Logo + Home
 
   BQS Online    BQS Outcome    BQS Qualitätsindikatoren Datenbank

Qualitätsziel

Bei offenen Ersteingriffen soll bei nicht posttraumatischen Fällen selten eine interfaszikuläre Neurolyse durchgeführt werden

Qualitätsindikator

Das Prinzip der Operation besteht in der Dekompression des Nervus medianus durch die Spaltung des Retinaculum flexorum. Eingriffe am Nerven selbst sind nur in Ausnahmefällen notwendig. Intraneurale Neurolysen, zu denen die interfaszikulären Neurolysen zu rechnen sind, können die segmentale Durchblutung am Nerven schädigen sowie die Narbenbildung fördern und sollen deshalb nur bei schweren Fibrosen und Reoperationen angewandt werden (Skorpik & Zachs 1998).

Im Jahr 2004 publizierte die Cochrane Collaboration eine systematische Übersicht zu verschiedenen OP-Verfahren beim Karpaltunnelsyndrom (Scholten et al. 2002). Die Durchführung einer interfaszikulären Neurolyse führte in mehreren prospektiv-randomisierten Studien im Langzeitverlauf nicht zu einer Verminderung karpaltunnelassoziierter Symptome im Vergleich zur reinen Dekompression. In der genannten Publikation wurde allerdings eine Tendenz zu schlechteren Ergebnissen im Langzeitverlauf beobachtet.

Methodik

Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Patienten mit offenen Operationen (Schnitt nur in Höhe des Handgelenks oder Schnitt in Höhe des Handgelenks mit Erweiterung des Schnittes bis in die Hohlhand oder Schnitt nur in Höhe der Hohlhand oder Schnitt in Höhe der Hohlhand mit Erweiterung des Schnittes nach zentral) ohne Patienten mit Rezidiveingriffen und ohne Patienten mit posttraumatischer Ursache

Zähler: Patienten mit durchgeführter interfaszikulärer Neurolyse

Referenzbereich

Referenzbereich: ≤2% (10%-Perzentile)

Erläuterung zum Referenzbereich: Eingriffe am Nervus medianus selbst sind nur in Ausnahmefällen notwendig und nach Möglichkeit zu vermeiden, da zusätzliche Narbenbildungen gefördert werden.

Bewertung

Die Gesamtrate der Fälle mit durchgeführter interfaszikulärer Neurolyse liegt bei 7,54% und ist damit deutlich höher als der von der Fachgruppe festgelegte Referenzbereich.

Bei der interfaszikulären Neurolyse handelt es sich nach Auffassung der Fachgruppe um ein potenziell gefährdendes und ressourcenaufwändiges Verfahren. Die Fälle, in denen eine interfaszikuläre Neurolyse bei einem offenen Ersteingriff indiziert sein kann, wie z.B. beim Neurofibrom, sind selten.

Im Strukturierten Dialog sollte zunächst geprüft werden, ob in den auffälligen Krankenhäusern möglicherweise ein Verständnisproblem vorliegt, weil z.B. auch Epineurotomien als interfaszikuläre Neurolyse dokumentiert wurden.