Qualitätsziel
Immer Wahl eines adäquaten Schrittmachers bei AV-Block II. oder III. Grades
Qualitätsindikator
Beim permanenten AV-Block kann durch vorhofsynchrone Kammerstimulation
(DDD, VDD) die Hämodynamik, die Leistungsfähigkeit und die Symptomatik
verbessert werden (Lemke et al. 1996). Allerdings zeigen größere
randomisierte Studien, dass Patienten mit AV-Block bezogen auf
Studienendpunkte wie Vorhofflimmern oder Letalität weniger von einer
„physiologischen“ Stimulation zu profitieren scheinen, als dies bei
Patienten mit SSS der Fall ist (Lamas et al. 1998, 2004, Mattioli et
al. 1998).
Die Empfehlung der deutschen Leitlinie (Lemke et al. 1996) sieht für
den permanten AV-Block ein DDD-System als optimal an. Bei isolierten
AV-Überleitungsstörungen kann ein VDD-System eine akzeptable
Alternative sein, wenn ein SSS ausgeschlossen wurde. Ein VVI-System ist
ungeeignet. Liegt ein intermittierender AV-Block vor, so wird als
optimal ein DDD-System mit Spezialalgorithmen empfohlen. Ein
konventionelles DDD-System oder ein VDD-System sind akzeptabel.
VVI-Systeme sind in diesen Fällen nur bei Interventionsfrequenz unter
45/min akzeptabel, bei höheren Frequenzen ungeeignet.
Møller und Arnsbo (2003) berichten im Jahresbericht des Dänischen
Herzschrittmacherregisters, dass im Jahre 2002 in 92% der Fälle mit
AV-Block das empfohlene System implantiert wurde.
Die amerikanische Leitlinie (Gregoratos et al. 2002) weist darauf hin,
dass AAI-Systeme bei AV-Block ungeeignet sind. In einem Algorithmus
empfiehlt sie den Einsatz von VVI-Systemen,
- wenn chronisches Vorhofflimmern oder eine atriale Tachyarrhythmie besteht und eine
Reversion in den Sinusrhythmus
nicht zu
erwarten ist,
- wenn AV-Synchronizität nicht angestrebt wird.
Wird ein atriales Pacing angestrebt, sind DDD-Systeme zu verwenden,
andernfalls sind bei normaler Sinusknotenfunktion VDD-Systeme möglich.
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Patienten mit AV-Block II. oder III. Grades, bei denen
ein System vom Typ AAI, VVI, DDD oder VDD implantiert wurde
Zähler: Patienten mit optimaler oder akzeptabler Systemwahl gemäß Leitlinie
Referenzbereich
Referenzbereich: ≥90%
Erläuterung zum Referenzbereich: Aus der Literatur ergibt sich kein
Anhalt dafür, in welchem Maße eine Übereinstimmung der klinischen
Praxis mit den gültigen nationalen Leitlinien zu fordern ist. Die
Bundesauswertung 2002 hat gezeigt, dass die Rate der Übereinstimmung
mit der Leitlinie in der Regel über 90% lag. Das Dänische
Herzschrittmacherregister 2002 weist für den AV-Block eine Konformität
mit dem empfohlenen Mode von 92% aus (Møller & Arnsbo 2003). Die
Fachgruppe Herzschrittmacher hat daher für die Bundesauswertung 2003
den Referenzbereich ≥90% für alle Qualitätsindikatoren zur Systemwahl
festgelegt.
Bewertung
Mit einer Gesamtrate von 89,31% leitlinienkonformer Systemauswahl
(optimal oder akzeptabel) wird die von der Fachgruppe festgesetzte
Referenzgrenze von 90% fast erreicht. Auffällig ist, dass bei 16,84%
der Patienten mit häufigem Auftreten eines höhergradigen AV-Blocks
(Gruppe 1) ein VVI-Schrittmacher implantiert wurde.
Die Spannweite der Krankenhausergebnisse betrug 50,0 bis 100,0%. 302
von 898 Krankenhäusern mit mindestens 20 Fällen in der Grundgesamtheit
lagen mit ihrem Ergebnis außerhalb des Referenzbereichs.
Die beschriebene Diskrepanz zur Empfehlung der deutschen Leitlinie mag
an der derzeit widersprüchlichen Studienlage oder an der individuellen
Abwägung der Systemauswahl liegen. Dies gilt es im Strukturierten
Dialog zu klären.