Zusammenfassung
Das Karpaltunnelsyndrom ist mit einem geschätzten Auftreten von 1%
in der Allgemeinbevölkerung das häufigste Kompressionssyndrom
peripherer Nerven. Charakteristische Symptome sind nächtliche Schmerzen
und Kribbel-Missempfindungen im Versorgungsgebiet des Nervus medianus.
Konservative Therapieversuche helfen meistens nur vorübergehend. Die in
diesem Leistungsbereich betrachtete Operation zur Druckentlastung des
Karpaltunnelsyndroms gehört zu den häufigsten Operationen in
Deutschland. Jährlich werden ca. 300.000 Eingriffe durchgeführt, von
denen etwa 90% ambulant erfolgen.
Für die externe Qualitätsdarstellung wurden von der Fachgruppe vier
Qualitätsziele definiert. Die zwei für die Berichterstattung im
BQS-Qualitätsreport ausgewählten Qualitätsziele „Immer Indikation
ausreichend gesichert“ und „Selten interfaszikuläre Neurolyse bei
offenen Ersteingriffen bei nicht posttraumatischen Fällen“ betrachten
die Indikationsstellung und einen Aspekt der Ergebnisqualität.
Neben den typischen klinischen Zeichen wie nächtlichen
Missempfindungen, Sensibilitätsstörungen im zweiten bis vierten Finger
oder – in fortgeschrittenen Stadien – Schwächen der äußeren
Daumenmuskulatur liefern elektrophysiologische Untersuchungen einen
entscheidenden Beitrag zur Diagnosesicherung eines
Karpaltunnelsyndroms. Eine sorgfältige Indikationsstellung erfordert
daher immer die Durchführung der elektrophysiologischen Untersuchung
und wird in den Leitlinien dreier wissenschaftlicher Fachgesellschaften
als präoperativ notwendig bezeichnet. Die Gesamtrate der operierten
Patienten mit erfüllten klinischen und elektrophysiologischen
Indikationskriterien liegt mit 90,40% knapp oberhalb des von der
Fachgruppe festgelegten Referenzbereichs von 90%. Dieses Ergebnis ist
auf die Gesamtheit der Patienten gesehen zufrieden stellend. Die
Spannweite der Krankenhausergebnisse reicht von 0,0 bis 100,0%.
Auffällig waren 83 von 273 Krankenhäusern mit mehr als 20 Fällen in der
Grundgesamtheit. Die Ursachen für die Auffälligkeiten sollen im
Strukturierten Dialog geklärt werden.
Bei offenen Erstoperationen, die nicht wegen Verletzungen
(posttraumatisch) durchgeführt werden, soll selten ein Eingriff am
Nerven selbst, die so genannte „interfaszikuläre Neurolyse“,
durchgeführt werden. Diese Neurolysen sollen nur bei schweren
Vernarbungen und Wiederholungsoperationen durchgeführt werden, weil sie
die Durchblutung am Nerven schädigen sowie die Narbenbildung fördern
können und die Durchführung dieser Neurolyse in mehreren
prospektiv-randomisierten Studien im Langzeitverlauf keine
Ergebnisverbesserung im Vergleich zur reinen Dekompression gezeigt hat.
Die Gesamtrate der Fälle mit durchgeführter interfaszikulärer Neurolyse
liegt bei 7,54% und ist damit deutlich höher als der von der Fachgruppe
festgelegte Referenzbereich von ≤2%. Im Strukturierten Dialog sollte
zunächst geprüft werden, ob in den 107 auffälligen von 212
Krankenhäusern ein Dokumentationproblem vorliegt, weil möglicherweise
andere operative Verfahren als interfaszikuläre Neurolyse kodiert
wurden.
Da ein großer Teil der Operationen ambulant erfolgt, hält die
Fachgruppe eine Einbeziehung des ambulanten operativen Sektors in die
externe Qualitätssicherung für sinnvoll. Nach Meinung der Fachgruppe
sollte ein sektorübergreifendes Qualitätssicherungsverfahren der
Nervendekompressionseingriffe mit adäquaten Nachbeobachtungszeiten
etabliert werden, das einen Vergleich der Behandlungsergebnisse nach
ambulanten und nach stationären Eingriffen ermöglicht.