Qualitätsziel
Möglichst viele Patientinnen mit medikamentöser Thromboseprophylaxe bei Hysterektomie
Qualitätsindikator
Thrombosen und Lungenembolien sind mit einer hohen Morbidität und
Letalität behaftet. In entwickelten Ländern gehören Lungenembolien zu
den häufigsten Todesursachen im Krankenhaus. Die Behandlung von
Folgekrankheiten wie zum Beispiel die chronisch-venöse Insuffizienz
verschlingt enorme Kosten. Effektive prophylaktische Maßnahmen sind
bekannt: eine niedrig dosierte Heparinprophylaxe reduziert die
Thrombose-Inzidenz signifikant um 67%. Auch Lungenembolien treten
signifikant seltener auf. Trotz dieser Erkenntnisse ist eine hohe
regionale Variabilität für die Heparinprophylaxe nachgewiesen worden
(Nicolaides 2001).
Speziell nach gynäkologischen Operationen wird in Abwesenheit
prophylaktischer Maßnahmen bei gutartiger Grunderkrankung von einer
Thrombosehäufigkeit von 14% (95%-Vertrauensbereich 11 bis 17%), bei
bösartiger Grunderkrankung von 22% (95%- Vertrauensbereich 17 bis 26%)
ausgegangen (Nicolaides 2001). Clark-Pearson et al. (1990) konnten in
einer randomisierten kontrollierten Studie nachweisen, dass eine
Heparinprophylaxe bei gynäkologisch-onkologischen Patientinnen die
Inzidenz von Thromboembolien von 18% auf 9% bzw. 6% je nach
Dosierungsschema signifikant reduziert. Auch Nicolaides (2001)
empfiehlt eine Heparinprophylaxe bei Hysterektomien an Patientinnen ab
40 Jahren und bei allen Patientinnen mit Karzinomchirurgie unabhängig
vom Alter. Für Hysterektomien bei Frauen unter 40 Jahren ohne
zusätzliche Risikofaktoren wird das Thromboserisiko als gering
eingestuft. Der Nutzen einer Thromboseprophylaxe in dieser
Patientinnengruppe bleibt unklar. In dieser Altersklasse muss eine
Abwägung anhand des individuellen Risikoprofils erfolgen.
Da die Konsensus-Empfehlungen (Nicolaides 2001) auf der Basis von
randomisierten kontrollierten Studien entwickelt wurden, wird für
diesen Indikator ein Evidenzgrad Ib (AHCPR) erreicht.
Anhand dieses Indikators wird die Qualität des Prozesses gemessen,
weil die Erfassung der Ergebnisse anhand der Raten von Thrombosen und
Embolien methodisch erhebliche Probleme aufweist. Thrombosen und
Embolien treten häufig erst nach der stationären Entlassung auf, eine
gezielte Erfassung wie in prospektiven Studien wird in der stationären
Routineversorgung in der Regel nicht durchgeführt.
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Patientinnen mit Hysterektomie und einer gültigen Altersangabe ≥ 40 Jahre
Zähler: Patientinnen mit medikamentöser Thromboseprophylaxe
Erläuterung der Rechenregel: Hysterektomien sind definiert über die
OPS-Kodes (Version 2.1) 5-682*, 5-683*, 5-684*, 5-685*, 5-686*. Die
Angabe zusätzlicher OPS-Kodes ist erlaubt.
Referenzbereich
Referenzbereich: =100%
Erläuterung zum Referenzbereich: Bei Frauen ab 40 Jahren wird in
Konsensus-Empfehlungen (Nicolaides 2001) eine Thromboseprophylaxe
empfohlen. Da es verschiedene Substanzen zur medikamentösen
Thromboseprophylaxe gibt, kann bei Kontraindikationen (z.B. Allergie)
auf ein Alternativpräparat zurückgegriffen werden. Deshalb wird der
Referenzbereich bei 100% angesetzt.
Bewertung
Die Thromboseprophylaxe ist eine effektive Methode zur Verringerung
der postoperativen Morbidität und Letalität durch Thrombose oder
Lungenembolie. Deshalb wird sie bei allen Operationen mit einem höheren
thromboembolischen Risiko, so auch bei Hysterektomien an Frauen ab 40
Jahren, empfohlen.
Die durchschnittliche Prophylaxerate in Deutschland bei dieser
Gesamtheit deutet mit 98,04% auf ein sehr hohes Versorgungsniveau hin.
Für die 400 von 886 Krankenhäusern mit mindestens 20 Hysterektomien
bei Frauen ab 40 Jahren und einer Thromboseprophylaxerate unterhalb des
Referenzwertes von 100% wird eine Ursachenanalyse empfohlen. Dies gilt
ganz besonders für ein Krankenhaus mit einer Rate von 0%.