Zusammenfassung
Die Entfernung des Wurmfortsatzes (Appendektomie) ist einer der am
häufigsten durchgeführten operativen Eingriffe in allgemein- und
viszeralchirurgischen Abteilungen.
Für die externe Qualitätsdarstellung wurden von der Fachgruppe fünf
Qualitätsziele definiert, von denen drei für die Berichterstattung im
BQS-Qualitätsreport ausgewählt wurden. Diese ermöglichen Aussagen zur
Qualität der Diagnosestellung bei Patienten, bei denen der Verdacht auf
eine akute Appendizitis (Wurmfortsatzentzündung) besteht, sowie zu Rate
an Wundinfektionen nach Appendektomie.
Die Diagnose der akuten Appendizitis ist für den Chirurgen in vielen
Fällen schwierig zu stellen, da sie sich auf unspezifische Zeichen wie
rechtsseitige Unterbauchschmerzen, Fieber, erhöhte Entzündungsparameter
oder Hinweise aus der Vorgeschichte des Patienten gründet. Bei Frauen
sind diese Zeichen möglicherweise Ausdruck gynäkologischer
Erkrankungen, bei kleinen Kindern und alten Menschen können sie fehlen.
Eine großzügige Indikationsstellung führt zu einer höheren Rate von
nicht notwendigen Operationen, während eine zu enge Indikationsstellung
möglicherweise mit einer erhöhten Rate von Perforationen des
Wurmfortsatzes (Blinddarmdurchbrüche) einhergeht. Eine Überprüfung der
klinischen Diagnose „Akute Appendizitis“ kann durch eine nach der
Operation vom Pathologen durchgeführte feingewebliche Untersuchung des
Wurmfortsatzes erfolgen.
In der Bundesauswertung 2003 lag bei 75,07% aller Patienten mit
klinischer Verdachtsdiagnose „Akute Appendizitis“ die histologische
Diagnose „Akute Entzündung“ oder „Perforation“ vor. Das Ergebnis bewegt
sich innerhalb der aus der Literatur bekannten Daten und ist aus Sicht
der Fachgruppe als Ausdruck akzeptabler Versorgungsqualität zu werten.
Auffällig ist bei den Ergebnissen zu diesem Qualitätsindikator eine
hohe Spannweite mit Krankenhausergebnissen zwischen 0,0 und 100,0%.
Bei 53 von 1.092 Krankenhäusern konnte in weniger als 50,0% der Fälle
(5%-Perzentile der Krankenhausergebnisse) die klinische
Verdachtsdiagnose „Akute Appendizitis“ durch den histologischen Befund
bestätigt werden. Mit diesen Krankenhäusern soll auf der Landesebene
ein Strukturierter Dialog eingeleitet werden.
Eine histologische Untersuchung durch den Pathologen fand nach 95,84%
aller Operationen statt. Dieses Ergebnis liegt oberhalb des von der
Fachgruppe festgelegten Referenzwertes von 95% und wird ebenfalls als
Ausdruck akzeptabler Versorgungsqualität gewertet. Auch bei den
Ergebnissen zu diesem Qualitätsindikator zeigt sich eine große
Spannweite. 237 von 1.115 Krankenhäusern liegen außerhalb des
Referenzbereichs und sollen im Strukturierten Dialog auf Landesebene um
eine Stellungnahme gebeten werden.
Die Fachgruppe legt Wert auf die Feststellung, dass in einem zunehmend
marktwirtschaftlich orientierten Gesundheitswesen ökonomische Gründe
keineswegs zu einer Absenkung der Rate von histologischen
Untersuchungen führen dürfen, da der Chirurg nur auf diesem Wege eine
Rückmeldung über die Qualität seiner Diagnosestellung erhält.