Qualitätsziel
Selten spezifische intra-/postoperative Komplikationen bei TUR
Qualitätsindikator
Der Verbesserung der Symptomatik durch eine TUR muss die
perioperative Morbidität und Letalität gegenübergestellt werden.
Wesentliche Komplikationen sind Blutungen und Infektionen.
Mebust et al. teilen eine intraoperative Rate von 6,9%
(transfusionspflichtige Blutung 2,5%, TUR-Syndrom 2,0%,
Herzrhythmusstörungen 1,1%, Extravasat 0,9%) mit. Postoperativ betrug
die Gesamtkomplikationsrate 18% (Harnverhalt 6,5%, Blutungen 3,9%,
Blasentamponade 3,3%, Infektionen 2,3%) (Mebust et al. 2002). Andere
Autoren berichten über einen Zeitraum von acht Jahren aus einem
Operationszentrum von folgenden Gesamtkomplikationsraten: intraoperativ
2,5%, postoperativ 10,8% und spät postoperativ nach einer mittleren
Beobachtungszeit von 42 Monaten 8,5% (Borboroglu et al. 1999).
Die Gabe von Transfusionen lässt sich als Qualitätsindikator
verwenden. Bei Patienten mit präoperativ normalem Hämoglobinwert (Hb)
und einer Resektion von weniger als 30g ist normalerweise keine
Bluttransfusion notwendig (Kirollos & Campbell 1997). Nach
Einschätzung von Pientka (1998) dürfte die Transfusionshäufigkeit nach
TUR in guten Zentren bei 1% liegen, in ca. 2,2% der Fälle sind
chirurgische Interventionen wegen einer Blutung notwendig. Die
Studienanalyse in der aktuellen Leitlinie der amerikanischen
Fachgesellschaft AUA weist allerdings eine Rate signifikanter
Hämaturien von 6% (Median) und eine Transfusionsrate von 8% (Median)
aus (AUA 2003a).
Die postoperativen Infektionen lassen sich unterteilen in
Harnwegsinfekte und Epididymitiden. Es wurden für TUR eine
Harnwegsinfektionsrate von 15,5% und eine Epididymitisrate von 1,0%
(Median) errechnet (McConnell et al. 1994). Die AUA-Leitlinie weist
eine Gesamtinfektionsrate von 6% Infektionen aus (AUA 2003a).
Ein weiteres Problem stellt die postoperative Harninkontinenz dar,
wobei im Krankheitsverlauf „natürliche“ Inkontinenzfälle berücksichtigt
werden müssen (Haab et al. 1996). Die AUA-Leitlinien berichten hier von
einer Inkontinenzrate von 3% im Median (AUA 2003a). Wasson et al.
(1995) fanden im randomisierten Vergleich TUR gegenüber kontrolliertem
Zuwarten nach 3 Jahren keine erhöhte Harninkontinenz- bzw. Impotenzrate
bei chirurgischer Versorgung.
Für Blasenhals- und Harnröhrenstrikturen nach TUR geben McConnell et
al. (1994) eine Rate von 3,1%, für Impotenz von 13,6% an. Die
aktuelleren Analysen der AUA-Leitlinien weisen hier im Median 7% für
Harnröhrenstrikturen und 10% für Erektionsstörungen aus (AUA 2003a).
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Patienten mit TUR
Zähler: Patienten mit mindestens einer spezifischen intra- oder
postoperativen Komplikation (behandlungsbedürftiges TUR-Syndrom,
transfusionspflichtige Blutung, klinisch relevante Harnwegsinfektion,
operative Revision, Nachresektion oder Koagulation)
Referenzbereich
Referenzbereich: ≤20%
Erläuterung zum Referenzbereich: „Mindestens eine Komplikation“
umfasst eine heterogene Gruppe von schwerwiegenden und weniger
schwerwiegenden Komplikationen. Die Rate lag in der Bundesauswertung
2002 über 10%. Die Fachgruppe legt einen Referenzbereich bis 20% fest.
Auf Festlegung von Referenzbereichen für jede einzelne Komplikation
wird verzichtet.
Bewertung
Die Gesamtrate von 11,80% (2002: 11,41%) weist gegenüber der
internationalen Literatur eine unauffällige Versorgungsqualität auf.
Aufgrund unterschiedlicher Beobachtungszeiträume und unterschiedlicher
Definitionen der Komplikationen sind die Zahlen allerdings nur bedingt
vergleichbar.
59 von 418 Krankenhäusern mit mindestens 20 Fällen lagen außerhalb des
von der Fachgruppe festgelegten Referenzbereichs von ≤20%.
Bemerkenswert erscheint der Fachgruppe, dass in den Krankenhäusern mit
weniger als 20 Fällen die Komplikationsrate teilweise sehr hoch liegt.