Qualitätsziel
Möglichst selten Infektionen von Anteilen des Schrittmacher-Systems bezogen auf das Implantationsvolumen der eigenen Institution
Qualitätsindikator
Infektionen stellen eine seltene, aber ernste Komplikation der
Schrittmacherimplantation dar. Die Infektion kann die Aggregattasche
und/oder die Sonden im Verlauf der Venen bzw. im Herzen selbst
betreffen. Systemische Infektionen können die Trikuspidalklappe mit
erfassen. Die Bildung von Thromben ist möglich. Frühe Infektionen
nehmen häufig in der Implantationsoperation selbst ihren Ursprung,
späte Infektionen können nach Perforation des Schrittmachers entstehen.
Furuya und Lowy weisen auf die Rolle der „Biofilme“ hin: Von
Mikroorganismen stammende Ablagerungen auf implantierten
Schrittmachersonden beeinträchtigen unter Umständen die Wirksamkeit von
Antibiotika auf Bakterien (Furuya & Lowy 2003).
Diverse Risikofaktoren wie z.B. Diabetes mellitus, Immunsuppression
oder die Dauer des Eingriffs werden diskutiert (Karchmer &
Longworth 2002).
Die klinischen Infektionszeichen können sehr variabel sein, die
Blutkulturen sind häufig negativ. Wird ein Erreger nachgewiesen, so
handelt es sich meistens um Staphylokokken (Karchmer & Longworth
2002). Besonders hoch scheint die Infektionsgefahr nach Wechsel- und
Revisionsoperationen zu sein. Einzelne Autoren vertreten die Meinung,
dass vor jedem Wechsel überprüft werden soll, ob die Indikation zum
Schrittmacher wirklich weiter besteht (Bracke et al. 2004). Bei jungen
Herzschrittmacherpatienten, v.a. bei Patienten mit angeborenen
Herzfehlern, scheinen Infektionen häufiger aufzutreten, u.a. deshalb,
weil bei ihnen die Revisionsrate höher ist (Cohen et al. 2002, Klug et
al. 2003).
Methodik
Rechenregel:
Bezug: Alle in den für den Leistungsbereich
„Herzschrittmacher-Revision/-Explantation“ (09/3) teilnehmenden
Krankenhäusern dokumentierten Patienten der Leistungsbereiche
„Herzschrittmacher-Erstimplantation“ (09/1) und
„Herzschrittmacher-Aggregatwechsel“ (09/2)
Zähler: Patienten mit Infektion als Indikation zur Revision bzw.
Explantation von Sonden oder mit Infektion, Perforation als Indikation
zur Revision bzw. Explantation des Schrittmacher-Aggregats bei
vorangegangener Schrittmacher-Operation im selben Krankenhaus
Referenzbereich
Referenzbereich: ≤1%
Erläuterung des Referenzbereichs: Orientiert an den
Verlaufsbeobachtungsergebnissen des dänischen Schrittmacherregisters zu
Infektionen nach Schrittmachereingriffen und den Ergebnissen der
Bundesauswertung 2002 hat die Fachgruppe ≤1% als Referenzbereich
festgelegt. Das heißt, Krankenhäuser, bei denen das Verhältnis Revision
wegen Infektion zu Eingriffsvolumen 1/100 überschreitet, gelten als
auffällig.
Bewertung
Das Gesamtergebnis von 0,36% muss auch im internationalen Vergleich
als gut gewertet werden. Die Analyse der Krankenhausergebnisse zeigt
jedoch, dass 59 von 549 Krankenhäusern mit mindestens 20 Fällen bzw. 7
von 45 Krankenhäusern mit weniger als 20 Fällen ein Ergebnis oberhalb
des Referenzbereichs berichteten.
Die Analyse im Rahmen des Strukturierten Dialogs soll Fragen zur
Strukturqualität (z.B. Ort der Operation) und Prozessqualität (z.B.
Operationsdauer, Antibiotikagabe) des vorausgegangenen Eingriffs bzw.
zum Risikoprofil der betroffenen Patienten beinhalten. Ergänzend sollen
der Zeitpunkt des Auftretens der Infektion und der verursachende Keim
berichtet werden.