Qualitätsziel
Selten intra- oder postprozedurale MACCE (Major Adverse Cardiac and Cerebrovascular Events) bei PTCA
Qualitätsindikator
Bei einem interventionellen Herzkathetereingriff sind grundsätzlich
die gleichen Komplikationen möglich wie bei einem diagnostischen
Herzkathetereingriff. Die Tatsache, dass bei der PTCA über die reine
Kontrastmittelinjektion hinaus an der Koronararterie manipuliert wird,
führt dazu, dass schwerwiegende Komplikationen wie Koronarverschluss,
Herzinfarkt und Tod hier häufiger auftreten. Als seltene, aber
lebensgefährliche Komplikationen der PTCA kommen Koronarperforationen
oder das unbeabsichtigte Verbleiben von Katheterbestandteilen in der
Koronararterie (z.B. Führungsdraht, Stent) hinzu, die in der Regel
einen Notfalleingriff erforderlich machen (Fejka et al. 2002, Tugtekin
et al. 2003, Fasseas 2004).
Die früher gefürchtete Komplikation des akuten Gefäßverschlusses lässt
sich mit der Stenttechnik heutzutage deutlich besser beherrschen
(Bestehorn 2001).
Zu den schweren Komplikationen Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall
liegen aus verschiedenen Registern und Studien Vergleichszahlen vor:
Bashore et al. stellen in einer Übersicht Komplikationsraten größerer
Studien bzw. Register von 1996 bis 2000 in den USA dar und registrieren
eine Letalitätsrate von 0,3 bis 2,5%, eine Infarktrate von 0,4 bis 2,8%
und neurologische Komplikationen von 0,0 bis 9,4% (Bashore et al.
2001). Notfall-PTCA bei Myokardinfarkt weisen hier deutlich höhere
Komplikationsraten als elektive Eingriffe auf (z.B. Letalität 1,2 bis
7,0%).
Andere Autoren (Williams et al. 2000) berichten aus den
amerikanischen National Heart Lung and Blood Institute Registries von
1998 über 2,8% Myokardinfarkte und 1,9% Todesfälle.
Das National Cardiovascular Data Registry (ACC-NCDR) der USA berichtet
aus den Jahren 1998 bis 2000 bei 146.907 Koronarinterventionen eine
Letalitätsrate von 1,4% und eine Myokardinfarktrate von 0,4% (Anderson
et al. 2002).
Das deutsche ALKK-Register teilt für 30.683 Patienten eine MACCE-Rate
von 2,27% mit (Zeymer & Senges 2004, Daten aus dem Jahr 2003).
Diese Zahlen beinhalten alle Todesfälle während des gesamten
stationären Aufenthalts.
Ausführliche Daten zu den Komplikationen bei PTCA im niedergelassenen
Bereich in Deutschland bieten die Jahresberichte des Registers
Qualitätssicherung in der Invasiv-Kardiologie QuIK (Levenson et al.
2003). Im Jahr 2002 wurden bei 18.823 PTCA folgende Raten für
intraoperative Komplikationen gemeldet: Herzinfarkt 0,06%, Schlaganfall
0,02%, Tod 0,09%. Für 16.474 Fälle wurden folgende Raten für
postoperative Komplikationen berichtet: Herzinfarkt 0,36%, Schlaganfall
0,07%, Tod 0,20%.
Das österreichische PTCA-Register (Mühlberger et al. 2003) weist
2002 eine Letalitätsrate von 0,75% (bei elektiver PTCA 0,26%) und eine
Myokardinfarktrate von 0,95% auf.
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Patienten mit PTCA
Zähler: Patienten mit intra- oder postprozedural mindestens einer
TIA bzw. einem Schlaganfall oder postprozedural mit einem Herzinfarkt
oder mit Exitus im Herzkatheterlabor oder postprozeduralem Tod bzw. Tod
während des Krankenhausaufenthaltes infolge einer Komplikation
Referenzbereich
Referenzbereich: ≤3,2% (95%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: Zur zu erwartenden Rate der
Komplikationen lassen sich Ergebnisse aus Registern oder aus dem
ambulanten Bereich näherungsweise heranziehen. Da die
Beobachtungszeiträume hier aber meistens deutlich länger als der
stationäre Aufenthalt sind und die Komplikationen zum Teil anders
definiert wurden, ist eine direkte Vergleichbarkeit nicht gegeben. Die
Fachgruppe legt daher die ≤95%-Perzentile als Referenzbereich fest. In
den Folgejahren ist die Festlegung von absoluten Referenzwerten
vorgesehen. Für 2003 gelten die 5% der Krankenhausergebnisse mit dem
höchsten Anteil von MACCE bei PTCA als auffällig.
Bewertung
Die Gesamtrate MACCE bei PTCA ist mit 1,19% im Vergleich zum deutschen ALKK-Register etwas niedriger.
Aufgrund der unterschiedlichen Datendefinition,
Beobachtungszeiträume und Datenakquisition ist eine Vergleichbarkeit
mit Daten aus anderen Registern nur eingeschränkt gegeben. Die
BQS-Definition von Komplikationen bezieht sich auf einen Zeitraum von
maximal 36 Stunden nach dem letzten Eingriff, da Komplikationen
außerhalb dieses Zeitraums wahrscheinlich nicht mehr mit dem Eingriff
im Zusammenhang stehen. Vor diesem Hintergrund erscheint der Fachgruppe
Kardiologie eine Komplikationsrate von 1,19% als eine realistische
Abbildung des Leistungsgeschehens.
Die Spannweite der MACCE-Raten auf Krankenhausebene liegt zwischen
0,0 und 8,3%. Mit den 14 Krankenhäusern, die außerhalb des
Referenzbereichs (≤3,2%, 95%-Perzentile) liegen, soll der
Strukturierte Dialog geführt werden. Weiterhin auffällig im Sinne der
Dokumentationsqualität erscheint der Fachgruppe eine MACCE-Rate von
0,0% bei hoher Fallzahl. Die Fachgruppe empfiehlt, dies auf Landesebene
besonders zu überprüfen.