Qualitätsziel
Oft Bestätigung der klinischen Verdachtsdiagnose „Akute Appendizitis“ durch histologischen Befund
Qualitätsindikator
Die klinische Diagnose der akuten Appendizitis ist im Einzelfall
schwierig zu stellen, da sie auf wenig sensitiven und spezifischen
Parametern wie der Anamnese, dem Vorhandensein von rechtsseitigen
Unterbauchschmerzen und erhöhten Entzündungsparametern beruht.
Insbesondere bei Kindern und alten Menschen können die typischen
Zeichen der akuten Appendizitis fehlen, während sie bei Frauen Ausdruck
einer gynäkologischen Erkrankung sein können (Andersson et al. 1999).
Die Rate falsch negativer Appendektomien wird in der Literatur mit
12 bis 28,8% angegeben. Sie liegt bei Frauen doppelt so hoch wie bei
Männern. Eine unkritische Diagnosestellung führt zu einer erhöhten Rate
von unnötigen Eingriffen (Andersson et al. 1992, Hale et al. 1997, Koch
et al. 2000).
Dagegen führt eine zu kritische Diagnosestellung möglicherweise zu
einer höheren Anzahl von Patienten mit perforierter Appendizitis. Daher
sollte die Betrachtung der Ergebnisse dieses Qualitätsindikators in
Verbindung mit den Ergebnissen des Qualitätsindikators „Perforation und
präoperative Verweildauer“ erfolgen. Diese sind auf der
Ergebnishomepage der BQS unter www.bqs-outcome.de einzusehen.
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Patienten mit Verdacht
auf akute Appendizitis
Zähler: Patienten mit histologischem Befund
„Akut entzündet“ oder „Perforation“
Referenzbereich
Referenzbereich: ≥50% (5%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: Eine unkritische Diagnosestellung
führt zu einer erhöhten Rate von unnötigen Eingriffen. Die Rate
negativer Appendektomien sollte 20% nicht überschreiten (Siewert et al.
2002). Dieser Wert lässt sich allerdings anhand von Daten der Literatur
nicht hart genug begründen. Daher hat sich die Fachgruppe hier für die
Festlegung einer Perzentile entschieden.
Bewertung
Das Ergebnis zu diesem Qualitätsindikator bewegt sich innerhalb der
aus der Literatur bekannten Daten und ist als Ausdruck akzeptabler
Versorgungsqualität zu werten. Bei der Bewertung des Ergebnisses ist zu
berücksichtigen, dass bei der histologischen Beurteilung durch den
Pathologen die Anwendung gleicher Diagnosekriterien nicht vorausgesetzt
werden kann.
Auffällig ist eine hohe Spannweite mit Krankenhausergebnissen
zwischen 0,0 und 100,0%. Bei 53 von 1.092 Krankenhäusern konnte in
weniger als 50% der Fälle (5%-Perzentile der Krankenhausergebnisse) die
klinische Verdachtsdiagnose „Akute Appendizitis“ durch den
histologischen Befund bestätigt werden.
Mit diesen Krankenhäusern soll auf der Landesebene ein
Strukturierter Dialog eingeleitet werden, in dem auch die Ergebnisse
zum Qualitätsindikator „Perforation und präoperative Verweildauer“
Berücksichtigung finden sollen. Die gemeinsame Betrachtung der
Ergebnisse zu diesen beiden Indikatoren ermöglicht eine ausgewogene
Bewertung der Diagnosestellung.