Qualitätsziel
Angemessener Anteil von Operationen mit Verwendung der linksseitigen Arteria mammaria interna (innere Brustwandarterie)
Qualitätsindikator
Die Auswahl des Bypass-Materials in der Koronarchirurgie ist von
entscheidender Bedeutung, da der Verschluss eines Bypassgefäßes
unmittelbare Auswirkungen auf die kardiale Morbidität und Letalität
hat.
Als Bypassgefäße werden hauptsächlich Beinvenen oder die innere Brustwandarterie (Arteria mammaria interna, IMA) verwendet.
Autologe Venen unterliegen im Laufe der Zeit morphologischen
Veränderungen, die zu einer Stenose bzw. einem Verschluss des
Bypassgefäßes führen können (Grondin et al. 1984). So sind zehn Jahre
nach einer Bypassoperation nur noch 41% aller Venenbypässe offen
(Barner et al. 1985). Bei Verwendung der IMA als Bypass-Graft ist diese
Rate mit 83% mehr als doppelt so hoch. Gleichzeitig treten signifikant
weniger Angina pectoris-Beschwerden oder Myokardinfarkte auf. Ebenfalls
wird seltener eine Reoperation oder PTCA zur Eröffnung stenosierter
Gefäße erforderlich. Die 10-Jahres-Überlebensrate ist ebenfalls höher
(Acinapura et al. 1989, Loop et al. 1986).
Die American Heart Association bezeichnet die routinemäßige Verwendung
der IMA zur Anastomose mit dem Ramus interventricularis anterior der
linken Herzkranzarterie (RIVA oder LAD) in ihrer Leitlinie als
allgemein akzeptiertes Standardverfahren in der Bypasschirurgie, ohne
dass hier eine Festlegung zum Evidenzgrad oder eine Empfehlung
ausgesprochen wird (ACC/AHA Guidelines for Coronary Artery Bypass
Grafting (Eagle et al. 1999)).
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle elektiven oder dringlichen isoliert koronarchirurgischen Operationen mit Verwendung eines Grafts
Zähler: Operationen mit Verwendung der IMA (linke ITA) als Graft
Referenzbereich
Referenzbereich: ≥62,4% (5%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: Bei den Ergebnissen zu diesem
Qualitätsindikator zeigte sich eine hohe Variabilität der
Krankenhausergebnisse. Die Verwendung der Arteria mammaria interna als
Bypassgraft wird zwar in den Leitlinien als Standardverfahren in der
Bypasschirurgie aufgeführt. Aus der Literatur lassen sich jedoch keine
absoluten Werte herleiten, die trennscharf die Differenzierung zwischen
guter und verbesserungsbedürftiger Qualität ermöglichen. Daher hat die
Fachgruppe Herzchirurgie hier eine Perzentile als Referenzbereich
festgelegt.
Bewertung
Da aufgrund verschiedener Gegebenheiten (z.B. nach Voroperationen)
die Verwendung der Arteria mammaria interna nicht immer möglich ist,
kann eine Rate von oder nahe 100% nicht erwartet werden. Die in der
Bundesauswertung 2003 ermittelte Gesamtrate von 86,44% kann daher als
Ausdruck guter Versorgungsqualität gewertet werden.
Als Referenzbereich ist die 5%-Perzentile festgelegt worden, so dass
die Krankenhäuser, die bei weniger als 62,4% (5%-Perzentile) ihrer
Patienten die IMA verwendet haben, im strukturierten Dialog um eine
Stellungnahme gebeten werden sollen. Ergebnisse unterhalb dieser Rate
lassen sich aus Sicht der Fachgruppe nicht sicher allein durch ein
spezielles Patientenkollektiv erklären.
In einem Krankenhaus wurde eine Rate von 0% Verwendung der
linksseitigen Arteria mammaria interna dokumentiert. Die Fachgruppe
vermutet, dass diese Rate durch ein Dokumentationsproblem begründet
ist, da nicht erwartet wird, dass auf die Verwendung der IMA in einer
herzchirurgischen Abteilung vollständig verzichtet wird. Eine Klärung
des Sachverhalts wird im Strukturierten Dialog erfolgen.