Qualitätsziel
Selten behandlungspflichtige Nachblutungen bei Patienten ohne
Gerinnungsstörung und ohne medikamentös behandlungspflichtigen
Bluthochdruck
Qualitätsindikator
Eine sehr schwerwiegende Komplikation nach einer Tonsillektomie ist
die Nachblutung. Am häufigsten tritt sie am Operationstag, am ersten
oder zweiten Tag nach der Operation sowie am fünften oder sechsten
postoperativen Tag auf. Gelegentlich wird eine Nachblutung auch nach
bis zu drei Wochen beobachtet. Nachblutungen innerhalb der ersten 24
Stunden können am ehesten auf die Operationstechnik bezogen werden und
können somit Rückschlüsse auf die Qualität der Operation geben.
Nachblutungsraten in der Literatur sind schwierig zu vergleichen, da
unterschiedliche Nachbeobachtungszeiträume und vor allem
unterschiedliche Definitionen zur Erfassung der Nachblutung eingesetzt
werden.
Eine Risikostratifizierung erfolgt, indem Patienten ohne
Bluthochdruck und ohne Gerinnungsstörungen aus der Grundgesamtheit
ausgeschlossen werden. Damit kann ein um präexistente Faktoren einer
Blutungsneigung bereinigtes, homogenes Kollektiv betrachtet
werden.
Methodik
Rechenregel:
Grundgesamtheit: Patienten ohne Gerinnungsstörung und ohne medikamentös behandlungsbedürftigen Bluthochdruck
Zähler: Nachblutungen innerhalb der ersten 24h
Referenzbereich
Referenzbereich: ≤10,8% (95%-Perzentile)
Erläuterung zum Referenzbereich: Evidenzbasierte Kriterien für die
Festlegung eines festen Wertes fehlen, da in der Literatur und der
Qualitätssicherung andere Beobachtungszeiträume betrachtet werden.
Ebenfalls werden in der Literatur uneinheitliche Definitionen für die Erfassung einer Nachblutung verwendet.
Bewertung
Die nicht risikostratifizierte Gesamtrate der Nachblutungen von
4,70% bezogen auf alle Patienten und den gesamten stationären
Aufenthalt ist als Ausdruck unauffälliger Versorgungsqualität anzusehen.
Für den externen Qualitätsvergleich erfolgt zusätzlich insbesondere
die Betrachtung des risikostandardisierten Qualitätsindikators
„Nachblutungen bei Patienten ohne präoperatives Blutungsrisiko
innerhalb der ersten 24 Stunden“. Die Gesamtrate von 1,74% für diesen
Qualitätsindikator wird von der Fachgruppe HNO als sehr gutes Ergebnis
bewertet.
Die Spannweite der Krankenhausergebnisse von 0,0 bis 90,7% ist
allerdings auffällig, insbesondere da ein risikostandardisiertes
Kollektiv betrachtet wird. Für die Bewertung muss berücksichtigt
werden, dass trotz der Eingrenzung der Dokumentation auf
behandlungspflichtige Nachblutungen unterschiedliche Vorgehensweisen
bei der Dokumentation die Ergebnisse beeinflussen können. Auch dieser
Aspekt soll im Strukturierten Dialog analysiert werden.