Zusammenfassung
Hüft-Totalendoprothesen weisen in der Regel eine Standzeit, d.h.
eine Zeitspanne zwischen Erstoperation und Wechseloperation, von über
15 Jahren auf. Die Erstimplantation einer solchen Prothese bei
Verschleiß des Hüftgelenks (Koxarthrose) verbessert die Lebensqualität
des betroffenen Patienten deutlich. Ebenso ist bei schmerzhafter und
beeinträchtigender Prothesenlockerung ein Prothesenwechsel die
angemessene Behandlung der Beschwerden.
Für die Berichterstattung im BQS-Qualitätsreport wurden zwei
Qualitätsziele ausgewählt, welche die Prozessqualität und die
Ergebnisqualität betrachten.
Für die prognostische Einschätzung und operative Planung eines
Prothesenwechsels muss vor der Operation bekannt sein, ob eine
Infektion des Kunstgelenks vorliegt. Wenn dies der Fall ist, ist die
Kenntnis von Art und Resistenzen des Erregers notwendig, um rechtzeitig
eine effektive und zielgenaue medikamentöse Therapie einleiten zu
können. Die Auffälligkeit bereits eines relevanten laborchemischen
Entzündungszeichens erfordert – bei vorherigem Ausschluss anderer
Infektionsquellen – vor der Wechseloperation eine Gelenkpunktion zum
Erregernachweis.
Bei 46,42% der Patienten, bei denen Entzündungszeichen im Labor
vorlagen, wurde eine Gelenkpunktion durchgeführt. Diese Rate ist
deutlich niedriger als erwartet. Hier ist nach Überzeugung der
Fachgruppe ein erhebliches Verbesserungspotenzial gegeben. Da nur bei
1.131 von 6.485 Fällen (17,4%) überhaupt Entzündungszeichen vorlagen,
wiesen lediglich zwei Krankenhäuser mindestens 20 Fälle in der
Grundgesamtheit auf. Die Berechnung der 5%-Perzentile als
Referenzbereich ist daher hier nicht möglich. Nach Meinung der
Fachgruppe sollte auf Landesebene der Strukturierte Dialog mit allen
Krankenhäusern – unabhängig von der Fallzahl – aufgenommen werden, die
keine Gelenkpunktionen bei Infektionsverdacht dokumentiert haben.
Epidemiologische Studien belegen, dass bei Prothesenwechseln höhere
Komplikationsraten auftreten als bei Primäreingriffen. Dies gilt auch
für die Luxation, bei der der Hüftkopf aus der Hüftpfanne springt. Bei
der Endoprothesenluxation handelt es sich um eine bedeutende
Komplikation der Hüft-TEP-Versorgung. Der Krankenhausaufenthalt
verlängert sich unter Umständen für die betroffenen Patienten
erheblich. Durch die verlängerte Bettruhe besteht eine erhöhte Gefahr
für das Auftreten von Begleiterkrankungen wie Thrombose, Lungenembolie
oder Dekubitus.
Die Gesamtrate der Endoprothesenluxationen betrug 3,12%. Diese Rate ist
im internationalen Vergleich als Ausdruck einer guten
Versorgungsqualität zu werten, auch wenn Angaben in der Literatur wegen
der unterschiedlichen Beobachtungszeiträume nur eingeschränkt mit den
vorliegenden Daten verglichen werden können. Die Spannweite der
Krankenhausergebnisse war mit 0,0 bis 14,3% erheblich. Zwei
Krankenhäuser lagen außerhalb des von der Fachgruppe festgelegten
Referenzbereichs (95%-Perzentile, d.h. ≤9,1%). Mit diesen
Krankenhäusern ist auf der Landesebene der Strukturierte Dialog zu
führen.