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Qualitätsziel

Immer Risikoeinschätzung für Dekubitus innerhalb der ersten 24 Stunden der pflegerischen Versorgung

Qualitätsindikator

Zur Dekubitusprophylaxe in der Pflege wurde im Jahr 2000 ein evidenzbasierter Expertenstandard vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Auf Grundlage dieses Standards werden die pflegerischen Qualitätsindikatoren der BQS, die sich auf die Dekubitusprophylaxe beziehen, entwickelt.

Der Dekubitus (ein Druckgeschwür durch Wundliegen) stellt für den Patienten immer eine schwerwiegende Komplikation dar, die im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung, langer Immobilität oder Bewusstseinseinschränkung eines Patienten entstehen kann. Mit Hilfe einer Einschätzung des Dekubitusrisikos soll das individuelle Risiko des Patienten erfasst werden, ein Druckgeschwür zu entwickeln. Die Einschätzung des Dekubitusrisikos sollte unmittelbar zu Beginn der Aufnahme eines Patienten in das Krankenhaus erfolgen, da diese Information zur weiteren Pflegeplanung von Bedeutung ist. Zu diesem Zweck erfolgt entweder die Anwendung einer standardisierten Skala oder eine klinische Beurteilung der Patienten ohne Anwendung einer Skala. Skalen und Scores sind Einschätzungsinstrumente, die helfen sollen, den Zustand eines Patienten, dessen Erkrankung oder dessen Gefährdung zu erfassen. Sie können ebenfalls helfen, die Schwere einer Krankheit nach Ausprägungsgraden zu differenzieren, um individualisierte Maßnahmen, wie z.B. eine Dekubitusprophylaxe, zu planen. Sie sollten als Ausgangspunkt und Gedächtnishilfe eingesetzt werde, eine klinische Beurteilung jedoch nicht ersetzen. Als überflüssig kann sich der Einsatz einer Skala dann erweisen, wenn ein Risiko oder eine Erkrankung offensichtlich vorhanden ist. Mit Hilfe einer Dekubitusrisikoskala wird „die Aufmerksamkeit Pflegender auf die wesentlichen Aspekte des Dekubitusrisikos gerichtet“, so lautet die Kommentierung zum Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ (DNQP 2004, S. 83). Eine formale Risikoeinschätzung wird seitens des DNQP empfohlen. Im weiteren Pflegeverlauf sollte die Einschätzung des Dekubitusrisikos in regelmäßigen Intervallen wiederholt werden.

Die betroffenen Patienten, die in den beiden Leistungsbereichen „Schenkelhalsfraktur“ und „Totalendoprothese bei Koxarthrose“ erfasst werden, gehören zu einer Patientengruppe, bei der ein hohes Dekubitusrisiko zu erwarten ist. Die Patienten mit Schenkelhalsfraktur gehören zu den sehr alten Patienten (der Altersmedian liegt bei 81 Jahren, 57,8% sind älter als 80 Jahre), die zumeist akut aufgrund von Stürzen oder Unfällen in das Krankenhaus kommen. Schmerzen und ggf. ein Streckverband schränken die Beweglichkeit stark ein. Zur Operation einer Totalendoprothese bei Koxarthrose werden Patienten aufgenommen, die zwar jünger sind (Median 69 Jahre), die jedoch aufgrund von Schmerzen ebenfalls in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Daher besteht auch bei dieser Patientengruppe ein hohes Dekubitusrisiko. Unmittelbar nach der Aufnahme in das Krankenhaus sind prophylaktische Maßnahmen zur Vermeidung eines Dekubitus individuell für den Patienten zu planen und einzuleiten. Hierbei ist die Einschätzung des Dekubitusrisikos bei der Planung der Pflegemaßnahmen notwendig.

Methodik

Rechenregel: Grundgesamtheit: Patienten mit dokumentiertem Pflegedatensatz aus den Modulen 17/1 und 17/2

Zähler: Patienten mit Risikoeinschätzung für Dekubitus

Erläuterung der Rechenregel: Risikoeinschätzung für Dekubitus = 1 (ja) bedeutet, dass hierzu eine Skala verwendet worden sein muss (vgl. Ausfüllhinweis).

Referenzbereich

Referenzbereich: = 100%

Erläuterung zum Referenzbereich: Die systematische Einschätzung des Dekubitusrisikos ist bei der betrachteten Patientengruppe unabdingbar.
Im nationalen Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ (DNQP 2004) wird ausgedrückt, dass eine „Risikoeinschätzung mit einer Skala erfolgen sollte“. In den Ausfüllhinweisen wurde festgelegt, dass eine Skala verwendet werden muss. Auf diesen Widerspruch ist im Strukturierten Dialog hinzuweisen.
Die Fachgruppe ist sich bewusst, dass ggf. aus Machbarkeitsgründen auf Landesebene mit Perzentilen gearbeitet werden muss.

Bewertung

Die Einschätzung des Dekubitusrisikos wurde in 73,09% der Fälle angegeben. Damit liegt die Rate des Jahres 2003 noch unterhalb des Vorjahresergebnisses von 74,3%. Die Fachgruppe hält eine Rate von 73,09% für nicht zufrieden stellend. Hierbei stützt sich die Fachgruppe auf den nationalen Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“, der empfiehlt, die erste Risikoeinschätzung „unmittelbar zu Beginn des pflegerischen Auftrags“ bei jedem Patienten durchzuführen, „bei dem die Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann“ (DNQP 2004). Diese Empfehlung lässt sich in der britischen Leitlinie des „Royal College of Nursing“ ebenfalls finden (Rycroft-Malone & McInnes 2001).

In dem Ausfüllhinweis zu diesem Indikator wurde darauf hingewiesen, dass die Einschätzung des Dekubitusrisikos mit einer Skala erfolgen muss. Es liegt jedoch in der internationalen Literatur nur eine geringe Evidenz vor, dass die standardisierte Einschätzung mit einer Skala einen Vorteil gegenüber einer Einschätzung ohne Skala hat (NICE 2003). Auf diesen Widerspruch möchte die Fachgruppe in der Bewertung der Krankenhausergebnisse hinweisen. Grundsätzlich ist eine Risikoeinschätzung bei jedem dieser Patienten in den beiden Leistungsbereichen zu fordern. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass Pflegepersonen in dem Datensatz ein „Nein“ angekreuzt haben, da sie keine Skala zur Einschätzung verwendet hatten, obwohl sie eine klinische Einschätzung ohne eine Skala durchgeführt hatten.

Die Fachgruppe Pflege hat einen Referenzwert von 100% festgelegt. 278 von 310 Krankenhäusern, die mindestens 20 Fälle in dieser Grundgesamtheit dokumentiert hatten, liegen außerhalb des Referenzbereichs. Für den Strukturierten Dialog geht die Empfehlung zur Nachfrage, mit welchem Erfolg die Dekubitusprophylaxe in den auffälligen Krankenhäusern sichergestellt werden konnte. Aufgrund der hohen Zahl auffälliger Krankenhäuser kann die Verwendung von Perzentilen praktikabler sein. Bei der Festlegung des Referenzwertes sollte jedoch nicht der irreführende Eindruck erweckt werden, dass eine Risikoeinschätzung für Dekubitus in weniger als 100% der Fälle erfolgen sollte.