Rationale
Bei Tumorbefall der
axillären Lymphknoten erlaubt deren operative Entfernung nicht nur eine
prognostische Aussage. Sie hat auch einen geringen therapeutischen Effekt durch
Minderung des Lokalrezidiv-Risikos (Fisher et al. 1981, Fisher et al. 1985, Fowble
et al. 1989, Hayward & Caleffi 1987). Eine sichere Aussage über einen
Befall der Lymphknoten setzt die histologische Untersuchung von mindestens zehn
Lymphknoten voraus (Kreienberg et al. 2008), es sei denn, es wurde eine
Sentinel-Lymph-Node-Biopsie (SLNB) durchgeführt.
Die Axilladissektion sollte die Level I und II umfassen.
Durch dieses Vorgehen wird in etwa 97% aller Fälle eine korrekte Aussage über
den Befall axillärer Lymphknoten erreicht (Fisher et al. 1985, Cabanes et al.
1992, Petrek & Blackwood 1995) (LOE IIa).
Grundlage dieser Empfehlung sind patho-anatomische
Überlegungen und Untersuchungen. Zum einen handelt es sich bei der Ausbreitung
in den axillären Lymphknoten um ein sequentielles Geschehen, d. h.
normalerweise werden nach dem Befall der Lymphknoten des Levels I, die des
Levels II und nachfolgend die des Levels III befallen. Der Befall der
Lymphknoten des Levels II ohne Befall des Levels I wird in etwa 1,5% aller
Fälle beobachtet. Dagegen sind sogenannte ”skip- Metastasen“ isoliert im Level
III mit 0,4% selten (Foster
1996, Veronesi et al.
1987) (LOE IIa).
Unterstützt wird diese Empfehlung auch von prospektiv
erhobenen Daten bezüglich des rezidivfreien und Gesamtüberlebens großer
randomisierter Studien (Fisher et al. 1985, Fowble et al. 1989, Hayward &
Caleffi 1987, Fisher et al. 1981). Die alleinige klinische oder apparative
Beurteilung der Axilla reicht nicht aus, da diese Methode eine niedrige
Spezifität und Sensitivität hat. Bezüglich des Gesamtüberlebens führt die
Axilladissektion zu einer Verbesserung der 5-Jahres-Überlebensrate um 4%. Dies
wurde in einer randomisierten Studie untersucht (96,6% in der Gruppe der
Patientinnen mit Axilladissektion vs. 92,6% der Patientinnen ohne
Axilladissektion) (Cabanes et al. 1992) (LOE Ia).
Nach neoadjuvanter
Therapie schwindet das lymphatische Gewebe manchmal stark oder gar vollständig
und es gibt Probleme, die kleinen Lymphknoten zu präparieren bzw. die regressiv
veränderten Lymphknotenmetastasen nachzuweisen. Bei diesen Fällen handelt es sich
aber zumeist um prognostisch ungünstige Tumoren, die ebenfalls eine
vollständige axilläre Lymphknotendissektion erfordern. Hier ist der Pathologe
gefordert, der unter den gegebenen Umständen das Gewebe subtiler aufarbeiten
sollte.
Bei sehr kranken Patientinnen
kann nach Abwägen von Nutzen und Risiko auf eine Axilladissektion gänzlich
verzichtet werden. Alternativ ist zwecks Verringerung der postoperativen
Morbidität einzig die SLNB in ihrem Nutzen gesichert.
(Die Literaturrecherche und -bewertung dieses Qualitätsindikators
erfolgte durch Herrn Professor R. Kreienberg. Eine Kommentierung wurde durch
die Fachgruppe Mammachirurgie vorgenommen.)
Stand 31.03.2008