweregrad 10
bis 50% (Classen et al. 2003). Welte et al. (2003) definieren die
Zeitspanne als 48 Stunden oder später nach Krankenhausaufnahme oder in
den ersten 14 Tagen nach Krankenhausentlassung.
- Pneumonie bei immuninkompetenten Patienten: Pneumonie bei
definiertem Immundefektbei z. B. Neutropenie, HIV-Erkrankung,
Transplantation oder Chemotherapie. Die Letalität beträgt je nach
Immundefekt 15 bis 80% (Classen et al. 2003).
Diese Pneumonien weisen ein unterschiedliches Erregerspektrum auf.
Die ambulant erworbene Pneumonie ist eine der häufigsten
registrierten Infektionserkrankungen weltweit mit einer Gesamtletalität
von etwa 11% (Höffken et al. 2005). Etwa 350.000 bis 500.000
Bewohner in Deutschland erkranken pro Jahr an einer ambulant erworbenen
Pneumonie (Classen et al. 2003).
Sowohl die Pneumonie-Sterblichkeit als auch die Notwendigkeit der
Krankenhausbehandlung sind altersabhängig. Allerdings tragen Pneumonien
auch bei der Gruppe der jüngeren Patienten mit einem Alter unter 65
Jahren erheblich zur Arbeitsunfähigkeit bei. Die verzögerte Einweisung
von Patienten in das Krankenhaus und eine späte und falsche primäre
Antibiotikatherapie sind Gründe für die seit etwa 20 Jahren
unveränderte Pneumonie-Sterblichkeit (Welte et al. 2003).
Laut dem statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2000 insgesamt
244.844 Patienten mit der Hauptdiagnose einer Pneumonie im Krankenhaus
behandelt, wobei hier allerdings nicht nach ambulant erworbener,
nosokomialer Pneumonie bzw. Pneumonie bei Immunsuppression
unterschieden wurde (Statistisches Bundesamt in Höffken et al. 2005).
2002 wurden 209.259 Patienten mit der Hauptdiagnose Pneumonie stationär
behandelt nach durchschnittlich 11,8 Tagen aus dem Krankenhaus
entlassen (Deutsche Krankenhausgesellschaft DKG 2005).
Die ambulant erworbenen Pneumonien als medizinisch wie
gesundheitsökonomisch relevante Erkrankungen sind als erster
Leistungsbereich für ein bundeseinheitliches, nicht-operatives
Verfahren für die externe Qualitätssicherung nach § 137 SGB V
ausgewählt worden. Das Bundeskuratorium Qualitätssicherung hat im Mai
2003 die BQS mit der Verfahrensentwicklung beauftragt. Die inhaltliche
Entwicklung fand in der BQS-Fachgruppe Pneumonie bei der BQS statt. Der
Gemeinsame Bundesausschuss als Rechtsnachfolger des Bundeskuratoriums
Qualitätssicherung hat in seiner Sitzung im April 2004 die Einführung
einer Dokumentationsverpflichtung für den Leistungsbereich "Ambulant
erworbene Pneumonie" zum 01.01.2005 beschlossen.
Die Definition der Leistungen, für die eine Dokumentationspflicht
besteht, erfolgt anhand von Diagnosekodes (ICD-10-GM Version 2005) und
anhand des Alters der Patienten. In die Dokumentation werden Patienten
ab einem Alter von mindestens 18 vollendeten Jahren mit
Lungenentzündungen eingeschlossen, die außerhalb des Krankenhauses
erworben und im Krankenhaus behandelt wurden. Sowohl im Krankenhaus
erworbene Lungenentzündungen (nosokomiale Pneumonien) als auch
Lungenentzündungen bei immunsupprimierten Patienten gehören nicht zum
Leistungsbereich. Aufgrund der einheitlichen ICD-10-Kodes für ambulant
und nosokomial erworbene Pneumonien, die eine
Dokumentationverpflichtung auslösen, werden die Auswertungen
stratifiziert durchgeführt.
In einem strukturierten Prozess wurden in der Fachgruppe Pneumonie
bei der BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH Merkmale identifiziert, die für eine Qualitätsdarstellung
eingesetzt werden können. Es wurde eine Literatur- und
Leitlinienrecherche durchgeführt, um die Evidenzbasis dieser Merkmale
zu überprüfen. Elf Qualitätsindikatoren wurden festgelegt, die sowohl
Aspekte der Prozessqualität wie auch der Ergebnisqualität sichtbar
machen können. Bei der Entwicklung des Qualitätssicherungsverfahrens
wurden Erfahrungen aus dem QMK-Projekt ("Qualitätsmodell Krankenhaus")
genutzt.