Qualitätsziel
Möglichst oft ein angemessener „Mix“ der Therapieempfehlungen in Abhängigkeit von der Indikation
Qualitätsindikator
Als Kriterium für einen Hinweis auf einen „Overuse“, also eine zu
häufig gestellte Indikation der Koronarangiographie, wird häufig das
Verhältnis von therapeutischen zu diagnostischen Eingriffen analysiert.
Dabei folgt man der Vorstellung, dass eine Diagnostik vor allem dann
durchgeführt werden soll, wenn sich daraus eine therapeutische
Konsequenz ergibt.
Grundsätzlich ist für die KHK in den letzten 15 Jahren eine
Verschiebung von der herzchirurgischen zur interventionellen Therapie
zu beobachten, da sich zunehmend nicht nur Eingefäßerkrankungen,
sondern auch (unkomplizierte) Mehrgefäßerkrankungen für einen
Kathetereingriff eignen (Erbel et al. 2002).
In den amerikanischen Leitlinien wird ein Verhältnis PTCA zu
Koronarangiographien von 35% als angemessen betrachtet (Bashore et al.
2001, Smith et al. 2001). Gemäß den Daten des SCA&I-Registers lag
es 1998 in den USA bei 31,9% (Sheldon 2000).
In Deutschland lag 2002 dieser Anteil nach Datenlage des ALKK-Registers
bei 30,3%. Bezieht man die Bypass-Operation mit in die Interventionen
ein, so betrug das Verhältnis von Intervention zu Diagnostik 43,2%, im
europäischen Vergleich lag Deutschland damit auf Platz 4 von 8 Ländern
(Gottwik et al. 2003).
Das QuIK-Register (Levenson et al. 2003) berichtet aus dem Jahre 2002
über folgende Verteilung der Therapieempfehlungen: keine Therapie 8,4%,
PTCA 26,9%, Bypass-Operation 13% und medikamentöse Therapie für die
verbleibenden Fälle.
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Koronarangiographien mit Indikation „Verdacht auf KHK bzw. Ausschluss KHK“
Zähler: Koronarangiographien mit Therapieempfehlung „interventionell“ oder „herzchirurgisch“
Referenzbereich
Referenzbereich: ≥10,7% (5%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: In der Literatur lässt sich kein
evidenzbasiertes Verhältnis von diagnostischen und therapeutischen
Herzkathetereingriffen belegen. Die Fachgruppe hat sich daher für die
≥5%-Perzentile der Krankenhausverteilung als Referenzbereich
entschieden. Das heißt die 5% der Krankenhausergebnisse mit dem
niedrigsten Anteil an diagnostischen Kathetereingriffen mit
therapeutischer Konsequenz gelten als auffällig.
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Koronarangiographien mit Indikation „bekannte KHK“
Zähler: Koronarangiographien mit Therapieempfehlung „interventionell“ oder „herzchirurgisch“
Referenzbereich
Referenzbereich: ≥25,0% (5%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: In der Literatur lässt sich kein
evidenzbasiertes Verhältnis von diagnostischen und therapeutischen
Herzkathetereingriffen belegen. Die Fachgruppe hat sich daher für die
≥5%-Perzentile der Krankenhausverteilung als Referenzbereich
entschieden. Das heißt die 5% der Krankenhausergebnisse mit dem
niedrigsten Anteil an diagnostischen Kathetereingriffen mit
therapeutischer Konsequenz gelten als auffällig.
Bewertung
Bei 31,22% aller Koronarangiographien wurde die Therapieempfehlung
zur interventionellen Behandlung gegeben und in 13,95% zur
herzchirurgischen Operation. Somit wurde in 45,17% aller Fälle eine
Revaskularationsindikation gestellt. Das entspricht den aus der
internationalen Literatur bekannten Größenordnungen.
In der Gruppe der 158.939 Koronarangiographien, welche mit der
Indikation „Verdacht auf KHK/Ausschluss KHK“ durchgeführt wurden, wurde
in 19,64% der Fälle die Empfehlung zur interventionellen Therapie und
in 12,59% zur herzchirurgischen Operation gegeben. In der Summe wurde
also in 32,22% eine revaskularisierende Behandlung empfohlen.
Auch in der Gruppe mit der Indikation „Bekannte KHK“ wurde in 43,83%
der Fälle die Therapieempfehlung für revaskularisierende Maßnahmen
(interventionell 34,12% und herzchirurgisch 9,71%) in näherungsweiser
Übereinstimmung mit internationalen Daten ausgesprochen, auch wenn
aufgrund unterschiedlicher Grundgesamtheiten ein direkter Vergleich
nicht möglich ist.
Die Angemessenheit der diagnostischen Koronarangiographie ist
abhängig von der Häufigkeit der daraus resultierenden notwendigen
Revaskularisation. Aus dieser Sicht rechtfertigen die hier
festgestellten Interventionsquoten die Zahl der diagnostischen
Koronarangiographien.
Die Spannweite der Krankenhausergebnisse reicht von 0,0 bis 57,7%
bzw. 4,0 bis 85,8%. Mit den Krankenhäusern, die in weniger als 10,7%
der Fälle (5%-Perzentile) eine Revaskularisationsindikation empfohlen
haben, soll eine Analyse im Strukturierten Dialog erfolgen.