Rationale
Postoperative neurologische Komplikationen werden unterteilt in Typ 1- und Typ 2- Defizite.
Unter dem Begriff Typ 1-Defizit versteht man größere fokale
Schädigungen, die sich klinisch als TIA oder Apoplex sowie Stupor
und Koma äußern können.
Das Typ 2-Defizit beschreibt eine eher diffuse globale zerebrale
Schädigung mit konsekutiver postoperativer Verschlechterung der
intellektuellen und kognitiven Fähigkeiten sowie ein postoperatives
Durchgangssyndrom.
Bei der Betrachtung dieses Qualitätsindikators werden ausschließlich
Typ 1-Defizite ausgewertet, da diese aufgrund ihres eindeutigen
klinischen Bildes in der vergleichenden Qualitätsdarstellung besser
abgebildet werden können.
Typ 1-Defizite treten in 3,8% aller Patienten nach
koronarchirurgischen Eingriffen auf, sind verantwortlich für 21% aller
Todesfälle bei koronarchirurgischen Eingriffen und für 11
zusätzliche Behandlungstage auf der Intensivstation und verdoppeln die
Krankenhausaufenthaltsdauer. Zusätzlich besteht gegenüber Patienten
ohne diese Komplikation ein sechsfach erhöhtes Risiko für die Verlegung
in ein Pflegeheim.
Als Risikofaktoren für postoperative Typ 1-Defizite gelten ein
Patientenalter über 70 Jahre, die Atherosklerose der proximalen Aorta,
die Dauer der extrakorporalen Zirkulation, präoperativ bestehende
neurologische Defizite, der Diabetes mellitus und die arterielle
Hypertonie. Aber auch Patienten, bei denen postoperativ die
Implantation einer intraaortalen Ballonpumpe erforderlich ist, sowie
Patienten mit bestehender Stenose der Arteria carotis interna tragen
ein erhöhtes Risiko, postoperativ einen Schlaganfall zu erleiden
(ACC/AHA Guidelines for Coronary Artery Bypass Graft Surgery, Eagle et
al. 2004).