Rationale
Bei axillärem Lymphknoten-Befall erlaubt die operative
Entfernung der Achsellymphknoten nicht nur eine diagnostische und prognostische
Aussage. Sie hat auch einen geringen therapeutischen Effekt durch Minderung des
Lokalrezidiv-Risikos.
Die Axilladissektion sollte die Level I und II umfassen. Hierbei
müssen 10 oder mehr Lymphknoten entfernt werden (Kreienberg et al. 2008). Durch
dieses Vorgehen wird in etwa 97% aller Fälle eine korrekte Aussage über den
Befall axillärer Lymphknoten erreicht (Fisher et al. 1985, Cabanes et al. 1992,
Petrek & Blackwood 1995) (LOE IIa).
Grundlage dieser Empfehlung sind patho-anatomische
Überlegungen und Untersuchungen. Es handelt sich bei der Ausbreitung in den
axillären Lymphknoten um ein sequentielles Geschehen, d. h. normalerweise
werden nach dem Befall der Lymphknoten des Levels I die des Levels II und
nachfolgend die des Levels III befallen. Der Befall der Lymphknoten des Levels
II ohne Befall des Levels I wird in etwa 1,5% aller Fälle beobachtet. Dagegen
sind sogenannte ”skip- Metastasen“ isoliert im Level III mit 0,4% selten
(Foster 1996, Veronesi et al. 1987) (LOE IIa).
Unterstützt wird diese Empfehlung auch von prospektiv
erhobenen Daten bezüglich des rezidivfreien und Gesamtüberlebens großer
randomisierter Studien (Fisher et al. 1985, Fowble et al. 1989, Hayward & Caleffi 1987, Fisher et al. 1981). Die alleinige
klinische oder apparative Beurteilung der Axilla reicht nicht aus, da diese
Methode eine niedrige Spezifität und Sensitivität hat.
Bezüglich des Gesamtüberlebens führt die Axilladissektion zu
einer Verbesserung der 5-Jahres-Überlebensrate um 4%. Dies wurde in einer
randomisierten Studie untersucht (96,6% in der Gruppe der Patientinnen mit
Axilladissektion vs. 92,6% der Patientinnen ohne Axilladissektion) (Cabanes et
al. 1992) (LOE Ia).
Bei frühen Mammakarzinom-Befunden ohne klinisch
(palpatorisch und sonographisch) fassbare axilläre Lymphknoten-Metastasen soll
die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (SLNB) unter den Bedingungen einer strengen
Qualitätssicherung eingesetzt werden (Kreienberg et al. 2008). Letztere sind in
den Konsensus-Empfehlungen der ”Deutschen Gesellschaft für Senologie“
niedergelegt und werden inzwischen auch international als beispielhaft
angesehen (Kühn et al. 2003, Kühn et al. 2005). Für die SLNB im Rahmen
neoadjuvanter Therapiekonzepte (Reitsamer et al. 2003, Bauernfeind & Kühn
2007) liegt noch keine abschließende Bewertung vor. Der Einsatz der SLNB
basiert auf folgenden Überlegungen:
Sentinel Lymphknoten (SLN) sind die ersten im Lymphabfluss
eines Mammakarzinoms und sind daher mit hoher Wahrscheinlichkeit wesentlichster
Indikator für einen metastatischen Befall der Axilla. Sind sie tumorfrei, kann
angenommen werden, dass auch die nach geschalteten Lymphknoten tumorfrei sind.
Damit können die Dissektion des gesamten Lymph-Fettgewebes der Axilla und die
daraus resultierenden Kurz- und Langzeit-Folgen vermieden werden (Armer et al.
2004, Peintiger et al. 2003). Da die SLNB einen rein diagnostischen Eingriff
darstellt, muss bei metastatischem Befall der SLN aus therapeutischen Gründen die
klassische axilläre Dissektion der Lymphknoten nachgeholt werden.
(Die Literaturrecherche und -bewertung zur Axilladissektion
erfolgte durch Herrn Professor R. Kreienberg. Eine Kommentierung wurde durch
die Fachgruppe Mammachirurgie vorgenommen. Die Rationale zur
Sentinel-Lymphknoten-Biopsie wurde ergänzt durch einen Auszug aus einer nicht
veröffentlichten Literaturrecherche von Herrn Professor K.-D. Schulz.)
Stand 31.03.2008