Logo + Home
 
   BQS Online    BQS Qualitätsreport    BQS Outcome   

Interpretationshilfe für Patienten

(Stand: 21.06.2007)

Qualitätsindikator

Entzündung des Operationsbereichs nach der Operation

BQS-Qualitätsindikator

Postoperative Wundinfektion

Versorgungsbereich:
Kniegelenkersatz

Indikatortyp:
Ergebnisindikator

BQS-Leistungsbereich:
Knie-Totalendoprothesen-Erstimplantation

Art des Referenzbereichs:
Toleranzbereich

Informationen zum Versorgungsbereich: Link.

Begriffserläuterungen finden Sie im Glossar.

    

Qualitätsziel
Nach Einsatz von künstlichen Kniegelenken sollen möglichst selten Entzündungen der Operationswunde auftreten.

Warum kann das Erreichen dieses Ziels als gute Qualität angesehen werden?
Das Einsetzen (Implantation) eines künstlichen Kniegelenkes ist eine der häufigsten Operationen. Dennoch können sich nach dem Einsetzen der Knieprothese (postoperativ) Komplikationen entwickeln.

Die Entzündung (Infektion) eines künstlichen Gelenkersatzes ist eine gefürchtete Komplikation, die schwerwiegende Folgen haben kann.

Patient(inn)en, die sich einer solchen Operation unterziehen, sind nicht von vornherein anfälliger für Entzündungen als in anderen Fachgebieten. Dringen jedoch Krankheitserreger in das Umfeld des gerade eingesetzten künstlichen Gelenkes ein und vermehren sich dort, ist die Behandlung wegen des nun im Körper und im Bereich der Infektion vorhandenen Fremdkörpers – dem künstlichen Kniegelenk – schwieriger als bei anderen Infektionen. Mit dem Auftreten dieser schweren Komplikation verlängert sich der Krankenhausaufenthalt, oft werden erneute Eingriffe (Folgeoperationen) und eine lange Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten erforderlich.

Deshalb sollen Entzündungen nach künstlichem Kniegelenkersatz sorgfältig vermieden werden.

Infektionen können sich auf verschiedenen Wegen in den Körper einschleichen. In jedem Fall werden sie von Krankheitserregern hervorgerufen, die von außen beispielsweise in eine Wunde geraten und sich dann im Körper vermehren und ausbreiten.

Sie können aber auch bereits vor der Operation unbemerkt im Körper der Patient(inn)en vorhanden gewesen sein und sich erst nach einer Prothesenimplantation, gefördert durch die Schwächung des Organismus nach einem solchen Eingriff, ausbreiten und erkennbar werden.

Das Risiko, eine solche Entzündung zu entwickeln, erhöht sich mit zunehmendem Alter und auch durch Vorerkrankungen (z. B. Zuckerkrankheit).

Wichtige Maßnahmen zur Vermeidung von Infektionen sind die Wahl einer möglichst schonenden Operationstechnik, die Einhaltung der Hygienemaßnahmen, aber auch eine rechtzeitige vorbeugende Gabe von Antibiotika zur Operation (Prophylaxe).

Sollte dennoch nach der Erstoperation (postoperativ) eine Infektion entstanden sein, sind deren richtige und frühe Erkennung (Diagnose) und gezielte Behandlung entscheidend für eine kurze Verweildauer im Krankenhaus. Auch für die langfristig gute Funktion des Gelenkersatzes ist die schnelle und geeignete Therapie dieser Komplikation von großer Bedeutung.

Das Auftreten einer Infektion der Kniegelenkprothese nach der Operation ist eine schwerwiegende Komplikation.

Solche Infektionen können schmerzhaft sein und bei ungünstigem Verlauf zu einer Versteifung des Kniegelenkes bis hin zur Amputation des Unterschenkels oberhalb des Kniegelenkes führen. 

Auf jeden Fall müssen aber zur Abheilung der Infektion über einen längeren Zeitraum hinweg erhöhte Dosen Antibiotika eingenommen werden und auch der Krankenhausaufenthalt kann sich verlängern.

In schweren Fällen muss die Prothese entfernt werden. Es kann dann monatelang dauern, bis erneut an das Einsetzen einer Prothese als Kniegelenkersatz gedacht werden kann. In der Zwischenzeit muss ein antibiotikagefüllter Platzhalter die Stelle des fehlenden Gelenkes einnehmen. Obwohl diese Behandlung oft zum Erfolg führt, bleibt die Gefahr eines erneuten Auflebens dieser Infektion bestehen.

Die Behandlung solcher Infektionen des Kniegelenkersatzes kann langwierig und mit großen Unannehmlichkeiten und Zeitverzögerungen im Heilungs- und Rehabilitationsprozess verbunden sein, was die psychische Belastung der betroffenen Patient(inn)en beträchtlich erhöht.

Wie werden die Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator ermittelt?
Das Krankenhaus dokumentiert für alle Patient(inn)en, bei denen erstmalig ein künstliches Kniegelenk (Knie-Totalendoprothesen-Erstimplantation) eingesetzt wurde, ob nach der Operation Infektionen im Bereich des künstlichen Gelenkersatzes aufgetreten sind.

Aus diesen Angaben wird eine Kennzahl berechnet, deren Ergebnis in Prozent angegeben wird. Sie gibt an, bei wie vielen Patient(inn)en nach dem erstmaligen Erhalt eines künstlichen Kniegelenkes Infektionen im Bereich des operierten Gelenkes vorgekommen sind.

Wie kann man die Versorgungsqualität bewerten?
Für diesen Qualitätsindikator kann keine medizinisch-pflegerisch begründbare Grenze für eine tatsächlich erreichbare gute Qualität festgelegt werden. Als Orientierungshilfe zur Bewertung der Krankenhausergebnisse kann das durchschnittliche Ergebnis in Deutschland (Gesamtrate) herangezogen werden (siehe: Wie sind die Ergebnisse in Deutschland?).

Da es für diesen Indikator keine klar belegbare Grenze für gute Qualität gibt, wird der Referenzbereich genutzt, um die auffälligsten Ergebnisse zu prüfen. Nicht jedes auffällige Ergebnis bedeutet automatisch schlechte Qualität. Daher werden diese Ergebnisse im Strukturierten Dialog gemeinsam durch eine Gruppe von Fachexperten und das Krankenhaus analysiert. Dabei wird geprüft, ob in einem Krankenhaus mit auffälligen Ergebnissen möglicherweise Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.

Wie sind die Ergebnisse in Deutschland?
Welche Versorgungsqualität für dieses Qualitätsziel erwartet werden kann, zeigt das Ergebnis, das 2006 in deutschen Krankenhäusern erreicht wurde: Es betrug 0,55%.

Damit trat bei weniger als 1 von 100 PatientInnen, die 2006 in Deutschland zum ersten Mal einen künstlichen Kniegelenkersatz erhielten, nach der Erstoperation eine Infektion auf.

Wie sind die Krankenhausergebnisse einzuschätzen?
Krankenhäuser mit einer Rate von weniger als 0,55% liegen besser als der Durchschnitt. Krankenhäuser mit einer Rate von mehr als 2% haben ein auffälliges Ergebnis.

Aus auffälligen Ergebnissen kann nicht automatisch auf schlechte Qualität geschlossen werden. Daher werden diese Ergebnisse im Strukturierten Dialog gemeinsam durch eine Gruppe von Fachexperten und das Krankenhaus analysiert. Dabei wird geprüft, ob in einem Krankenhaus mit auffälligen Ergebnissen Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind.

Autoren:
BQS gGmbH, BQS Fachgruppe Orthopädie und Unfallchirurgie, Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

Dieser Text soll Ihnen dabei helfen, die Ergebnisse der Externen Qualitätssicherung zu nutzen. Haben wir dieses Ziel erreicht? War der Text für Sie von Nutzen, verständlich, zu kurz oder zu ausführlich?

Bitte nehmen Sie sich für eine kurze Bewertung Zeit: Ihre Einschätzung und Vorschläge helfen uns, besser zu werden.

zum Bewertungsformular