Rationale
Die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks geht aufgrund größerer
Knochenresektionsflächen mit freiliegender Spongiosa, Markraumeröffnung und
Weichteildissektionswundflächen mit erheblichen Blutverlusten einher. Die
Thromboseprophylaxe birgt zusätzlich ein Risiko für
Blutungskomplikationen (Callaghan et al. 1995, SIGN 2002).
Blutungskomplikationen nach Hüft-TEP-Eingriffen bedeuten u. U. für
den Patienten vermehrte Schmerzen durch Schwellung, erhöhte Infektionsgefahr
und ggf. die Notwendigkeit eines Revisionseingriffs. Im vorliegenden Qualitätsindikator
wird auf diejenigen Blutungskomplikationen fokussiert, die zu operativen Revisionseingriffen
führen.
Blutungskomplikationen können operationstechnisch bedingt sein, d. h.
durch Gefäßverletzung, traumatisierte Muskulatur oder den Operationszugang
(Jolles et al. 2002). Sie können aber auch eine Blutgerinnungsstörung
bedingt sein (SIGN 2002, Turpie et al. 2002, Strebel et al. 2002). Weiteren
Einfluss haben Nierenfunktionseinschränkungen (Farooq et al. 2004) und
die Gabe nichtsteroidaler Antiphlogistika (Kallis et al. 1994, Slappendel et
al. 2002).
Die Definition einer „Blutungskomplikation“ erfolgt in verschiedenen Studien
nicht einheitlich. Sie ist international am ehesten vergleichbar mit „major
bleeding“ 1 (Graafsma et al. 1997).
Für unfallchirurgische Patienten, die mit unfraktioniertem Heparin behandelt
wurden, lag das von Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN 2002)
errechnete Blutungsrisiko bei 3,8% (4 von 106 Fällen). In einer Metaanalyse
von 4 Studien (Turpie et al. 2002) wurden 63 von 3.621 (1,7%) „major bleedings“ unter
Enoxaparin gesehen, von denen 8 revidiert wurden.
Zwei weitere Metaanalysen randomisierter Studien zeigten eine Rate von „major
bleedings“ bei elektivem Hüftgelenkersatz von 1,8% bzw. 2,6% bei verschiedenen
Thromboseprophylaxeregimes (Imperiale & Speroff 1994, Freedman et al. 2000).
Wichtig im Hinblick auf Blutungskomplikationsraten unter Thromboseprophylaxe
scheint der Zeitpunkt der Gabe des Medikaments zu sein: In Europa wird bei
Elektiveingriffen in der Regel 12 Stunden präoperativ mit der medikamentösen
Thromboseprophylaxe begonnen, in den USA eher 12 bis 48 Stunden postoperativ.
Eine niederländische Metaanalyse (Strebel et al. 2002) untersuchte den
Einfluss des Zeitpunktes der Gabe eines niedermolekularen Heparins auf Thrombose
und Blutungsraten. Von 1.926 Patienten mit präoperativer Prophylaxe hatten
1,4% eine Blutungskomplikation, bei 925 Patienten mit einem perioperativen
Applikationsregime lag die Rate an Blutungskomplikationen bei 6,3% und bei
postoperativer Gabe (694 Patienten) bei 2,5%.
1major bleeding (defined as intracranial or retroperitoneal bleeding) or overt
bleeding (defined as visible or symptomatic bleeding) with a decrease of hemoglobin
concentration by more than 2 g/dL (20 g/L) or the requirement for transfusion
of two or more units of erythrocytes.