Rationale
Zeitlicher Verlauf
Bei den intra- bzw. perioperativen Komplikationen
bei Herzschrittmachertherapie stehen im Vordergrund bradykarde Arrhythmien,
Perforationen von Gefäßen und Myokard (vor allem bei aktiver
Fixation der Sonden (Vlay 2002)), Pneumo- bzw. Hämatothorax und
Embolien. Ein Pneumothorax kann auch verzögert bis zu 48 Stunden
später auftreten.
Zu den postoperativen Komplikationen zählen
vor allem Infektionen und Fehlfunktionen von Elektroden oder Aggregat.
Fehlfunktionen der Sonden sind z. B. Sondendislokationen oder -fehllagen
sowie Reizschwellenanstiege oder Sensing-Defekte.
Langfristig (Monate bis Jahre nach dem Eingriff)
kann es zu Sondenfrakturen, -dislokationen, -isolationsdefekten und
Reizschwellenanstiegen kommen. Die Elektrodenkabel könne Ursache
septischer oder embolischer Komplikationen sein. Die Verdrehung des
Schrittmacherkabels, z. B. durch Manipulation des Patienten am Aggregat,
wird Twiddler-Syndrom genannt. Verschiedene technische Störungen
können zu Fehlfunktion des Schrittmacheraggregats führen:
Der Symptomenkomplex Palpitation und Schwindel bei Abnahme des Herzminutenvolumens
wird als Schrittmachersyndrom bezeichnet (Haverkamp & Breithardt
2003).
Einflussfaktoren
Es wird diskutiert, ob eine Abhängigkeit der Komplikationsrate
bei Herzschrittmachereingriffen von der Erfahrung des implantierenden
Operateurs bzw. des implantierenden Zentrums besteht (Tobin et al.
2000, Eberhardt et al. 2005).
Bei Zweikammersystemimplantationen, die mit einer längeren Eingriffszeit
einhergehen, scheinen die Komplikationsraten, vor allem Sondendislokationen
höher zu sein, als bei Einkammersystemeingriffen (Wiegand et al.
2003).
Der Zugang über die Vena subclacia scheint mit erhöhter
Pneumothoraxrate vergesellschaftet zu sein, aber auch patientenbedingte
Faktoren wie Alter und Untergewicht spielen ein Rolle (Link et al.
1998).
Wundinfektionen bei Schrittmachereingriffen lassen sich nachweislich
mit systemischer Antibiotikaprophylaxe reduzieren (Metaanalyse bei
Da Costa et al. 1998, Bertaglia et al. 2006).
Bailey und Wilkoff stellen in einem Review fest, dass Alter per se
kein Risikofaktor für erhöhte Komplikationsraten ist (Bailey & Wilkoff
2006).
Komplikationsraten aus Studien
Zu den Komplikationsraten nach Schrittmacherimplantation liegen aus
einigen Studien und Registern Zahlen vor:
In einer Unterstudie zur PACE-Studie wurden die Komplikationsraten
von 407 mit DDD-Schrittmacher versorgten Patienten > 65 Jahre analysiert
(Link et al. 1998). Es wird eine Gesamtkomplikationsrate von 6,1% und
eine Reoperationsrate von 4,4% berichtet. Am häufigsten (2,2%)
waren Sondendislokationen (1,7% atrial und ventrikulär 0,5%) gefolgt
von Pneumothorax (2,0%).
Kiviniemi et al. (1999) analysierten retrospektiv 571 Schrittmacherpatienten
in Finnland. Als Frühkomplikationsrate vor Entlassung geben sie
6,7% an: im Einzelnen u. a. Pneumothorax 1,1%, Sondendislokation 1,1%
der atrialen und 1,4% der ventrikulären Sonden, revisionspflichtiges
Wundhämatom 1,1%, Infektion 1,1%. Als Spätkomplikationsrate
wird insgesamt 7,2% angegeben: z. B. Infektion 0,7%, Sondendislokation
3,3% der atrialen und 0,6% der ventrikulären Sonden.
Tobin et al. (2000, n = 1.332) berichten aus einer zweijährigen
Beobachtungsstudie eines amerikanischen Krankenhauses folgende Komplikationsraten:
Sondendislokation Vorhof bzw. Ventrikel je 1,2%, behandlungspflichtiger
Pneumothorax 1,5%, Hämatothorax 1 Fall (0,08%) und Tod 1 Fall
(0,08%).
In einer Unterstudie der MOST-Studie (Ellenbogen et al. 2003, n =
2.010) wurde das Auftreten von Komplikationen nach DDD-Implantation
analysiert. Nach 30 Tagen lag die Gesamtkomplikationsrate bei 4,8%
die Spätkomplikationsrate (bis 3 Jahre) betrug 2,7%, zusammen
also 7,5%. Die häufigsten Komplikationen nach 30 Tagen waren:
atriale Sondendislokation (1,7%), ventrikuläre Sondendislokationen
(0,7%), ventrikuläre Sondenperforation (0,3%), Infektion (0,2%),
Pneumothorax (1,5%). In 64% der Komplikationsfälle war ein Reeingriff
notwendig. Es bestand kein Zusammenhang zwischen der Fixation der Sonde
(aktiv/passiv) und der Sondendislokationsrate.
Das dänische Schrittmacherregister (Møller & Arnsbo
2005) berichtet aus dem Jahre 2004 von folgenden perioperativen Komplikationsraten:
Pneumothorax 0,4%, Hämatom < 0,1%, Reoperation wegen Vorhof-
oder Ventrikelsonde 1,0 bzw. 1,1%. Späte Komplikationen waren
Infektion (0,2%), Reoperation wegen Vorhofsonde und Ventrikelelektrode
je 0,8%. Als „Standard“ legen Møller und Arnsbo für Implantationszentren
fest: Sondenprobleme bei Vorhof- oder Ventrikelsonden je < 3%, Hämatom
1%, Infektion 0,5%, Pneumothorax < 2% (Møller & Arnsbo
2005).
Sondendislokationen
Zur Einschätzung von Risiko einerseits und Benefit andererseits,
die bei aufgetretenen Komplikationen eine Sondenentfernung für
den Patienten mit sich bringt, unterscheiden Trohman et al. drei Stufen:
zwingend (mandatory), z. B. Septikämie oder andere lebensbedohliche
Konstellationen, notwendig (necessary), bei relativer Gefahr z. B.
bei Tascheninfektion oder Venenthrombose und nach Ermessen (discretionary).
Lang liegende (8-10 Jahre) Sonden sollten – wenn keine Komplikationen
auftreten – in der Regel nicht entfernt werden (Trohmann et al. 2004).
Nach Überzeugung der Fachgruppe ist insbesondere die Sondendislokationsrate
eine Komplikation, die am ehesten mit der Technik des Eingriffs im
Zusammenhang steht. Sie eignet sich daher besonders als Ergebnisindikator.
Mit der Überarbeitung der Datensätze 2006 wurden die Definitionen
der Komplikationen gegenüber den Vorjahren präzisiert. Beispielsweise
wird ist nun ein Taschenhämatom nur dann zu dokumentieren, wenn
es interventionspflichtig ist. Wundinfektionen werden gemäß CDC-Kriterien
erfasst.