Rationale
Die Störung des Gasaustausches in der Lunge bei einer
Pneumonie kann in Abhängigkeit vom Schweregrad zu einer therapiebedürftigen
Unterversorgung mit Sauerstoff führen. Eine Sauerstoffmangelversorgung ist
einer der wichtigsten Indikatoren zur Erkennung einer schweren Pneumonie und
erhöhter kurzfristiger Sterbewahrscheinlichkeit (Meehan et al. 1997; Alberta
Medical Association 2006). Fine et al. (1997) konnten nachweisen, dass
Hypoxämie auch ohne weitere Risikofaktoren das Letalitätsrisiko erhöht. Eine
Untersuchung der Sauerstoffsättigung bei der Aufnahme gibt dem behandelnden
Arzt Informationen zu dem Schweregrad der Krankheit, den Therapieoptionen und
dem Behandlungsrisiko. Je früher diese Informationen verfügbar sind, desto eher
können Entscheidungen für angemessene medizinische Maßnahmen getroffen werden.
Daher wird bei immunkompetenten (d. h. nicht abwehrgeschwächten) Patienten, die
wegen einer ambulant erworbenen Pneumonie stationär behandelt werden, die
Bestimmung der Sauerstoffsättigung des Blutes empfohlen (IDSA / ATS 2007,
American Thoracic Society 2001; Empfehlungsgrad A lt. Höffken et al. 2005).
Diese Bestimmung kann mittels Blutgasanalyse oder mittels Pulsoxymetrie
durchgeführt werden und soll innerhalb der ersten 8 Stunden nach der Aufnahme
vorgenommen werden; Empfehlungsstärke A von A bis E, Evidenzgrad III von I bis
III (Mandel et al. 2003).
Bei der Auswertung dieses
Qualitätsindikators werden drei Gruppen dargestellt. Gruppe 1 beinhaltet alle
Patienten. Gruppe 2 beinhaltet die Patienten, die nicht aus einem anderen
Krankenhaus aufgenommen wurden. In der Gruppe 3 befinden sich die Patienten,
die aus einem anderen Krankenhaus verlegt wurden. Da es bis zum Erfassungsjahr
2007 keine unterschiedlichen ICD-Kodes für ambulant und im Krankenhaus
erworbene Pneumonien gab, ist die Auslösebedingung durch die verschlüsselte
DRG-Hauptdiagnose ”Pneumonie“ festgelegt. Hierdurch sind die Fälle von
Patienten, die während des aktuellen stationären Aufenthaltes eine Pneumonie
erleiden, nicht dokumentationspflichtig. Die stratifizierte Auswertung in den
drei Gruppen dient dazu, die Fälle, bei denen aufgrund der Übernahme aus einem
anderen Krankenhaus nicht sicher differenziert werden kann, ob eine ambulant
oder eine im Krankenhaus erworbene Pneumonie vorliegt, gesondert darstellen zu
können.
Die Messung des
Sauerstoffgehaltes im Blut wird jedoch für alle Patienten gefordert, die mit
einer Pneumonie aufgenommen werden, da sowohl für akut erkrankte Patienten, die
zur Erstaufnahme ins Krankenhaus kommen, als auch für Patienten, die zur
Weiterbehandlung verlegt werden, diese Basisuntersuchung von grundlegender
Bedeutung und mit geringem zeitlichen und finanziellen Aufwand durchzuführen
ist.
Stand 31.03.2008