Rationale
Neben den operationsbedingten peri- und postoperativen Komplikationen können insbesondere kardiopulmonale Komplikationen akut lebensbedrohlich sein.
Diese Komplikationen korrelieren häufig mit der Anzahl an vorbestehenden
Begleiterkrankungen, weshalb dieser Qualitätsindikator nach ASA-Kriterien
stratifiziert ist.
Kardiovaskuläre Komplikationen
Für intraoperative Blutdruckabfälle wird die insbesondere der Zementierungstechnik
zugeschriebene Histaminausschüttung während der Zementapplikation
verantwortlich gemacht. Die Histaminausschüttung kann mit Antihistaminika
gemildert werden (Tryba et al. 1991). Moderne Zementierungstechniken minimieren
die Probleme, die durch Fettembolien entstehen (Pitto et al. 1999; Kassim et
al. 2003). Quantitative Angaben zu Infarkten nach Hüftendoprothetik sind
rar. Mantilla et al. nennen eine Infarktrate von 0,4% (Mantilla et al. 2002).
Thromboembolische Komplikationen
Thromboembolische Komplikationen können tödlich oder akut lebensbedrohlich
sein oder aber den Patienten durch Langzeitfolgen schwer beeinträchtigen.
Lungenembolien entstehen meist in Folge u. U. asymptomatischer tiefer Beinvenenthrombosen.
Klinisch asymptomatische tiefe Beinvenenthrombosen werden häufig nur durch
apparative Unterstützung wie beispielsweise Ultraschalluntersuchung, Phlebografie
oder Fibrinogentest erkannt.
Symptomatische tiefe Beinvenenthrombosen bedürfen einer spezifischen
Behandlung, die den Krankenhausaufenthalt verlängern oder ggf. eine Wiederaufnahme
nötig macht. Spätfolge einer symptomatischen tiefen Beinvenenthrombose
kann das sog. postthrombotische Syndrom sein, das Symptome von Schwellneigung
bis zu chronischen Beinulzerationen aufweist und bei bis zu 10% aller Patienten
mit symptomatischer tiefer Beinvenenthrombose auftritt. Rezidivthrombosen sind
nicht selten (SIGN 2002).
Das Risiko asymptomatischer und symptomatischer tiefer Beinvenenthrombosen
und thromboembolischer Komplikationen ist nach Frakturen und/oder Operationen
der Hüfte ohne Prophylaxemaßnahmen besonders hoch. Das Risiko für
tödliche Lungernembolien ist bei hüftgelenknahen Femurfrakturen höher
als bei elektiver Hüftgelenkschirurgie (Evidenzgrad 2+ nach SIGN 62).
Ein Qualitätsziel im Rahmen der Behandlung der Hochrisikogruppe Patienten
mit Schenkelhalsfraktur sollte es sein, die Rate an thromboembolischen Komplikationen
durch geeignete medikamentöse und physikalische Maßnahmen so gering
wie möglich zu halten.
Die Wirksamkeit der medikamentösen Thromboseprophylaxe ist besonders
für die Gabe von Heparinen (unfraktioniertes Heparin und niedermolekulares
Heparin) gut belegt (Evidenzgrad 1++ nach SIGN 2002).
Sonstige Komplikationen
- Postoperative Verwirrtheit
Eine schwedische Fallstudie sah
bei 11,7% von 225 über 65-jährigen
Patienten eine bis zu 48 Stunden andauernde postoperative Verwirrtheit (Duppils & Wikblad
2000). Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Hüftluxationen
bevorzugt bei Patienten mit mentaler Dysfunktion entstehen, sollten postoperative
Verwirrtheitszustände
besonders ernst genommen werden (Kassim et al. 2003).
- Gastrointestinale Komplikationen
Gastrointestinale Komplikationen werden mit einer Inzidenz von 1,2 bis 4,6%
angegeben (Kassim et al. 2003, Bederman et al. 2001).
- Harnwegserkrankungen
Harnretention (bis zu 35% der Fälle) und (katheterassoziierte) Harnwegsinfekte
sind bekannte Komplikationen nach operativer Versorgung einer Schenkelhalsfraktur
(Kassim et al. 2003). Harnretention und Hypotonie sind häufiger bei Epiduralanästhesie
als bei systemischer Analgesie (Choi et al. 2003).
Zur Vereinheitlichung des Qualitätsindikators (Zählerereignisse) wird
2006 erstmals die Komplikationsrate ohne „sonstige“ gerechnet.