Rationale
Patienten mit einer Karotisstenose erleiden infolge dieser Grunderkrankung häufig einen Schlaganfall. Große Multicenter-Studien (NASCET-, ECST-Studie 1998) haben gezeigt, dass eine operative
Therapie dieser Erkrankung das Risiko, einen Schlaganfall oder Tod in den folgenden
Jahren zu erleiden, deutlich reduzieren kann. Für Patienten mit hohem
Stenosegrad (>= 70%) und präoperativer Symptomatik wird das Risiko,
im Verlauf der folgenden 5 Jahre einen ipsilateralen Schlaganfall zu erleiden,
um 16% reduziert (Rothwell et al. 2003). Eine Risikoreduktion von 4,6% wird
in einem Patientenkollektiv mit einem Stenosegrad von 50-69% und präoperativer
Symptomatik erreicht (Rothwell et al. 2003). Bei asymptomatischen Patienten
unter 75 Jahren und einer Karotisstenose >= 70% im Ultraschallbild halbiert
eine Karotis-TEA das Risiko, im Verlauf der folgenden 5 Jahre einen Schlaganfall
oder Tod zu erleiden, von 12% auf 6% ( MRC ACST Collaborative Group. 2004).
In den Empfehlungen der American Heart Association wurden, abhängig vom
Stenosegrad und der klinischen Symptomatik, Werte für das perioperative
Schlaganfall- und Todesrisiko festgelegt, die nicht überschritten werden
dürfen, damit der prophylaktische Effekt des operativen Eingriffs erhalten
bleibt (Evidenzgrad Ia, Empfehlungsgrad A nach den Kriterien der American Heart
Association, Biller et al. 1998).
Die perioperative Rate an Schlaganfällen oder Tod wird einerseits durch
die Qualität der durchgeführten Therapie im Krankenhaus beeinflusst,
andererseits durch patientenbezogene Risikofaktoren wie: Stenosegrad, klinische
Symptomatik, Alter, Schweregrad der Behinderung, ASA-Klassifikation und kontralaterale
Stenose >= 75% (NASCET). Diese Einflussgrößen sind in einer systematischen Übersichtsarbeit
(Eckstein 2004) als signifikante Prädiktoren eines erhöhten perioperativen
Risikos identifiziert worden. Ihre Relevanz wurde anhand des BQS-Datenpools
2006 überprüft.
Für einen fairen Vergleich zwischen den Krankenhäusern ist die Berücksichtigung
der unterschiedlichen Risikoprofile der Patienten erforderlich. Mit der Methode
der logistischen Regression wird eine risikoadjustierte Rate an „perioperativen
Schlaganfällen oder Tod“ berechnet. Sie entspricht der Rate an „perioperativen
Schlaganfällen oder Tod“, wenn alle Krankenhäuser, bezogen auf die
im Modell berücksichtigten Einflussgrößen, die gleichen Risiken
hinsichtlich ihrer Patientenstruktur gehabt hätten.
Folgende Risikofaktoren wurden in dem logistischen Regressionsmodell berücksichtigt:
- Indikationsgruppe
- Alter
- Präoperativer Schweregrad der Behinderung (Klassifikation
nach Rankin)
- ASA-Klassifikation (American Society of Anaesthesiologists)
- Exulzerierende Plaques
- Kontralaterale Stenose >= 75% (NASCET)
Bei gleichzeitiger Berücksichtigung mit den o. g. Risikofaktoren konnten
als nicht signifikante Einflussfaktoren identifiziert werden: Geschlecht, ipsilateraler Stenosegrad >= 75%, zu operierende Seite. Diese fielen
daher aus dem Risikoadjustierungsmodell heraus.
Weitere Information zum logistischen Regressionsmodell sind unter „Erläuterung
der Rechenregel“ dargestellt.