Rationale
Blutungskomplikationen nach Versorgung von Schenkelhalsfrakturen bedeuten u.
U. für den Patienten vermehrte Schmerzen durch Schwellung, erhöhte
Infektionsgefahr und ggf. die Notwendigkeit eines Revisionseingriffs. Mit dem
vorliegenden Qualitätsindikator wird auf diejenigen Blutungskomplikationen
fokussiert, die zu operativen Revisionseingriffen führen.
Blutungskomplikationen können durch Gefäßverletzung, traumatisierte
Muskulatur, den Operationszugang (Jolles & Bogoch 2003) - also operationstechnisch
- bedingt sein. Patientenabhängige Faktoren sind die Beeinträchtigung
der Blutgerinnung - vorbestehend oder durch gerinnungshemmende Maßnahmen
(SIGN 2002, Turpie et al. 2002, Strebel et al. 2002).
Die Definition einer „Blutungskomplikation“ erfolgt in verschiedenen Untersuchungen
nicht einheitlich. Sie ist international am ehesten vergleichbar mit „major
bleeding“1 und in dieser Definitionsanwendung reliabel (Graafsma et al. 1997).
Zu Blutungskomplikationen als operationstechnischem oder verfahrenstechnischem
Problem (Osteosynthese/Endoprothese) wird quantitativ weder in Cochrane Reviews
noch in Leitlinien Stellung genommen. Für unfallchirurgische Patienten,
die mit unfraktioniertem Heparin behandelt wurden, lag das von Scottish Intercollegiate
Guidelines Network (SIGN 2002) angegebene Blutungsrisiko bei 3,8% (4/106 Fällen).
In einer Metaanalyse von 4 Studien (Turpie et al. 2002) wurden 63/3.621 (1,7%)
major bleedings unter Enoxaparin gesehen, von denen 8 revidiert wurden.
Wichtig im Hinblick auf Blutungskomplikationsraten unter Thromboseprophylaxe
scheint der Zeitpunkt der Gabe des Medikaments zu sein: In Europa wird bei
Elektiveingriffen in der Regel 12 Stunden präoperativ mit der medikamentösen
Thromboseprophylaxe begonnen, in den USA 12 bis 48 h postoperativ. Eine niederländische
Metaanalyse (Strebel et al. 2002) untersuchte den Einfluss des Zeitpunktes
der Gabe eines niedermolekularen Heparins auf Thrombose und Blutungsraten.
Von 1.926 Patienten mit präoperativer Prophylaxe hatten 1,4% eine Blutungskomplikation.
Bei 925 Patienten mit einem perioperativen (weniger als 12 h prä- oder
postoperativ) Applikationsregime lag die Rate an Blutungskomplikationen bei
6.3%, bei postoperativer Gabe (694 Patienten) bei 2,5%.
1major bleeding (defined as intracranial or retroperitoneal bleeding) or overt
bleeding (defined as visible or symptomatic bleeding) with a decrease of hemoglobin
concentration by more than 2 g/dL (20 g/L) or the requirement for transfusion
of two or more units of erythrocytes