Rationale
Infektionen sind gefürchtete Komplikationen nach operativer Versorgung von Schenkelhalsfrakturen und
gehen mit einer erhöhten peri- und postoperativen Letalität einher
(Poulsen et al. 1995). Die Implantation von Fremdmaterial erhöht das Risiko
einer Wundinfektion (SIGN 2000). Dieses Risiko gilt es durch schonende Operationstechniken,
möglichst kurze Operationszeiten und durch eine angemessene Antibiotikaprophylaxe
zu minimieren.
Die Wirksamkeit der perioperativen Antibiotikaprophylaxe ist für die
Vermeidung von Protheseninfekten in der Hüftendoprothetik (Evidenzgrad
Ib nach SIGN) sowie für die osteosynthetische Versorgung von Schenkelhalsfrakturen
(Evidenzgrad Ib nach SIGN) unbestritten und findet sich in den internationalen
Leitlinien zur Versorgung von Schenkelhalsfrakturen ebenso, wie in internationalen
Leitlinien zur Antibiotikaprohylaxe (SIGN 2000, SIGN 2002, Gillespie & Walenkamp
2000, Mangram et al. 1999, Bernasconi 2000, Stürmer 1999, Gillespie 2002
, Patchen Dellinger et al. 1994).
Eine angemessene Antibiotikaprophylaxe reduziert die Rate an Wundinfektionen
bei Minimierung von Neben- und Wechselwirkungen, wie z. B. negativer Beeinflussung
der Darmflora mit konsekutiver Ausbildung einer Colitis (durch Clostridium
difficile). Sie sollte außerdem die Ausbildung von antibiotikaresistenten
Keimen nicht begünstigen.
Bereits die Gabe einer Einzeldosis eines Antibiotikums („single shot“- Prophylaxe)
vor Beginn der Operation geschlossener Frakturen senkt das Risiko nosokomialer
oberflächlicher und tiefer Wundinfektionen und Harnwegsinfekte (Southwell-Keely
et al. 2004).
Jaeger et al. diskutieren die Empfehlungen zur Antibiotikaprophylaxe kritisch
und stellen fest, dass für die osteosynthetische Versorgung geschlossener
Frakturen die Evidenz umstritten sei (Jager et al. 2006).