Rationale
Die Berechnung der Nierenfunktion anhand der Kreatinin-Clearance wird zur Verlaufskontrolle nach Entfernung einer Niere und zur Früherkennung einer Niereninsuffizienz verwendet.
In der unmittelbaren postoperativen Phase nach Nierenlebendspende erhöht sich vorübergehend im Rahmen von Anpassungsvorgängen der zur Abschätzung der Nierenfunktion herangezogene Kreatinin-Wert. Dieser normalisiert sich jedoch im weiteren Verlauf wieder. Bei der Beurteilung der Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator ist deshalb zu berücksichtigen, dass Patienten nach der Nierenlebendspende zu unterschiedlichen Zeitpunkten entlassen werden. Die Dauer der postoperativen Verweildauer nach Nierenlebendspende kann so Einfluss auf das Ergebnis zu diesem Qualitätsindikator haben.
Eine messbare Verschlechterung der Nierenfunktion bei Lebendorganspendern im langfristigen Verlauf ist selten. Kasiske et al. (1995) berechneten in einer Meta-Analyse (n = 3.124) eine durchschnittliche Abnahme der glomerulären Filtrationsrate von 17,1 ml/min nach der Lebendspende, mit einer langsam zunehmenden Progression von 1,4 ml/min über 10 Jahre.
In einer Studie eines Transplantationszentrums zur Nachuntersuchung von 152 Nierenlebendspendern mit einem durchschnittlichen Nachbeobachtungszeitraum von 11 Jahren wird ein Abfall der glomerulären Filtrationsrate um etwa 23%, ein Abfall der Kreatinin-Clearance um etwa 17% sowie ein Anstieg der Serumkreatinin-Konzentration um etwa 18% beobachtet. Obwohl bei den Nierenlebendspendern im Beobachtungszeitraum ein geringer Anstieg des Blutdruckes zu verzeichnen war, lagen die Werte signifikant niedriger als diejenigen der gleichaltrigen Normalbevölkerung. Die Autoren betonen, dass einer Reduktion der glomerulären Filtrationsrate um etwa 25% keine gesundheitliche Bedeutung zukommt und keine besondere Einschränkung der Lebensweise des Spenders erfordert (Gossmann et al. 2006).
Das Risiko einer erheblichen Einschränkung der Nierenfunktion des Nierenlebendspenders scheint gegenüber der Normalbevölkerung nicht erhöht zu sein. (Fehrman-Ekholm et al. 2001; Hartman et al. 2003; Thiel et al. 2005).
Allerdings kommt der sorgfältigen Evaluation des potentiellen Nierenlebendspenders entscheidende Bedeutung zu, da bestimmte Personengruppen nach der Entfernung einer Niere ein höheres Risiko tragen, einen Nierenfunktionsverlust zu erleiden. Zu den Risikofaktoren gehören Adipositas mit einem Body-Mass-Index von > 30 kg/m2 und weitere Begleiterkrankungen wie arterielle Hypertonie, koronare Herzerkrankung und Diabetes mellitus (Praga et al. 2000).