Qualitätsziel
Selten erforderliche Reinterventionen wegen Komplikation
Qualitätsindikator
Reinterventionen sind ungeplante Folgeeingriffe wegen Komplikationen
des Primäreingriffs. Die Gesamtrate an Komplikationen nach
Kniegelenk-Endoprothesenwechsel wird in der Literatur mit 26,3% (Saleh
et al. 2002) angegeben. Wie viele Komplikationen zu Folgeeingriffen
führen, lässt sich nicht aus der Literatur ermitteln. Dennoch ist es
von großem praktischem Interesse, wie hoch die Komplikations- und
Reinterventionsrisiken der Knieprothesenwechseloperationen sind, um
daraus in Zukunft Rückschlüsse z.B. bezüglich der Indikationsstellung
zu ziehen.
Möglicherweise ergibt sich aus der längerfristigen Beobachtung
dieses Indikators auch die Empfehlung, operative Zentren zu bilden, die
sich auf Knie-TEP-Eingriffe spezialisieren, wie es eine amerikanische
Konsensuskonferenz nahe legt (NIH Consensus Development Conference on
Total Knee Replacement 2003).
Eine australische randomisierte kontrollierte Studie (Dowsey et al.
1999) beschrieb für Patienten mit elektiven Gelenkersatz-Operationen,
die nach einem klinischen Behandlungspfad betreut wurden, in 10,8% der
Fälle Komplikationen, bei Kontrollpatienten in 28% der Fälle. Eine
Wiederaufnahme erfolgte bei 4,3% (Behandlungspfad-Gruppe) bzw. 13%
(Kontrollgruppe).
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Patienten
Zähler: Patienten mit erforderlicher Reintervention wegen Komplikation
Referenzbereich
Referenzbereich: ≤16,7% (95%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: Angaben in der Literatur zur
Reintervention nach Knie-TEP-Eingriffen weisen für die
Verlaufsbeobachtung meist Ein-Jahres-Zeiträume oder andere
Nachbeobachtungszeiträume auf. Eine Vergleichbarkeit mit dem
stationären Beobachtungszeitfenster der externen Qualitätssicherung ist
daher nicht gegeben.
Bei Wechseleingriffen sind grundsätzlich höhere Komplikationsraten
zu erwarten als bei Ersteingriffen. Die Fachgruppe hat die ≤95%-Perzentile als Referenzbereich festgelegt.
Bewertung
Die Gesamtrate der Fälle mit erforderlicher Reintervention lag bei 4,52%.
Diese Rate lag unter der von der Fachgruppe erwarteten
Reinterventionsrate, so dass insgesamt eine gute Versorgungsqualität
festzustellen ist.
Die Spannweite der Krankenhausergebnisse betrug 0,0 bis 18,2%. Zwei
Krankenhäuser mit mehr als 20 Fällen lagen außerhalb des
Referenzbereichs (95%-Perzentile). Im Strukturierten Dialog soll
untersucht werden, ob in diesen Krankenhäusern besonders häufig
septische Wechseleingriffe durchgeführt wurden. Bei septischen
Wechseleingriffen ist eine höhere Reinterventionsrate plausibel.