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Interpretationshilfe für Patienten

(Stand: 21.06.2007)

Qualitätsindikator

Neu entstandene Druckgeschwüre während des Krankenhausaufenthaltes

BQS-Qualitätsindikator

Veränderung des Dekubitusstatus während des stationären Aufenthaltes bei Patienten, die ohne Dekubitus aufgenommen wurden

Versorgungsbereich:
Pflege: Vorbeugung von Druckgeschwüren

Indikatortyp:
Ergebnisindikator

BQS-Leistungsbereich:
Pflege: Dekubitusprophylaxe

Art des Referenzbereichs:
Toleranzbereich

Informationen zum Versorgungsbereich: Link.

Begriffserläuterungen finden Sie im Glossar.

    

Qualitätsziel
Während eines Krankenhausaufenthaltes sollen möglichst selten Druckgeschwüre entstehen.

Warum kann das Erreichen dieses Ziels als gute Qualität angesehen werden?
Eine gefürchtete Komplikation während eines Krankenhausaufenthaltes ist das „Wundliegen“, das Entstehen von Druckgeschwüren in Folge langen Liegens. Diese Druckgeschwüre werden auch Dekubitus genannt. Ein Dekubitus ist eine oft chronische Wunde, die sehr unterschiedlich groß und tief sein kann.

Zur Beurteilung, wie ausgeprägt ein Druckgeschwür ist, gibt es eine Einteilung, in der vier verschiedene Schweregrade (Stadien) beschrieben werden:

Stufe 1:

Es tritt eine Rötung auf, die auch nach Entlastung der Druckstelle nicht verschwindet. Häufig geht sie mit einer Erwärmung der betroffenen Stelle einher, aber die Haut ist ansonsten oberflächlich unbeschädigt. Es liegt aber bereits ein Druckgeschwür vor, auch wenn die Haut oberflächlich gesund erscheint.

Stufe 2:

Die Stelle weist eine oberflächliche Wunde, eine Blase oder Hautabschürfung auf. Die oberflächlichen Hautschichten sind bereits beschädigt.

Stufe 3:

Man sieht eine tief reichende Wunde. Nun sind schon alle Hautschichten und teilweise auch das unter der Haut befindliche Bindegewebe zerstört. Das Muskelgewebe und auch der Knochen sind aber noch nicht betroffen.

Stufe 4:

Die Wunde ist nun so tief greifend, dass das Muskelgewebe und eventuell auch der Knochen erkennbar sind, also frei liegen.

Besonders ein Druckgeschwür Grad 1, das durch eine Hautrötung in Erscheinung tritt, ist nicht immer leicht von den Pflegenden als eine frühe Form des Dekubitus zu erkennen.

Die Unterscheidung zwischen einem Druckgeschwür Grad 1 und Grad 2 ist aber besonders wichtig: Während bei einem Grad-1-Druckgeschwür eine Rötung vorliegt, die Haut aber noch intakt ist, ist bei einem Dekubitus Grad 2 die Haut bereits geschädigt. Zu erkennen ist das daran, dass eine oberflächliche Wunde, eine Hautabschürfung oder eine Blase an der Druckstelle zu sehen ist. Da bei einem Grad-2-Druckgeschwür also bereits ein sichtbarer Schaden der Haut vorliegt, kann dieses Stadium unter Umständen den Übergang zu einem langwierigen (chronischen) Verlauf des Dekubitus bedeuten.

Sind Patienten von einem Dekubitus Grad 1 betroffen, werden sie vom Pflegepersonal durch bewegungsfördernde und lagerungstherapeutische Maßnahmen unterstützt. Sie sollen den Patienten helfen, ihre Liegeposition häufig genug zu verändern, damit die wunde Stelle entlastet wird und bald abheilt. Dabei sollen sie den Patienten auch darauf hinweisen, dass bereits leichte Lageveränderungen ausreichen, um die Entstehung eines Druckgeschwürs erfolgreich zu verhindern.

Ab einem Druckgeschwür Grad 2 werden neben den pflegerischen Maßnahmen auch noch ärztlich verordnete Behandlungsschritte notwendig. Auch diese Tatsache unterstreicht, wie wichtig es ist, Druckgeschwüre so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.

Dieser Indikator besitzt hohe Aussagekraft hinsichtlich der Pflegequalität eines Krankenhauses. Einerseits lässt er Rückschlüsse darauf zu, wie gut die Pflegekräfte auf sorgfältige Beobachtung und Einschätzung eines Druckgeschwürs hin geschult sind. Andererseits zeigt sich die Kompetenz und Erfahrung des Pflegepersonals natürlich auch im sorgfältigen Umgang mit den angemessenen vorbeugenden Maßnahmen.


Wichtiger Hinweis

Dieser Indikator wurde nach methodischer Prüfung von der BQS nicht uneingeschränkt für die öffentliche Berichterstattung empfohlen.

Der Grund für diese Einschränkung liegt darin, dass der Indikator nur eingeschränkt „risikoadjustiert“ ist. Das heißt, dass bei Patienten mit bestimmten Risikofaktoren häufiger Druckgeschwüre auftreten können, ohne dass dies auch bei optimaler Prophylaxe und Behandlung beeinflusst werden kann.

Ein auffälliges Ergebnis bei diesem Indikator kann also auch dadurch bedingt sein, dass in manchen Krankenhäusern häufiger Patienten mit besonderen Risikofaktoren behandelt werden.

Die BQS hat diesen Indikator methodisch weiterentwickelt. Seit 1.1.2007 werden nicht beeinflussbare Risikofaktoren für die Berechnung des Indikatorergebnisses berücksichtigt, d.h. für den Indikator steht eine bessere Form der Risikoadjustierung zur Verfügung.


Wie werden die Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator ermittelt?

Damit ermittelt werden kann, ob das Qualitätsziel erreicht wird, dokumentiert das Krankenhaus am Ende der stationären Behandlung für alle Patient(inn)en, die bei der Aufnahme ins Krankenhaus kein Druckgeschwür hatten, ob bei der Entlassung ein Druckgeschwür vorgelegen hat. Diese Erfassung erfolgt bei folgenden Operationen:
  • Bruch des Oberschenkelknochens in Hüftgelenknähe (hüftgelenknahe Femurfraktur),
  • Geplante Operationen zum künstlichen Hüft- und Kniegelenkenersatz (elektive Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenken),
  • Operationen am Herzen (Herzchirurgie).

Aus diesen Angaben werden zwei Kennzahlen berechnet, deren Ergebnis in Prozent angegeben wird. Sie geben an, bei wie vielen Patienten mit einem der oben aufgezählten Eingriffe, die ohne ein Druckgeschwür zur stationären Behandlung aufgenommen wurden, bei der Entlassung ein Druckgeschwür Grad 1 oder höher bzw. Grad 2 oder höher vorgelegen hat.

Wie kann man die Versorgungsqualität bewerten?
Für diesen Qualitätsindikator kann keine medizinisch-pflegerisch begründbare Grenze für eine tatsächlich erreichbare gute Qualität festgelegt werden. Als Orientierungshilfe zur Bewertung der Krankenhausergebnisse kann das durchschnittliche Ergebnis in Deutschland (Gesamtrate) herangezogen werden (siehe: Wie sind die Ergebnisse in Deutschland?).

Da es für diesen Indikator keine klar belegbare Grenze für gute Qualität gibt, wurde ein Referenzbereich festgelegt, der besonders auffällige Ergebnisse kennzeichnet. Nicht jedes auffällige Ergebnis bedeutet automatisch schlechte Qualität. Daher werden diese Ergebnisse im Strukturierten Dialog gemeinsam durch eine Gruppe von Fachexperten und das Krankenhaus analysiert. Dabei wird geprüft, ob in einem Krankenhaus mit auffälligen Ergebnissen möglicherweise Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.

Wie sind die Ergebnisse in Deutschland?
Welche Versorgungsqualität für dieses Qualitätsziel erwartet werden kann, zeigt das Ergebnis, das 2006 in Deutschland erreicht wurde:

Aus den nachfolgenden Tabellen ist zu entnehmen, wie häufig Druckgeschwüre während des Krankenhausaufenthalts bei ausgewählten Operationen im Jahr 2006 in Deutschland aufgetreten sind:

 

Gesamtrate neu entstandener Druckgeschwüre Grad 1 bis 4

Gesamtrate neu entstandener Druckgeschwüre Grad 2 bis 4

Bruch des Oberschenkelknochens in Hüftgelenknähe (hüftgelenknahe Femurfraktur)

3,05%

(bei 3 Patient(inn)en von 100)

2,00%

(bei 2 Patient(inn)en von 100)

Geplante Operationen zum künstlichen Hüft- und Kniegelenkenersatz (elektive Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenken)

0,78%

(bei 1 Patient(in) von 100)

0,55%

(Bei weniger als 1 Patient(in) von 100)

Operationen am Herzen (Herzchirurgie)

 

2,26%

(bei 2 bis 3 Patient(inn)en von 100)

1,56%

(Bei 1 bis 2 Patient(inn)en von 100)


Wie sind die Krankenhausergebnisse einzuschätzen?

Bei Brüchen des Oberschenkelknochens in Hüfgelenknähe haben Krankenhäuser mit einer Rate von weniger als 3,05% (Druckgeschwüre Grad 1 bis 4) bzw. 2,00% (Druckgeschwüre Grad 2 bis 4) ein besseres Ergebnis als im Bundesdurchschnitt.

Krankenhäuser mit einer Rate von mehr als 7,9% (Druckgeschwüre Grad 1 bis 4) bzw. 5,6% (Druckgeschwüre Grad 2 bis 4) haben ein auffälliges Ergebnis.

Bei geplanten Operationen zum künstlichen Hüft- und Kniegelenkenersatz haben Krankenhäuser mit einer Rate von weniger als 0,78% (Druckgeschwüre Grad 1 bis 4) bzw. 0,55% (Druckgeschwüre Grad 2 bis 4) ein besseres Ergebnis als im Bundesdurchschnitt. Krankenhäuser mit einer Rate von mehr als 2,3% (Druckgeschwüre Grad 1 bis 4) bzw. 1,7% (Druckgeschwüre Grad 2 bis 4) haben ein auffälliges Ergebnis.

Bei Operationen am Herzen haben Krankenhäuser mit einer Rate von weniger als 2,26% (Druckgeschwüre Grad 1 bis 4) bzw. 1,56% (Druckgeschwüre Grad 2 bis 4) ein besseres Ergebnis als im Bundesdurchschnitt. Krankenhäuser mit einer Rate von mehr als 5,7% (Druckgeschwüre Grad 1 bis 4) bzw. 3,7% (Druckgeschwüre Grad 2 bis 4) haben ein auffälliges Ergebnis.

Aus auffälligen Ergebnissen kann nicht automatisch auf schlechte Qualität geschlossen werden. Daher werden diese Ergebnisse im Strukturierten Dialog gemeinsam durch eine Gruppe von Fachexperten und das Krankenhaus analysiert. Dabei wird geprüft, ob in einem Krankenhaus mit auffälligen Ergebnissen Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.

Autoren:
BQS gGmbH, BQS Fachgruppe Pflege, Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

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