Zusammenfassung
Im Leistungsbereich Geburtshilfe werden alle Entbindungen in
Krankenhäusern erfasst. Dokumentiert werden versorgungsrelevante
Informationen zur Mutter und zum Neugeborenen. Von den neun definierten
Qualitätsindikatoren wurden für die Berichterstattung im
BQS-Qualitätsreport vier ausgewählt, die Aspekte der Ergebnisqualität
und der Prozessqualität betrachten. Diese Zusammenfassung stellt zwei
Qualitätsindikatoren mit besonderer Bedeutung für den Strukturierten
Dialog mit den Krankenhäusern vor.
Azidose bei reifen Einlingen mit Nabelarterien-pH-Bestimmung: Eine
Übersäuerung (Azidose) im Nabelarterienblut weist auf einen
Sauerstoffmangel unter der Geburt hin. Nabelarterien-pH-Werte sind
- normal, wenn der pH-Wert >7,11 ist.
- grenzwertig bei pH-Werten ≥6,99 und ≤7,11.
- kritisch, wenn der pH-Wert <6,99 ist.
Da das Unterschreiten des pH-Wertes 7,00 gehäuft mit anhaltenden
schwerwiegenden Störungen der Anpassung des Kindes sowie mit einem
Anstieg von Sterblichkeit und Morbidität verknüpft ist, soll der Anteil
der Kinder mit einem Nabelarterien-pH-Wert unter 7,00 möglichst gering
sein. Für diesen Qualitätsindikator ist die 75%-Perzentile (0,3%) als
obere Grenze des Referenzbereichs gewählt worden. Bei 1.004 Kindern
(0,20%) wurde ein pH-Wert von unter 7,00 dokumentiert. Dieses Ergebnis
wird ausgehend von der klinischen Erfahrung der Fachgruppe als gute
Versorgungsqualität interpretiert.
Von 920 Krankenhäusern mit mindestens 20 Fällen in der
Grundgesamtheit haben 230 den Referenzbereich nicht erreicht. Die
Spannweite der Krankenhausergebnisse reicht von 0,0 bis 3,7%.
Krankenhäuser mit auffälligen Ergebnissen sollen um eine Stellungnahme
im Strukturierten Dialog gebeten werden.
Antenatale Kortikosteroidtherapie: Eine Frühgeburt in einem
Schwangerschaftsalter von unter 34 Wochen kann zu einer
lebensbedrohlichen Atemnot des Kindes führen, da die Ausbildung der
Lungenreife noch nicht abgeschlossen ist. Daraus resultierende
schwerwiegende Komplikationen und Sterblichkeit können durch eine
Behandlung mit Kortikosteroiden vor der Geburt erheblich gesenkt
werden.
Internationale Leitlinien empfehlen zur Induktion der Lungenreife
des Kindes dringend eine häufige antenatale Kortikoidtherapie von
Müttern, die bei drohender Frühgeburt ein Schwangerschaftsalter von
unter 34 Wochen und einen präpartalen stationären Aufenthalt von
mindestens zwei Kalendertagen haben.
Der Referenzbereich wurde auf ein hohes Niveau von mindestens 95%
festgelegt. Die Gesamtrate für die Durchführung der antenatalen
Kortikosteroidtherapie betrug 59,06%. Dieser Anteil liegt auch unter
Berücksichtigung der möglichen Gegenanzeigen deutlich unter dem
angestrebten Ziel von mindestens 95%. Hier wird von einer deutlich
verbesserungsbedürftigen Versorgung ausgegangen.
In 114 von 939 Krankenhäusern wurden mindestens 20 Frühgeborene in
der oben beschriebenen Grundgesamtheit versorgt. Davon erreichen 109
nicht den Referenzbereich. Im Strukturierten Dialog sollen alle
Krankenhäuser mit auffälligen Ergebnissen um eine Stellungnahme gebeten
werden.
Es handelt sich um ein Schwerpunktproblem der heutigen Geburtshilfe,
das aus Sicht der Fachgruppe im Strukturierten Dialog prioritär
behandelt werden soll. Die Fachgesellschaften sind aufgerufen, eine
separate Leitlinie zur antenatalen Kortikosteroidtherapie zu erstellen.
Dieses Qualitätsziel ist von besonderer interdisziplinärer Bedeutung
für die Geburtshilfe wie auch für die Neonatologie und beruht auf
internationalen Leitlinien.