Qualitätsziel
Immer Indikation ausreichend gesichert
Qualitätsindikator
Schmerzen und/oder Parästhesien im vierten
und fünften Finger der Hand können unterschiedliche Ursachen haben.
Neben einer Kompression des Nervus ulnaris im Ellenbogenbereich
(Sulcus-ulnaris-Syndrom) kommen differentialdiagnostisch so
unterschiedliche Erkrankungen wie eine Myopathie, eine myatrophe
Lateralsklerose oder ein Thoracic-outlet-Syndrom in Betracht. Auch eine
Kompression der Nervenwurzeln C7, C8 oder Th1 kann diese Symptome
verursachen. Eine elektrophysiologische Diagnostik dient der Sicherung
einer Neuropathie des Nervus ulnaris und der Lokalisation der
Nervenschädigung. Die Indikation zur Operation ist gegeben, wenn unter
konservativer Therapie keine Verbesserung oder sogar eine
Verschlechterung der Symptomatik auftritt, sowie bei persistierenden
Sensibilitätsstörungen, bei Schwäche bzw. Atrophie der vom Nervus
ulnaris innervierten Muskulatur.
Die elektrophysiologische Diagnostik wird in den Leitlinien von zwei
wissenschaftlichen Fachgesellschaften (Benatar et al. 2001, Stöhr et
al. 2002) als präoperativ notwendig bezeichnet, ohne dass hierfür
Angaben zur Evidenz gemacht werden.
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Alle Patienten
Zähler: Patienten mit Schmerz und/oder Parästhesien im fünften und vierten Finger
- oder mit Lokalschmerz des Nervus ulnaris
- oder mit Verlaufsschmerz des Nervus ulnaris
- oder mit motorischer Schwäche im Ausbreitungsgebiet des Nervus ulnaris
- oder mit sensibler Störung im Ausbreitungsgebiet des N. ulnaris
und Verzögerung der motorischen Nervenleitgeschwindigkeit oder
Verzögerung der sensiblen Nervenleitgeschwindigkeit oder pathologischer
Elektromyographie.
Referenzbereich
Referenzbereich: ≥90%
Erläuterung zum Referenzbereich: Es sind seltene Konstellationen
denkbar, in denen die Indikation zur Operation ausschließlich anhand
der klinischen Symptomatik erfolgen kann, eine apparative Diagnostik
daher nicht erforderlich ist.
Bewertung
Die Gesamtrate der Fälle mit ausreichend gesicherter
Indikation liegt mit 86,55% (2002: 86,23%) außerhalb des von der
Fachgruppe festgelegten Referenzbereichs. Hier besteht nach Überzeugung
der Fachgruppe Verbesserungspotenzial.
Die Spannweite der Ergebnisse der Krankenhäuser mit mindestens 20
Fällen in der Grundgesamtheit reicht von 52,4 bis 100,0%. Vier von 37
Krankenhäusern liegen mit ihren Ergebnissen außerhalb des festgelegten
Referenzbereiches von ≥90%. Im Strukturierten Dialog mit den
auffälligen Krankenhäusern soll analysiert werden, wie die
Indikationsstellung in den Fällen mit elektrophysiologischen
Untersuchungen ohne pathologischen Befund erfolgt ist.
Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass 547
Krankenhäuser im Jahr 2003 die Durchführung von weniger als 20
Dekompressionen bei Sulcus-ulnaris-Syndrom dokumentiert haben.