Zusammenfassung
Bei der Tonsillektomie (Entfernung der
Rachenmandeln) handelt es sich um eine häufige HNO-ärztliche Operation.
Die wichtigsten Indikationen zur Tonsillektomie sind nach einer
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde,
Kopf- und Halschirurgie chronische Entzündungen, übermäßige
Vergrößerungen der Tonsillen und Abszesse (Ganzer & Arnold 2001).
Erforderlich ist eine strenge Indikationsstellung zur Tonsillektomie,
da bei diesem Eingriff sehr schwerwiegende Komplikationen auftreten
können.
Für die externe Qualitätssicherung wurden von der Fachgruppe HNO fünf
Qualitätsziele definiert, von denen zwei für die Berichterstattung im
BQS-Qualitätsreport ausgewählt wurden.
Anhand der beiden Qualitätsziele „Häufig Tonsillektomie mit Adenotomie
bei Kindern und Jugendlichen, selten bei Erwachsenen“ und „Selten
behandlungspflichtige Nachblutungen bei Patienten ohne
Gerinnungsstörung und ohne medikamentös behandlungspflichtigen
Bluthochdruck“ werden die Indikationsstellung und die Ergebnisqualität
bewertet.
Eine Tonsillektomie mit gleichzeitiger Adenotomie (Entfernung der
Gaumenmandeln) soll bei Erwachsenen selten durchgeführt werden, da im
Erwachsenenalter die Gaumenmandeln stark zurückgebildet sind. Dieser
Kombinationseingriff ist in der Regel bei Kindern indiziert.
Für diesen Qualitätsindikator wurde eine Gesamtrate von 9,27%
ermittelt. Das heißt, dass bei Erwachsenen (Alter ab 20 Jahren) in
9,27% der Fälle mit der Tonsillektomie auch eine Adenotomie
durchgeführt worden ist. Aus klinischer Erfahrung bewertet die
Fachgruppe dieses Ergebnis als akzeptabel und Ausdruck sachgerechter
Indikationsstellung. Auffällig ist allerdings die Spannweite mit
Krankenhausergebnissen zwischen 0,0 und 100,0%. 132 Krankenhäuser lagen
mit ihren Ergebnissen oberhalb des Referenzbereichs von ≤10% und
sollen im Strukturierten Dialog um eine Stellungnahme gebeten werden.
Das Qualitätsziel „Selten behandlungspflichtige Nachblutungen bei
Patienten ohne Gerinnungsstörung und ohne medikamentös
behandlungspflichtigen Bluthochdruck“ betrachtet die Nachblutung als
die gefürchtetste Komplikation nach einer Tonsillektomie. Nachblutungen
innerhalb der ersten 24 Stunden lassen am ehesten Rückschlüsse auf die
Qualität der Operation zu.
Die ermittelte Gesamtrate von 1,74% Nachblutungen innerhalb der ersten
24 Stunden wird als sehr gutes Ergebnis bewertet. Auffällig ist
allerdings die sehr hohe Spannweite von 0,0 bis 90,7%. Für die
Bewertung muss berücksichtigt werden, dass trotz der Eingrenzung der
Dokumentation auf behandlungspflichtige Nachblutungen unterschiedliche
Vorgehensweisen bei der Dokumentation die Ergebnisse beeinflussen
können. Auch dieser Aspekt soll im Strukturierten Dialog analysiert
werden.
Die Fachgruppe hält für die Betrachtung der Ergebnisqualität bei der
Tonsillektomie die Möglichkeit der Erfassung von Nachblutungen nach
Entlassung aus der stationären Behandlung für eine wichtige methodische
Weiterentwicklung. Durch Nachblutungen bedingte Todesfälle sind
dramatische Ereignisse, die durch eine weitere Verkürzung der
stationären Aufenthalte möglicherweise zunehmen werden.
Eine Diskussion über die Entwicklung der Verweildauern ist nach Ansicht
der Fachgruppe erforderlich, auch wenn diese in Deutschland im
internationalen Vergleich eher lang sind. Dieser Sachverhalt kann
allerdings gesundheitspolitisch gut begründet werden, wenn auch nur
wenige Todesfälle von Kindern durch die längeren Verweildauern
vermieden und damit höhere Kosten gerechtfertigt werden.