Qualitätsziel
Selten intra- oder postprozedurale MACCE (Major Adverse Cardiac and Cerebrovascular Events) bei Koronarangiographie(n)
Qualitätsindikator
Die Koronarangiographie ist mit einem geringen, im Einzelfall aber
u.U. schwerwiegenden Risiko für Komplikationen verbunden. Das Risiko
nimmt mit dem Alter, dem Krankheitsschweregrad, der Dringlichkeit und
den Begleiterkrankungen zu. Zu den schweren Komplikationen zählen Tod,
Myokardinfarkt und Schlaganfall (MACCE, Major Adverse Cardiac and
Cerebrovascular Events).
Aus dem niedergelassenen Bereich in Deutschland wurden für das Jahr
2002 die Raten für intraoperative Komplikationen bei 68.832
diagnostischen Koronarangiographien berichtet: Herzinfarkt 0,004%,
Schlaganfall 0,03%, Tod 0,02%. Bei 54.990 Fällen wurden postoperative
Komplikationen mit folgenden Raten erfasst: Herzinfarkt 0,05%,
Schlaganfall 0,03%, Tod 0,10% (Qualitätssicherung in der
Invasiv-Kardiologie QuIK, Levenson et al. 2003).
Aus dem ALKK-Register wird für 56.492 Koronarangiographien eine
MACCE-Rate von 0,63% gemeldet (Zeymer & Senges 2004, Daten aus
2003). Diese Zahlen beinhalten alle Todesfälle während des gesamten
stationären Aufenthalts.
Im Register für Koronarangiographie und PCI in Österreich im Jahr 2002
wird von 0,046% Todesfällen und 0,038% Myokardinfarkten bei 41.051
Koronarangiographien berichtet (Mühlberger et al. 2003).
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Patienten mit Koronarangiographie(n), aber ohne PTCA
Zähler: Patienten mit intra- oder postprozedural mindestens einer
TIA bzw. einem Schlaganfall oder postprozedural mit einem Herzinfarkt
oder mit Exitus im Herzkatheterlabor oder postprozeduralem Tod bzw. Tod
während des Krankenhausaufenthaltes infolge einer Komplikation
Referenzbereich
Referenzbereich: ≤1,1% (95%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: Zur zu erwartenden Rate der
Komplikationen lassen sich Ergebnisse aus Registern oder aus dem
ambulanten Bereich näherungsweise heranziehen. Da die
Beobachtungszeiträume hier aber meistens deutlich länger als der
stationäre Aufenthalt sind und die Komplikationen zum Teil anders
definiert wurden, ist eine direkte Vergleichbarkeit nicht gegeben. Die
Fachgruppe legt daher die ≤95%-Perzentile als Referenzbereich fest. In
den Folgejahren ist die Festlegung von absoluten Referenzwerten
vorgesehen. Für 2003 gelten somit die 5% der Krankenhausergebnisse mit
dem höchsten Anteil von MACCE bei Koronarangiographien als auffällig.
Bewertung
Die Gesamtrate für MACCE bei Koronarangiographien ist mit 0,30%
niedriger als im ALKK-Register mit 0,63% und vergleichbar mit den Daten
des QuIK-Registers (Zeymer & Senges 2004, Levenson et al. 2003).
Aufgrund der unterschiedlichen Datendefinition, Beobachtungszeiträume
und Datenakquisition ist eine Vergleichbarkeit mit Daten aus anderen
Registern aber nur eingeschränkt gegeben. Die BQS-Definition von
Komplikationen bezieht sich auf einen Zeitraum von maximal 36 Stunden
nach dem letzten Eingriff, da Komplikationen außerhalb dieses Zeitraums
wahrscheinlich nicht mehr mit dem Eingriff im Zusammenhang stehen. Vor
diesem Hintergrund erscheint der Fachgruppe eine Komplikationsrate von
0,30% als eine realistische Abbildung des Leistungsgeschehens.
Die Spannweite der MACCE-Raten auf Krankenhausebene liegt zwischen 0,0
und 10,5%. Mit den 16 Krankenhäusern, die außerhalb des
Referenzbereichs (≤1,1%, 95%-Perzentile) liegen, soll der
Strukturierte Dialog geführt werden. Weiterhin auffällig im Sinne der
Dokumentationsqualität erscheint der Fachgruppe eine MACCE-Rate von 0%
bei hoher Fallzahl. Die Fachgruppe empfiehlt, dies auf Landesebene
besonders zu überprüfen.