Qualitätsziel
Immer Indikation ausreichend gesichert
Qualitätsindikator
Neben den typischen klinischen Zeichen wie nächtlichen Parästhesien,
Sensibilitätsstörungen im zweiten bis vierten Finger oder – in
fortgeschrittenen Stadien – Schwächen und Hypotrophien der lateralen
Daumenmuskulatur liefern elektrophysiologische Untersuchungen einen
entscheidenden Beitrag zur Diagnosesicherung eines
Karpaltunnelsyndroms. So kann eine Verlängerung der distalen Latenzzeit
bei Reizung mit einem kurzen Stromreiz am Handgelenk ebenso auf eine
Druckläsion des Nervus medianus hinweisen wie eine Verringerung der
sensiblen Nervenleitgeschwindigkeit oder typische elektromyographische
Veränderungen der vom Nervus medianus versorgten Muskulatur. Eine
sorgfältige Indikationsstellung erfordert daher immer die Durchführung
der elektrophysiologischen Untersuchung. In der Regel sollte für eine
Operationsindikation mindestens einer der genannten Tests pathologisch
ausfallen.
Die elektrophysiologische Diagnostik wird in den Leitlinien dreier
wissenschaftlicher Fachgesellschaften als präoperativ notwendig
bezeichnet, ohne dass hierfür Angaben zum Evidenzgrad vorliegen
(Benatar et al. 2001; Martini et al. 2002; Stöhr et al. 2002).
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Patienten
Zähler: Patienten mit verlängerter motorischer distaler Latenz oder
verzögerter sensibler Nervenleitgeschwindigkeit oder pathologischer
Elektromyographie sowie mit typischen nächtlichen Parästhesien in den
Fingern zwei bis vier oder sensiblen Störungen, die mit dem
Karpaltunnelsyndrom übereinstimmen
Referenzbereich
Referenzbereich: ≥90% (10%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: Es sind (seltene) Fälle denkbar, in
denen allein die klinische Symptomatik die Indikation zur Operation
begründet.
Bewertung
Die Gesamtrate der operierten Patienten mit den beschriebenen
klinischen und elektrophysiologischen Indikationskriterien liegt mit
90,40% (Vorjahr: 90,51%) knapp oberhalb des von der Fachgruppe
festgelegten Referenzbereichs von ≥90%. Dieses Ergebnis ist auf die
Gesamtheit der Patienten gesehen zufrieden stellend.
Die Spannweite der Krankenhausergebnisse reicht von 0,0 bis 100,0%.
Auffällig waren 83 von 273 Krankenhäusern mit mehr als 20 Fällen in der
Grundgesamtheit.
Im Strukturierten Dialog mit den auffälligen Krankenhäusern sollte
geklärt werden, ob hier medizinisch begründete Indikationen bestanden,
wie z.B. Therapieresistenz bei konservativer Behandlung und klarem
Beschwerdebild, aber negativen elektrophysiologischen Ergebnissen, oder
ob in den betroffenen Krankenhäusern ein Strukturdefizit in der Art
vorliegt, dass die elektrophysiologischen Untersuchungen grundsätzlich
nicht durchgeführt wurden.
Besonders zu berücksichtigen sind Fälle, bei denen eine
elektrophysiologische Untersuchung als unzumutbar eingestuft werden
kann, wie z.B. bei Kindern, bei frischen Verletzungen mit Einblutung in
den Karpaltunnel, Kompartmentsyndromen nach Stromverletzungen sowie
Verbrennungen und das akute äußerst schmerzhafte Karpaltunnelsyndrom
bei Schwangeren.