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Rationale

Über Jahrzehnte galt die komplette Ausräumung der axillären Lymphknoten (axilläre Lymphonodektomie, ALD) neben der Entfernung des Primärtumors als Standardmaßnahme für die operative Therapie des Mammakarzinoms. Dabei lag die Zielsetzung einerseits in der Sicherung der lokalen Tumorkontrolle im Bereich der Lymphabflusswege. Andererseits hat der Nodalstatus eine ausgeprägte prognostische Aussagekraft, sodass die ALD eine wesentliche Grundlage für die Planung adjuvanter Therapieformen darstellt. Der Eingriff ist mit einer relativ hohen, mehr als 30-prozentigen Morbidität verbunden, die vor allem durch Lymphödeme, chronisch-rezidivierende Bewegungseinschränkungen des Armes und Sensibilitätsstörungen gekennzeichnet ist (Kuehn et al. 2000).

Beim frühen Mammakarzinom wurde die ALD in jüngster Zeit durch die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (SLNB) ersetzt. Sentinel-Lymphknoten (SLN, auch Wächterlymphknoten genannt) sind die ersten Lymphknoten im Lymphabfluss eines Mammakarzinoms: Sie werden mit der höchsten Wahrscheinlichkeit von Metastasen befallen. Sind sie tumorfrei, kann angenommen werden, dass auch die nach geschalteten Lymphknoten tumorfrei sind. Die gezielte Entfernung der SLN ist im Vergleich zur Dissektion des gesamten Lymph- und Fettgewebes der Axilla mit einer geringeren Morbidität verbunden (Armer et al. 2004, Peintinger et al. 2003). Dabei ist die diagnostische Aussagekraft gleichwertig und bestehende Heilungschancen bleiben erhalten (Veronesi et al. 2006). Allerdings stehen Langzeitergebnisse noch aus.

Da die SLNB ein rein diagnostischer Eingriff ist, muss bei metastatischem Befall der SLN aus therapeutischen Gründen die klassische axilläre Dissektion der Lymphknoten nachgeholt werden. Hieraus ergibt sich, dass das unifokale Mammakarzinom mit klinisch negativem Nodalstatus als Standardindikation für die SLNB gilt. Dabei wird der Tumorgröße eine immer geringere Bedeutung zugeordnet, so dass zunehmend auch Patientinnen mit größeren Tumoren (T2) einer alleinigen SLNB zugeführt werden (Kühn 2007, Kreienberg et al. 2008). Für Patientinnen mit multizentrischen Karzinomen (Kühn 2007) und neoadjuvanten Therapieansätzen liegt noch keine abschließende Bewertung vor (Bauernfeind et al. 2007, Reitsamer et al. 2003).

Der Einsatz der SLNB ist nur unter Einhaltung strenger Qualitätsanforderungen zulässig. Diese sind in den Konsensus-Empfehlungen der ”Deutschen Gesellschaft für Senologie“ niedergelegt und werden inzwischen auch international als beispielhaft angesehen (Kühn et al. 2003, Kuehn et al. 2005). Besonders zu betonen sind hier die sorgfältige Aufklärung der Patientin, die konsensus-basierte Indikationsstellung, ein methodisches Training der operierenden Ärzte und die Qualität der pathomorphologischen Aufarbeitung der Gewebsproben. Dies ist umso wichtiger, als bei zunehmender Inanspruchnahme qualitätsgesicherter Früherkennungs-Programme frühe Mammakarzinom-Formen häufiger werden (Cantin et al. 2001).



Stand 31.03.2008