Zusammenfassung
Unter einer Hernie versteht man eine Vorverlagerung von
Eingeweideanteilen durch eine angeborene oder erworbene Lücke in der
Bauchwand. Die häufigste Form ist die Leistenhernie („Leistenbruch“).
Da es keine spontane Heilung der Hernienerkrankung gibt und immer die
Gefahr der Einklemmung (Inkarzeration) von Eingeweiden in der
Bruchlücke gegeben ist, besteht die adäquate Therapie in der operativen
Versorgung. Hierbei werden unterschiedliche Operationsverfahren
angewandt. Bei den endoskopischen Operationen wird in so genannter
„Schlüssellochtechnik“ die Lücke in der Bauchwand von innen mithilfe
eines Kunststoffnetzes verschlossen. Bei den offenen Eingriffen erfolgt
die Versorgung über einen Schnitt in der Leiste. Dies kann, je nach
Operationstechnik, ebenfalls mithilfe eines Kunststoffnetzes geschehen.
Leistenhernienoperationen gehören zu den häufigsten operativen Eingriffen in Deutschland.
Das Qualitätsziel „Geringe Reinterventionsrate“ betrachtet den Anteil
an Reinterventionen während desselben stationären Aufenthaltes. Eine
Reintervention ist ein erneuter operativer oder interventioneller
Eingriff nach einer Operation wegen postoperativ aufgetretenen
Komplikationen und stellt eine Kennzahl für eine schwerwiegende
Frühkomplikation dar.
Die in der Bundesauswertung 2003 beobachtete durchschnittliche
Reinterventionsrate von 1,15% ist nach Auffassung der Fachgruppe
Viszeralchirurgie Ausdruck einer sehr guten Versorgungsqualität bei der
operativen Versorgung von Leistenhernien in Deutschland.
Während jedoch einige Krankenhäuser keine Reinterventionen nach
Leistenhernienoperationen dokumentiert haben, steigt diese Rate in
anderen Krankenhäusern bis auf 12,5% an.
Die Fachgruppe Viszeralchirurgie empfiehlt, auf der Landesebene
einen Strukturierten Dialog mit 58 auffälligen Krankenhäusern von
insgesamt 1.187 Krankenhäusern einzuleiten, deren Ergebnis oberhalb der
95%-Perzentile der Krankenhausergebnisse (Reinterventionsrate ≤4,2%)
liegt.
Ein Wundhämatom (Bluterguss) oder eine postoperative Nachblutung wurde
bei 1,87% aller Patienten beobachtet. Auch dieses Ergebnis spiegelt
nach Auffassung der Fachgruppe eine sehr gute Versorgungsqualität
wider. Die Spannweite der Krankenhausergebnisse war jedoch auch bei
diesem Indikator erheblich und reichte von 0,0 bis 18,4%. 56 von 1.187
Krankenhäusern, die mehr als 20 Leistenhernienoperationen im Jahr 2003
dokumentiert haben, liegen außerhalb des Referenzbereiches von >
6,1% (95%-Perzentile der Krankenhausergebnisse) und sollen auf
Landesebene im Rahmen des Strukturierten Dialoges um eine Stellungnahme
gebeten werden.
Bei der Bewertung der insgesamt sehr guten Ergebnisse ist zu
berücksichtigen, dass die Rezidivquote, also das erneute Auftreten
einer Leistenhernie nach erfolgter Operation, die als zentrales
Ergebniskriterium in der Leistenhernienchirurgie gilt, nicht in die
Qualitätsdarstellung eingeht. Rezidive treten nach unterschiedlich
langen Zeiträumen auf und die betroffenen Patienten lassen sich
möglicherweise dann in einem anderen Krankenhaus operieren. Die
Verknüpfung der Daten dieser Patienten von Erst- und
Wiederholungsoperation ist jedoch derzeit nicht möglich.