Qualitätsziel
Möglichst selten Koronarangiographien mit „Ausschluss KHK“ als
führende Diagnose nach Herzkatheter, wenn die führende Indikation zur
Koronarangiographie „Verdacht auf KHK bzw. Ausschluss KHK“ war
Qualitätsindikator
Die Koronarangiographie liefert morphologische Befunde über das
Koronargefäßsystem. Dabei werden vor allem Art und Ausmaß eventuell
vorhandener Stenosen beurteilt. Als Stenoseschweregrade sind geläufig:
bis 25% (Plaquebildung), Stenosen bis 50% (gering), 51 bis 75%
(mittelgradig), >75 bis 99% (hochgradig) und 100%
(Totalverschluss). Generell kann die KHK in einem Koronargefäß bis
Stenosegrad unter 50% als unbedeutend und ab Stenosegrad 50% als
bedeutend in Bezug auf eine Intervention bezeichnet werden.
Die Erfassung von Ischämiezeichen unterliegt einer gewissen
Unschärfe und die von Angina pectoris-Symptomen einer gewissen
Subjektivität. Die „Vorhersagewahrscheinlichkeit“ in Bezug auf KHK ist
in hohem Maße vom Erfahrungsstand des Arztes abhängig.
Mit Analyse der ex post gestellten Diagnose(n) nach der durchgeführten
Koronarangiographie sind indirekt Rückschlüsse über die ex ante
erfolgte Indikationstellung vor dem Eingriff möglich. Die
internationalen Leitlinien nehmen zu dieser speziellen Fragestellung
nicht direkt Stellung.
Die seltene führende Diagnose „Ausschluss KHK“ nach Herzkatheter kann somit als Qualitätsindikator verwendet werden.
Das PTCA-Register der Arbeitsgemeinschaft Leitender Kardiologischer
Krankenhausärzte (ALKK) berichtet von folgender Verteilung der
Diagnosen in den Jahren 2001 bis 2002: Ausschluss KHK in 9,4%,
KHK-Stenose <50% in 9,0%, KHK-Stenose ≥50% in 69,5% sowie
Kardiomyopathie in 2,8%, Aortenklappenerkrankung in 3,2%,
Mitralklappenerkrankung in 1,0%, andere Vitien in 0,2%, Aortenaneurysma
in 0,2%, hypertensive Herzerkrankung in 3,7%, sonstige Erkrankung in
1,0% der Fälle (Gottwik et al. 2003).
In Zusammenschau der vier Register-Jahresberichte der
Qualitätssicherung in der Invasivkardiologie (QuIK) des Bundes
Niedergelassener Kardiologen (BNK) seit 1999 ist eine deutliche Abnahme
des Befundes „keine bedeutsame organische Herzerkrankung“ (von 1999
17,2% auf 2002 12,3%), aber auch eine deutliche Zunahme des Befundes
„hämodynamisch unbedeutende KHK“ (von 1999 7,6% auf 2002 13,7%) zu
verzeichnen. Weitere Befunde 2002 waren: KHK 68,8%, Vitium 6,2%,
kongenitales Vitium 0,4%, Myokarderkrankung 5,1%, Perikarderkrankung
0,1% und andere Herz- und Kreislauferkrankungen 5,1% (Levenson et al.
2003).
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Koronarangiographien mit Indikation „Verdacht auf KHK“ bzw. „Ausschluss KHK“
Zähler: Koronarangiographien mit führender Diagnose nach Herzkatheter „Ausschluss KHK“
Referenzbereich
Referenzbereich: ≤48,3% (95%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: Nur in seltenen Fällen sollten
Koronarangiographien durchgeführt werden zum Ausschluss einer KHK bzw.
beim Verdacht auf KHK. Eine evidenzbasierte Rate von Eingriffen dieser
Indikation und tatsächlicher Diagnose „Ausschluss KHK“ nach dem
Eingriff, also für Eingriffe, die ggf. überflüssig waren, lässt sich in
der Literatur nicht belegen. Die Fachgruppe hat sich daher für die ≤95%-Perzentile der Krankenhausverteilung als Referenzbereich
entschieden.
Bewertung
In 23,94% der Fälle mit der Indikation „Verdacht auf KHK“ bzw.
„Ausschluss KHK“ wurde tatsächlich eine angiographisch fassbare KHK
ausgeschlossen. Das heißt in diesen Fällen kann aus der ex
post-Betrachtung heraus u.U. eine zu großzügige Indikationsstellung
vermutet werden.
Allerdings lag in 16,12% der genannten Fälle eine KHK mit
Lumeneinengung geringer als 50% vor, bei der in der Regel zwar eine
Intervention durch Dilatation oder Bypass-Operation nicht gegeben ist,
bei der aber eine intensive konservative Therapie angezeigt ist. Die
Spannweite der Krankenhäuser mit mindestens 20 Fällen betrug 0,0 bis
100,0%. Mit den 15 Krankenhäusern, welche außerhalb des
Referenzbereichs von ≤48,3% (95%-Perzentile) liegen, sollte der
Strukturierte Dialog aufgenommen werden.