Rationale
Implantatfehllage, Implantadislokation
Eine Implantatfehllage oder -dislokation als intra- oder postoperative Komplikation
bedeutet für den Patienten eine erhebliche Beeinträchtigung, in der
Regel mit der Notwendigkeit eines Revisionseingriffs. Entweder wird dann ein
Verfahrenswechsels von der primär osteosynthetischen Versorgung zur Endoprothese
vorgenommen oder es wird ein Prothesenwechsel bzw. Teilprothesenwechsel bei
primär endoprothetischer Versorgung durchgeführt. Revisionseingriffe
verlängern den stationären Aufenthalt und erhöhen die Letalität
(Lu-Yao et al. 1994, Palmer et al. 2000, Keating et al. 1993).
In der internationalen Literatur liegen Daten zu Implantatversagen oder Fehlimplantation
(Implantatfehllage, Implantatdislokation oder Implantatbruch) nicht auf den
Zeitraum des stationären Aufenthaltes bezogen vor. Evaluationsstudien
beziehen sich in der Regel auf einen Ein- oder Zweijahreszeitraum. Die kürzeste
berichtete Zeitspanne postoperativ bezieht die ersten postoperativen 3 bis
4 Monate ein (Roden et al. 2003).
Implantatfehllage
Eine anatomiegerechte Reposition und stabile Fixation von dislozierten Schenkelhalsfrakturen
ist die Voraussetzung für die Knochenheilung (Garden & Orth 1974).
Implantatdislokation/Trennschärfe der Terminologie
Die Implantatdislokation beschreibt eine Änderung der Lage von primär
als „regelrecht implantiert“ eingeschätzten Osteosynthesematerialien bzw.
Prothesen innerhalb der Knochensubstanz.
Endoprothetische Versorgung
Es gibt Hinweise, dass dieser Begriff nicht von allen Anwendern der Erhebungsinstrumente
in der externen Qualitätssicherung bei bei Prothesenimplantationen trennscharf
zum Begriff „Prothesenluxation“ (als Diskonnektion der gelenkigen Verbindung)
verwendet worden ist. kann nicht . Zu Implantatdislokation und Fehllagen bei
endoprothetischer Versorgung finden sich in der Literatur keine Hinweise.
Osteosynthetische Versorgung
Probleme mit der Vergleichbarkeit und Trennschärfe der Terminologie sind
für das Problem Frakturredislokation/Repositionsverlust/Pseudarthrosenbildung
nach Osteosynthese von Schenkelhalsfrakturen aus der Literatur bekannt: „early
displacement“, „re-displacement“, „early dislocation of the fracture“ und „pseudo-arthrosis“ werden
im Cochrane Review synonym für „non-union“ gebraucht. Die „non-union“-Rate
für osteosynthetische Versorgung liegt in einer Metaanalyse bei 225/786
(28,6%) Patienten aus 11 gepoolten Studien (Masson et al. 2003). Parker & Blundell
gebrauchen die Termini „fracture displacement“ und „failure of the fracture
to unite“ synonym für „non-union“ (Parker & Blundell 1998). Lu-Yao
et al. (Lu-Yao et al. 1994) beschreiben in ihrer Metaanalyse Raten von 9 bis
27% (Median 16%) für „loss of fixation or reduction after internal fixation“ als
Frühkomplikation bzw. Frühversagen der ostheosynthetischen Versorgung
von Schenkelhalsfrakturen. Ein exakter Zeitrahmen wird nicht benannt.
Fraktur
Der Terminus „Fraktur“ als behandlungsbedürftige intra- oder postoperative
Komplikation beschreibt ein klar definiertes Ereignis.
Eine innerhalb der Frakturversorgung zusätzlich aufgetretene Fraktur
bedeutet für den Patienten u. U. eine erhebliche Beeinträchtigung
durch Verlängerung der Operationszeit des Primäreingriffs (bei intraoperativer
Fraktur) und dadurch entstehende Risikoerhöhung für Blutverlust und
Wundinfektion. Gegebenenfalls wird ein Revisionseingriff mit Verfahrenswechsel
(von primär osteosynthetischer Versorgung zur Endoprothese) bzw. Prothesenwechsel
oder Teilprothesenwechsel (bei primär endoprothetischer Versorgung) notwendig.
Revisionseingriffe verlängern den stationären Aufenthalt und erhöhen
die Sterblichkeit (Palmer et al. 2000).
Berichte über Periimplantat-Frakturen sind rar. In wieweit die Frakturen
auf Implantatlockerung oder erneuten Sturz zurückzuführen sind, wird
meistens nicht berichtet: Masson et al. (2003) haben aus gepoolten Daten aus
3 randomisierten kontrollierten Studien eine Inzidenz von periprothetischen
Frakturen von 2,3% (11/468 Patienten) und neu aufgetretenen Frakturen bei osteosynthetischer
Versorgung von 0,2% (1/490 Patienten) errechnet.
Palmer et al. haben bei 11 von 908 mit einer Hemiprothese versorgten Schenkelhalsfrakturen
eine periprothetische Fraktur festgestellt. Bei 7 von 780 mit kanülierten
Schrauben behandelten Patienten kam es zu Frakturen unterhalb der Schrauben.
2 von 1.300 Patienten mit Gleitschraubenversorgung wiesen eine Fraktur unterhalb
der Schenkelhalsschraube auf. Die Nachuntersuchung erfolgte hier 2 Monate postoperativ
sowie fakultativ bis 1 Jahr postoperativ (Palmer et al. 2000).
Seit 2006 werden die seltenen Komplikationen der Implantatfehllage, dislokation
und der Fraktur in einem Qualitätsindikator ausgewertet.