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Interpretationshilfe für Patienten

(Stand: 21.06.2007)

Qualitätsindikator

Komplikationen während oder nach der Operation

BQS-Qualitätsindikator

Perioperative Komplikationen

Versorgungsbereich:
Herzschrittmachereinsatz

Indikatortyp:
Ergebnisindikator

BQS-Leistungsbereich:
Herzschrittmacher-Implantation

Art des Referenzbereichs:
Toleranzbereich

Informationen zum Versorgungsbereich: Link.

Begriffserläuterungen finden Sie im Glossar.

    

Qualitätsziel
Nach dem Einsetzen eines Herzschrittmachers sollen möglichst selten Komplikationen auftreten.

Warum kann das Erreichen dieses Ziels als gute Qualität angesehen werden?
Das Einsetzen des Herzschrittmachers ist in der Regel ein geplanter Eingriff, der gewöhnlich unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird.

Sobald die Operationswunde verheilt ist, behindert in der Regel ein Herzschrittmacher den Patienten im Alltag nicht mehr.

Dennoch können auch bei einer Herzschrittmacher-Implantation – wie bei allen Operationen – Komplikationen auftreten. Treten Komplikationen während der Operation auf, werden sie als intraoperative Komplikationen bezeichnet, treten sie nach der Operation auf, nennt man sie  postoperative Komplikationen. Zusammengefasst werden diese Komplikationen als perioperative Komplikationen (im Umfeld der Operation auftretend) bezeichnet. 

Bestimmte Komplikationen während einer Herzschrittmacher-Implantation werden als chirurgische Komplikationen bezeichnet:

  • Verletzungen von Blutgefäßen oder des Herzmuskels (Perforation),
  • Blutansammlungen (Hämatothorax) oder Luftansammlungen (Pneumothorax) im schmalen Bereich zwischen Brustfell und Lungenfell, was ein Zusammenfallen der Lunge bewirken kann. Atemnot und starke Schmerzen im Brustraum sind die Folge.
  • Ansammlungen von Blut im Herzbeutel (Perikarderguss),
  • Ansammlung von Blut in dem Bereich der Brustmuskulatur, wo der Schrittmacher eingebettet wurde (Taschenhämatom). Diese Region wird als Schrittmachertasche bezeichnet.
  • Herzrhythmusstörungen bis hin zum sogenannten Kammerflimmern oder zum Herzstillstand (Asystolie).

Nach der Herzschrittmacher-Implantation können sich noch weitere Komplikationen ergeben: Die Operationswunde kann sich entzünden, Fehlfunktionen am Schrittmacher können auftreten. Es kann sich nach der Operation herausstellen, dass die Sonde des Herzschrittmachers aus der ursprünglichen Position im Herzen herausgerutscht ist. In diesem Fall kann der Schrittmacher nicht voll wirksam arbeiten.

Auch wenn auftretende Komplikationen keinen neuerlichen Eingriff (Reintervention) erfordern, können die Auswirkungen auf die betroffenen Patient(inn)en erheblich sein:

Der Heilungsprozess verzögert sich, der Krankenhausaufenthalt wird verlängert.

Häufig müssen die Betroffenen zusätzlich Medikamente einnehmen. Zusätzlich können derartige Komplikationen für den Patienten eine psychische Belastung darstellen.

Wie werden die Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator ermittelt?
Chirurgische Komplikationen

Damit ermittelt werden kann, ob das Qualitätsziel erreicht wird, dokumentiert das Krankenhaus für alle PatientInnen, denen ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde, ob während oder nach der Operation chirurgische Komplikationen auftraten.

Aus diesen Angaben wird eine Kennzahl berechnet, deren Ergebnis in Prozent angegeben wird. Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Patient(inn)en war, bei denen im Rahmen der Herzschrittmacher-Implantation (peri- oder postoperativ) chirurgische Komplikationen entstanden.

Zur genaueren Erfassung dokumentierten die Krankenhäuser außerdem,

    A.) ob Schrittmachersonden im Herzvorhof (Atrium) verrutscht sind (Sondendislokation)

    und

    B.) ob Schrittmachersonden in der Herzkammer (Ventrikel) verrutscht sind.

A.) Position der Schrittmachersonden im Herzvorhof (Atrium) Das Krankenhaus dokumentiert für alle Patient(inn)en, denen ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde, ob die Schrittmachersonden im Vorhof aus ihrer beabsichtigten Position verrutscht sind. Ist das der Fall, spricht man von einer Sondendislokation. In der Regel ist der Schrittmacher mit einer verrutschten Sonde nicht mehr voll funktionsfähig.

Aus diesen Angaben wird eine Kennzahl berechnet, deren Ergebnis in Prozent angegeben wird. Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Patient(inn)en ist, bei denen die Schrittmachersonden nach der Herzschrittmacher-Implantation nicht mehr an der richtigen Stelle im Herzvorhof liegen.

B.) Position der Schrittmachersonden in der Herzkammer
Das Krankenhaus dokumentiert für alle Patient(inn)en, denen ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde, ob die Schrittmachersonden im Vorhof aus ihrer beabsichtigten Position verrutscht sind. Ist das der Fall, spricht man von einer Sondendislokation.

Aus diesen Angaben wird eine Kennzahl berechnet, deren Ergebnis in Prozent angegeben wird. Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Patient(inn)en ist, bei denen die Schrittmachersonden nach der Herzschrittmacher-Implantation nicht mehr an der richtigen Stelle in der Herzkammer liegen.

Wie kann man die Versorgungsqualität bewerten?
Für diesen Qualitätsindikator kann keine medizinisch-pflegerisch begründbare Grenze für eine tatsächlich erreichbare gute Qualität festgelegt werden. Als Orientierungshilfe zur Bewertung der Krankenhausergebnisse kann das durchschnittliche Ergebnis in Deutschland (Gesamtrate) herangezogen werden (siehe: Wie sind die Ergebnisse in Deutschland?).

Da es für diesen Indikator keine klar belegbare Grenze für gute Qualität gibt, wurde ein Referenzbereich festgelegt, der besonders auffällige Ergebnisse kennzeichnet. Nicht jedes auffällige Ergebnis bedeutet automatisch schlechte Qualität. Daher werden diese Ergebnisse im Strukturierten Dialog gemeinsam durch eine Gruppe von Fachexperten und das Krankenhaus analysiert. Dabei wird geprüft, ob in einem Krankenhaus mit auffälligen Ergebnissen möglicherweise Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.

Wie sind die Ergebnisse in Deutschland?
Welche Versorgungsqualität für dieses Qualitätsziel erwartet werden kann, zeigt das Ergebnis, das 2006 in Deutschland erreicht wurde: Es betrug

    1,22% bei den chirurgischen Komplikationen
    1,55% Verrutschen der Vorhofsonden
    1,11% Verrutschen der Ventrikelsonden.

Damit traten bei 3 bis 4 von 100 Patient(inn)en, die 2006 in Deutschland im Krankenhaus einen Herzschrittmacher erhielten, während und/oder nach der Operation chirurgische Komplikationen oder das Verrutschen einer Sonde auf.

Wie sind die Krankenhausergebnisse einzuschätzen?
Krankenhäuser mit einer Rate von weniger als 1,22% (chirurgischen Komplikationen), 1,55% (Vorhofsonde verrutscht) bzw. 1,11% (Ventrikelsonde verrutscht) liegen besser als der Durchschnitt.

Krankenhäuser mit einer Rate von mehr als 2% (chirurgischen Komplikationen), 3% (Vorhofsonde verrutscht) bzw. 3% (Ventrikelsonde verrutscht) haben ein auffälliges Ergebnis.

Aus auffälligen Ergebnissen kann nicht automatisch auf schlechte Qualität geschlossen werden. Daher werden diese Ergebnisse im Strukturierten Dialog gemeinsam durch eine Gruppe von Fachexperten und das Krankenhaus analysiert. Dabei wird geprüft, ob in einem Krankenhaus mit auffälligen Ergebnissen Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.


Autoren:
BQS gGmbH, BQS Fachgruppe Herzschrittmacher, Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

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