Rationale
Die Untersuchung der perioperativen Letalität gehört zum Standard bei der Betrachtung von postoperativen Komplikationen. Die In-Hospital-Letalität erfasst alle
Patienten, die während des gleichen stationären Aufenthaltes im Krankenhaus
versterben, ohne Angaben zum jeweiligen Todeszeitpunkt. Aussagen zur Ergebnisqualität
eines Krankenhauses sind jedoch nur unter Berücksichtigung der Tatsache
möglich, dass Patienten nicht erfasst werden, die frühzeitig in ein
anderes Krankenhaus verlegt werden und dann dort versterben.
Daher wird in der Literatur neben der In-Hospital-Letalität häufig
auch die 30-Tage-Letalität angegeben.
Die 30-Tage-Letalität wird jedoch nicht allein von der Qualität
der erbrachten Leistung beeinflusst. Die medizinischen und pflegerischen Ergebnisse
hängen auch davon ab, welches Risikoprofil die in der Abteilung behandelten
Patienten aufweisen. In der wissenschaftlichen Literatur erfolgt daher häufig
die Angabe einer risikoadjustierten 30-Tages-Letalitätsrate. Hierzu wird
im europäischen Raum der logistische oder additive EuroSCORE verwendet.
Dieser Risikoscore wurde anhand der Daten von 19.030 Patienten aus acht europäischen
Ländern entwickelt, die sich im Jahr 1995 einem herzchirurgischen Eingriff
unterziehen mussten. Dabei wurden 17 Risikofaktoren identifiziert, die Einfluss
auf die Letalität nach herzchirurgischen Operationen haben können
(Roques et al. 1999). Anhand dieser Einflussgrößen kann für
jedes Patientenkollektiv eine statistisch zu erwartende Letalitätsrate ermittelt
werden, die der tatsächlich
beobachteten Letalitätsrate gegenübergestellt werden kann. Dadurch
erhalten die Krankenhäuser eine spezifischere Rückmeldung über
die Qualität ihrer Behandlung.
Die nach dem logistischen EuroSCORE zu erwartende 30-Tage-Letalitätsrate
der deutschen Krankenhäuser lag in den Jahren 2002 und 2003 im Leistungsbereich „isolierte
Koronarchirurgie“ mit 4,80% bzw. 5,34% (www.bqs-outcome.de) deutlich über
der in der ursprünglichen Publikation angegebenen Rate von 3,4% (Roques
et al. 1999) , d. h, das Risikoprofil der behandelten Patienten hat im Vergleich
zur ursprünglichen
EuroSCORE-Population erheblich zugenommen. Gleichzeitig wurde mit 3,26% bzw.
3,27% eine etwas niedrigere 30-Tage-Letalitätsrate als von Roques et al.
publiziert beobachtet.
Zingone et al. (Zingone et al. 2004) haben
in einer Untersuchung am eigenen Patientenkollektiv ein ähnliches Phänomen beobachtet. Über
einen Zeitraum von fünf Jahren veränderte sich die nach dem logistischen
EuroSCORE zu erwartende 30-Tage-Letalität nur unwesentlich. Allerdings
nahm die tatsächlich beobachtete Letalitätsrate deutlich ab.
Bezogen auf die klinische Praxis sind sowohl die Abnahme der Letalitätsrate
bei nahezu unverändertem Risikoprofil der behandelten Patienten als auch
eine gleich bleibende Letalitätsrate bei zunehmender Anzahl von Risikopatienten
im zeitlichen Verlauf Ausdruck einer Zunahme der Behandlungsqualität.
Die vergleichende Darstellung der nach dem logistischen EuroSCORE adjustierten
In-Hospital-Letalität in der BQS-Bundesauswertung 2004 zeigt, dass nahezu
alle herzchirurgischen Abteilungen bessere Ergebnisse erzielen, als nach dem
EuroSCORE zu erwarten wäre. Aus diesem Grund hat die BQS gemeinsam mit
der Fachgruppe Herzchirurgie ein neues Modell zur Risikoadjustierung der In-Hospital-Letalität
in der isolierten Koronarchirurgie entwickelt, das Fortschritte in der Behandlungsqualität
der herzchirurgischen Krankenhäuser angemessener berücksichtigt. Die
Krankenhäuser
erhalten so für das interne Qualitätsmanagement ein Instrument, das
spezifischere Anreize zur Qualitätsverbesserung setzt. Gleichzeitig kann
der Strukturierte Dialog mit auffälligen Krankenhäusern
im Rahmen der externen vergleichenden Qualitätssicherung ebenfalls spezifischer
geführt werden.